Samstag, 11. Juli 2020

Durchblick im Sommer

Ausgabe 2020.06

Sonne, Chlorwasser und Klimaanlagen: Unsere Augen sind im Sommer ganz schön gefordert. GESÜNDER LEBEN über die Ursachen – und wie sie mit strahlen-gesundem Blick durch die warme Jahreszeit kommen. 


Foto: © iStock_wundervisuals

 

Auusgelassene Tage am See oder im Freibad, harmonisches Verweilen im Gastgarten, eine ausgiebige Fahrt mit dem Cabrio oder einfach nur entspanntes Faulenzen im eigenen Garten – was im Sommer der Seele guttut, ist nicht zwingend auch Wellness für unsere Augen! Ähnlich wie unsere Haut ist auch unser „Fenster zur Welt“ im Sommer zahlreichen Herausforderungen ausgesetzt. Vor allem die nun verstärkte UV-Strahlung der Sonne lässt unsere Augen im wahrsten Sinne des Wortes rot (aus)sehen. „In der Netzhaut befinden sich zahlreiche kleine Fotorezeptoren, die Licht in elektrischen Impuls umwandeln, der wiederum über den Sehnerv ins Gehirn weitergeleitet wird“, erklärt Dr. Matthias Bolz, Leiter der Augenabteilung am Kepler Universitätsklinikum Linz. „Bei starkem UV-Licht werden diese Fotorezeptoren der Gefahr einer Schädigung ausgesetzt.“ Oder noch präziser, so der Experte: „Eigentlich sind es nur die blauen Lichtanteile im UV-Licht, die eine gesundheitsschädigende Wirkung auslösen.“

Gefährliches Sonnenlicht
Bei lang andauernder starker Sonneneinstrahlung beziehungsweise bei plötzlicher Exposition durch intensives Sonnenlicht reagiert das Auge mit Irritation und Reizung – „was sich durch ein unangenehmes Fremdkörpergefühl, Jucken, Rötung, starker Tränenfluss, Brennen, Schmerzen, unscharfes Sehen oder Lichtempfindlichkeit äußern kann.“ Kurz: Der Tränenfilm verringert sich, die Augen trocknen aus – die Folge kann eine Bindehautentzündung sein. Oftmals machen sich Beeinträchtigungen der Augen durch übermäßige UV-Strahlung erst Stunden später bemerkbar – oder gar erst im Alter: „Sonnenlicht kann Schädigungen an der Netzhaut hervorrufen, die auch bleibend sein können. So zum Beispiel kann es eine vorzeitige Trübung der Linse verursachen oder eine Makuladegeneration begünstigen.“ Nicht jeder Mensch beziehungsweise jedes Auge reagiert übrigens in gleicher Weise auf Sonnenlicht. „Ob Augen sonnenempfindlich sind, hängt nicht vom Geschlecht oder Alter ab“, so Bolz, der aber anmerkt: „Alle Augen müssen gleich beschützt werden – das gilt auch für Kinderaugen. Leider tragen in Österreich viel zu wenig Kinder eine Sonnenbrille. Eltern müssten hier stärker als Vorbild fungieren.“ Helle Augen sind aufgrund der verminderten Pigmentierung prinzipiell sonnenempfindlicher als dunkle Augen“, erläutert der Facharzt.

Vorsicht beim Schwimmen
Eine weitere Herausforderung, mit der unsere Augen in den Sommermonaten zu kämpfen haben: das Schwimmen im Chlor- und Salzwasser oder auch in Naturgewässern. Wobei in Schwimmbädern nicht nur das Chlor alleine, sondern vor allem das Gemisch aus Harnstoff und Sonnencreme leicht zu geröteten, juckenden und brennenden Augen führen kann. „In der Regel beruhigen sich die Augen von selbst nach kurzer Zeit wieder“, so Bolz. Nicht harmlos hingegen ist eine sogenannte Schwimmbadkonjunktivitis, die – wie der Name schon sagt – in Schwimmbädern  entstehen kann: Keime oder Bakterien dringen in das Auge ein und können dort eine starke Entzündung, teilweise auch mit eitrigem Ausfluss verursachen. Kontaktlinsenträger sind besonders gefährdet, da sich die Bakterien unter der Linse ansammeln und gut vermehren können. Rote Augen können übrigens auch Symptom einer Überreaktion gegen Chlor sein, besonders dann, wenn zusätzlich ein juckender Hautausschlag und Atemwegsprobleme auftreten. Diese Beschwerden sollten von einem Allergologen abgeklärt werden.

Die optimale Sonnenbrille
Auch Klimaanlagen oder starker Luftzug beim Auto- oder Zugfahren machen den Augen zu schaffen. „Diese Faktoren trocknen den Tränenfilm auf der Augenoberfläche aus und können erneut eine Bindehautentzündung nach sich ziehen“, gibt Bolz zu bedenken. Stellen Sie das Gebläse der Klimaanlage deshalb nur auf niedrige Stufe ein und richten Sie es nicht direkt auf Ihr Gesicht. Bei Beschwerden verzichten Sie bestenfalls vorübergehend gänzlich auf die Verwendung einer Klimaanlage. Gegen starken Wind kann auch eine Sonnenbrille schützen – ohnehin das Must-Have im Sommer, nicht nur aus optischen, sondern vor allem aus gesundheitlichen Gründen. Wobei: „Die Tönung sagt nichts über die Wirksamkeit der Gläser aus“, so Bolz. „Achten Sie beim Kauf einer Sonnenbrille auf einen möglichst hohen UV-Filter im Glas. Je höher, desto besser!“ Gute Orientierungshilfen sind die Bezeichnungen „UV 380“ oder „UV 400“. Zudem sollten die Gläser groß und breit genug sein, um die Augen zusätzlich vor seitlichem Lichteinfall zu schützen. Von grünlichen oder gelblich gefärbten Gläsern sollte man Abstand nehmen, da diese die Originalfarben verfälschen und das Auge unnötig anstrengen. „Tragen Sie auch bei bewölktem Wetter eine Sonnenbrille, da die UV-Strahlen durch die Wolken durchdringen können“, rät Bolz.

Augen richtig schützen
Juckt, brennt oder schmerzt das Auge, gilt: Nicht reiben, denn das verschlimmert die Symptome! Zudem kann sich eine infektiöse Bindehautentzündung leicht auf das andere Auge ausbreiten. „Gegen trockene Augen helfen Tränenersatzmittel, also befeuchtende Augentropfen“, so Bolz. Wendet man diese öfter an, sollte zu Mitteln ohne Konservierungsstoffe gegriffen werden. Gelangt Sonnencreme oder Make-up ins Auge, waschen Sie dieses vorsichtig von Außen nach Innen aus. Kontaktlinsenträger sollten nach dem Schwimmen auf eine genaue Reinigung der Linsen achten. Bleiben die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen bestehen oder handelt es sich gar um eine Schimmbadkonjunktivitis, ist der Gang zum Augenarzt unvermeidlich.

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2020-07-08 130x173Aktuelles Heft 07-08/2020

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. September

 

Unsere Ausgabe 06/2020 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Welche Erfahrung haben Sie mit Mobbing/Hass im Internet?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information