Sonntag, 19. Mai 2019

Diesmal schaffe ich es!

Ausgabe 2012/12-2013/01
Gute Vorsätze sind das Salz in der Suppe des Jahreswechsels. GESÜNDER LEBEN zeigt, wie Sie Ihre Pläne langfristig umsetzen und in Ihr Leben integrieren können.

Foto: Can Stock Photo Inc. - pressmaster
Alle Jahre wieder kommt nicht nur ein rauschender Silvesterabend, an dem viele noch einmal so richtig feiern wollen, sondern auch der Neujahrstag, den sich ebenso viele als Stichtag für alle möglichen oder auch unmöglichen Veränderungen in ihrem Leben setzen.

Punkte des Vergehens der Zeit. Stellt sich die Frage, warum wir das alle so gerne und immer wieder tun? „Wir Menschen haben grundsätzlich den Wunsch, unsere Potenziale zu entwickeln. Und dieser Umstand wird uns zu Zeitpunkten wie Silvester oder auch an Geburtstagen, an denen uns das Vergehen der Zeit auffällt, mehr bewusst“, sagt dazu die Psychotherapeutin Mag. Karin Macke, und sie betont auch, dass die Idee neu anzufangen bzw. sich zu verändern zumindest in der Theorie immer etwas Reizvolles hat. Als Psychotherapeutin weiß sie allerdings auch nur zu gut, dass Veränderungen – praktisch umgesetzt – oft auch Verunsicherung und manchmal Angst verursachen. Was Macke daher in Sachen Chancen auf gute Umsetzung an erster Stelle empfiehlt, ist eine Einstellung zu entwickeln, die die Veränderung will, weil man die damit verbundenen Vorteile zu genießen beabsichtigt.

Alternativen für alte Gewohnheiten suchen. Stichwort „Genießen“: Wer eine geliebt-gehasste Gewohnheit aufgeben will, die für ihn oder sie auch mit viel Genuss verbunden war, tut gut daran, sich eine lustvolle Alternative für das „Laster“ zu suchen. Macke: „Wenn jemand zum Beispiel mit dem Rauchen aufhören will, so ist es von Vorteil, zunächst für sich herauszufinden, wofür diese Gewohnheit eigentlich steht und was sie einem bringt: Das kann der simple Genuss sein, aber auch ein Zeichen für Unabhängigkeit, eine Gelegenheit, eine Pause einzulegen oder Kollegen auf einen kleinen Tratsch in der Kantine zu treffen.“ Hat man die Beweggründe analysiert, so sollte man sich laut der Psychotherapeutin als Nächstes überlegen, wie man sich den geliebten Genuss, die Pause, den Tratsch etc. auf anderem Weg gönnen könnte. Und dabei sollte man gut prüfen, ob man sich die neue Alternative auch wirklich vorstellen kann und echte Lust hätte, sie auszuprobieren. Fallen diese Antworten positiv aus, so sollte die Sache auch klappen. Wenn nicht, wird es um einiges schwieriger …

Gute Vorsätze: lange Tradition
Schon vor Tausenden Jahren waren wir Menschen voll der guten Vorsätze …

Schon die alten Römer verehrten den Gott Janus (dem unser Monat Jänner seinen Namen verdankt) als Gott des Neuanfangs. Auch in unserem Sprachgebrauch finden sich Redewendungen, die die Bedeutung des Neubeginns zum Jahreswechsel unterstreichen. Der „gute Rutsch“, den man einander wünscht, geht vermutlich auf das jiddische Wort „Rosch“ zurück, das „Anfang“ bedeutet – hat also nichts mit möglicher Schneeglätte oder alkoholisierten Stürzen in der Neujahrsnacht zu tun. Und der Trinkspruch „Prosit“, den wir beim Anstoßen um Mitternacht gern ausbringen, stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt: „Es möge gelingen!“


Stolpersteine und wie man damit umgeht. Freilich gibt es auch Stolpersteine auf dem „Weg in ein neues Leben“. Dazu zählt zum Beispiel das fatale „Ich sollte“, das oft auch bedeutet, dass man eigentlich gar nicht will. Ein anderer Sargnagel für die gute Umsetzung von neuen Vorsätzen besteht darin, dass man die ganze Sache nur jemand anderem zuliebe macht. „Man sollte sich auch dessen bewusst sein, dass eine Angewohnheit zu verändern immer schwierig ist, denn wir Menschen sind ,Gewohnheitstiere‘, und Veränderungen verunsichern uns generell. Zudem ist eine Änderung auch immer wieder mit Rückschlägen verbunden. Das heißt: Man muss sich auf einen Prozess einlassen, und ein ,langer Atem‘ ist empfehlenswert“, so die Psychotherapeutin. Apropos Rückschläge: Es gibt sie eben, sie gehören quasi zu den guten Vorsätzen dazu, und man sollte daher mit ihnen rechnen. „Strafen Sie sich keinesfalls dafür, sondern betrachten Sie sie als eine Art ,Ehrenrunde‘, die noch einmal gedreht wird“, empfiehlt Macke ebenso wie ein gewisses Augenzwinkern.
Gleichgesinnte suchen. Ein weiterer heißer Tipp in Sachen Erfolg mit neuen Gewohnheiten ist die Einbindung Gleichgesinnter in das eigene Vorhaben. Wenn Freundinnen gemeinsam ein paar Kilos verlieren wollen, wenn gute Kumpels miteinander zu laufen beginnen, dann hilft das sehr oft weiter, denn man kann sich gegenseitig motivieren oder aber auch „ausweinen“ und dann doch neu starten. „Wir sind soziale Wesen, und es ist meistens eine gute Idee, sich von anderen beim Umsetzen von Vorhaben unterstützen zu lassen“, sagt Macke, die allerdings auch für manche klassische Silvestervorsätze eine kleine Warnung ausspricht. „In unserer neoliberalen westlichen Gesellschaft existiert ja in gewisser Weise schon ein kollektiver Wahn, sich ständig und in jeder Hinsicht optimieren zu müssen. Darum wäre es gut, die eigenen Beweggründe für eine Veränderung zu hinterfragen und herauszufinden, ob nicht hinter der Veränderungsidee vielleicht ein unrealistisches Glücksversprechen oder ein gesellschaftlicher Zwang steckt.“

Ein letzter Tipp: Prüfen Sie also Ihre guten Vorsätzen gut! Und legen Sie nur dann los, wenn Sie wirklich wissen, was Sie wollen. Und wenn Sie einmal keine guten Vorsätze haben: Kein Problem, 2014 kommt bestimmt …

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