Doktor Tee

Ausgabe 2019.11

Kräutertees sind ideale Helfer gegen winterliche Beschwerden wie Husten, Fieber und Halsweh. Sie wirken sogar stimmungsaufhellend an trüben Tagen oder gegen Magenschmerzen nach zu deftigem Essen.


Foto: iStock-Elenathewise

Kaum wird es draußen wieder kühl und früh dunkel, ist unser Körper auf vielfältige Weise belastet. Erkältungen oder grippale Infekte bringen Halsschmerzen, zähen Husten und mitunter Fieber. Die langen dunklen Tage schlagen sich manchmal auf die Stimmung, und selbst die kulinarischen Köstlichkeiten des Winters wie Braten mit Knödel, Gansl und Co haben ihre Schattenseiten – nämlich Völlegefühl und Bauchweh. Bei vielen dieser Beschwerden gibt es jedoch wirksame Kräuter, die in Form von Tees Leiden lindern. Gerda Holzmann ist Kräuterexpertin bei „Sonnentor“ und weiß um die wohltuende Wirkung: „Wer auf hochwertige Qualität vertraut, findet in Tees eine tolle Unterstützung für sein Wohlbefinden. Es ist eine einfache Methode, um die Kräfte der Natur für die eigene Gesundheit zu nutzen. Schließlich ist gegen die meisten Wehwehchen ein Kraut gewachsen.“ Und das mit langer Tradition – so werden in China Kräuter bereits seit 2.700 v. Chr. zu Heilzwecken eingesetzt.

Halsweh-Stopp und Husten-Aus
Egal ob lästiger Reizhusten oder eine schmerzhafte Halsentzündung, Tees können hier natürliche Linderung bringen. Bei Husten und Heiserkeit sowie Entzündungen im Hals- und Rachenraum verschafft etwa Lindenblütentee Erleichterung. Holzmann: „Mein Tipp: Lindenblüten werden als Teeaufguss getrunken. Mit einem Löffelchen Honig gesüßt, ist nicht nur die Wirkung, sondern auch der Geschmack ein echtes Highlight.“ Salbei wirkt vor allem wärmend und desinfizierend, weswegen er bei Halsschmerzen eingesetzt wird. Zum Trinken am besten nur kurz ziehen lassen, länger gezogen eignet er sich dann vor allem gut zum Gurgeln. „Und die Käspappel ist genau das richtige Kräutlein, wenn der Frosch einmal im Hals stecken geblieben ist. Dank Schleim- und Gerbstoffen wirkt sie reizlindernd bei trockenem Mund, Heiserkeit oder Husten“, weiß die Expertin. Lauwarmer Käspappeltee eignet sich übrigens auch gut zum Gurgeln bei Halsbeschwerden. Dafür einfach einen starken Tee brauen und etwas auskühlen lassen. Bei Husten aller Art kommt schließlich Thymian zum Einsatz. Seine ätherischen Öle enthalten Thymol, das antibakterielle Eigenschaften hat. Er empfiehlt sich sich nicht nur als Tee, sondern auch als Beigabe zu Inhalationen.

Das 1x1 des Teekochens

Damit Tee seine ganze wohltuende Kraft und seinen vollen Geschmack entfalten kann, hat GESÜNDER LEBEN Tipps für die optimale Zubereitung.

Dosierung
Tee enthält ätherische Öle und Mineralstoffe, die als Grundlage für das Aroma dienen. Den meisten Menschen schmeckt Tee besser, wenn er kräftig zubereitet wird. Das heißt ein Teelöffel pro Tasse – oder ein Teebeutel. Wichtig ist, dass er frisch aufgegossen wird, um sein volles Aroma zu entfalten.

Ziehdauer
Diese ist abhängig vom Kraut bzw. der Mischung. Grün-, Weiß- oder Schwarztees sollten etwa ein bis drei Minuten ziehen. Kräutertees haben prinzipiell eine längere Ziehzeit: So liegt diese bei Kräuter-, Früchte- und Gewürztees üblicherweise zwischen fünf und zehn Minuten.

Vorwärmen ja oder nein?
Bei Kräuter-, Früchte- und Gewürztees ist das nicht notwendig. Bei Camellia-sinensis-Tees, also Grüntee, Schwarztee und Weißtee, hat es allerdings Sinn. Die Aromen dieser Teesorten entfalten sich dann besser.

Wassertemperatur
Bei Kräuter-, Früchte- und Gewürztees sollte die Temperatur bei 100°C liegen, um Aroma und Wirkstoffe freizusetzen. Das gilt auch für schwarzen Tee. Grüner und weißer Tee verlangen schonendere Zubereitung, das gekochte Wasser deshalb etwas abkühlen lassen. Das Wasser sollte übrigens immer frisch aufgekocht werden. Ist es zu kalkhältig, kann man es für einen besseren Geschmack filtern. Lässt man es kurz spru - delnd kochen, kann sich auch der Kalk absetzen.

Material der Kanne
Die Inhaltsstoffe der Tees reagieren mit dem Kannenmaterial. Das geeignetste Material ist Glas oder glasierte Keramik. Kannen mit Metall können das Aroma verändern.

Reinigen
Eigentlich reicht es, die Teekanne mit heißem Wasser auszuspülen. Vor allem, wenn man gerne den immer gleichen Tee trinkt, kann sich so das Aroma beim nächsten Aufguss besser entfalten.

Lagerung
Tee kann andere Aromen sehr leicht annehmen. Loser Tee wird deshalb am besten in einer verschlossenen Dose gelagert. So wird er zudem vor Licht, Wärme und Feuchtigkeit geschützt.

Loser Tee oder Teebeutel?
Bei losem Tee haben die großen Blätter die ideale Möglichkeit, ihre Aromen zu entfalten. Wer auf eine hohe Qualität setzt, kann aber dennoch mit ruhigem Gewissen auch Teebeutel verwenden. Gerade wenn man in Eile ist oder im Büro, wird diese Variante von vielen bevorzugt. Sicherheitshalber kann man sich auch ein paar Teebeutel in die Handtasche oder die Aktentasche stecken. So hat man seine Helferlein immer dabei.

Bio oder konventionell?
Wer seinem Körper etwas Gutes tun möchte, sollte jedenfalls auf Bio-Qualität vertrauen. So bleibt das Kraut ganz natürlich und frei von Chemie. Man unterstützt mit dem Kauf von Bio-Produkten eine naturnahe Landwirtschaft ohne Einsatz von Pestiziden.


 

Schneller fieberfrei
Lindenblütentee ist ein echtes Multitalent und auch bei Fieber eine gute Wahl. „Aufgrund der schweißtreibenden Eigenschaften sind Lindenblüten bei Grippe das richtige Kraut.“ Schweißtreibend wirkt ebenfalls ein Tee aus Holunderblüten. „Er ist ein willkommenes Mittel, um Erkältungen rauszuschwitzen oder diesen vorzubeugen“, erklärt die Kräuterfachfrau. Eine Pflanze aus dem Süden kommt bei zu hoher Körpertemperatur ebenfalls gerne zum Einsatz: Olivenblätter bieten einen guten Zellschutz und gelten als Wundermittel gegen Fieber. Tipp: Die losen Blätter 10 bis 20 Minuten ziehen lassen.

Gegen den Winterblues
Graue Tage, frühe Dunkelheit und viel weniger Aufenthalte im Freien – das schlägt einem schon mal aufs Gemüt. Nicht jede Verstimmung muss gleich medikamentös behandelt werden. Echtes Johanniskraut ist eines der in Europa am häufigsten als Antidepressivum eingesetzten pflanzlichen Arzneimittel. Das Heilmittel soll Trübsinn, Antriebslosigkeit und Müdigkeit vertreiben. Auch die Apfelminze wird in der Volksmedizin als Stimmungsaufheller eingesetzt. Sie stärkt die Nerven und den Geist. „Und garantiert nicht berauschend, aber stimmungsaufhellend und beruhigend ist ein Aufguss aus Hanfblättern“, so ein weiterer Tipp von Gerda Holzmann.

Beruhigung für Magen und Darm
Während man im Sommer gerne mal bloß ein paar Salatblätter knabbert, darf es im Winter für viele schon recht deftig zugehen. Dazu kommen etwaige Sünden bei dem Besuch von Adventmärkten und Weihnachtsfeiern, die ihre Spuren hinterlassen. Hilfreiche Kräutertees gibt es zum Glück genug: Ein Klassiker ist Kamillentee, der Magen und Darm beruhigt und auch bei Blähungen, Verdauungsbeschwerden und Magenkrämpfen wirkt. Fenchel wird nicht nur bei Babybauchweh eingesetzt, sondern auch bei Erwachsenen. Er wirkt krampflösend, ähnlich wie der beliebte Pfefferminztee. Dieser ist darüber hinaus aber auch gut gegen Übelkeit und unterstützt die Verdauung.
Bei Völlegefühl und Blähungen gehört der Darm entlastet, Anis und Kümmel helfen bestens, auch in Kombination mit Fenchel. Der schon erwähnte Käspappeltee ist übrigens bei leichten Schleimhautentzündungen im Magen-Darm-Bereich ebenfalls hilfreich. Außerdem setzt man die Käspappel auch erfolgreich als Kompresse am Magen ein, um Bauchschmerzen zu lindern. Krampft es leicht im Magen-Darm-Bereich kommt schließlich noch die Schafgarbe zum Einsatz.
Allgemein gilt, etwa zwei bis drei Tassen am Tag zu trinken und darauf zu schauen, wo der Tee herkommt. Kräuterexpertin Gerda Holzmann: „Es ist ratsam, den Tee direkt beim Hersteller, im Bio-Fachhandel, im Reformhaus oder in der Apotheke zu kaufen. Wichtig ist immer die entsprechende Beratung vor Ort. Und, aufgepasst: Nicht alle Tees aus der Apotheke sind automatisch bio! Auch hier gibt es unterschiedliche Qualitäten.“ 

© Gesünder Leben Verlags GsmbH.