Montag, 25. Juni 2018

Dieses Wetter macht michkrank!

Ausgabe 2018.03
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Rund ein Fünftel aller Österreicher reagiert auf Wetterumschwünge mit körperlichen Beschwerden – vor allem Schmerzpatienten und Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen. GESÜNDER LEBEN verrät, mit welchen einfachen Tricks Sie dem Wetter ein Schnippchen schlagen können.


Foto: iStock-PeopleImages-1

Heute warm und sonnig, morgen kühle Regenschauer. Extreme Temperaturschwankungen setzen unserem Körper massiv zu. Bei vielen Menschen spielt der Kreislauf verrückt, der Blutdruck verändert sich. Andere wiederum leiden unter starken Kopf-, Gelenks- und Gliederschmerzen. Wetterfühligkeit ist keine Krankheit. Doch auch wenn den Symptomen keine direkte Erkrankung zugrunde liegt – Wetterfühligkeit beeinträchtigt unsere Gesundheit. Vor allem empfindliche, chronisch kranke und ältere Personen können sich nur langsam an veränderte Wetterlagen gewöhnen. Ihr Körper kämpft nach einem Wetterumschwung oft tagelang mit Anpassungsschwierigkeiten. „Etwa ein Fünftel der Betroffenen gibt an, gravierende Beschwerden zu haben. Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Gelenks- und Knochenschmerzen sowie Narbenschmerzen im Bereich früherer Verletzungen und Kreislauf-Entgleisungen sind nur ein Teil der typischen Folgeerscheinungen einer Wetterfühligkeit“, so Univ.-Prof. Dr. Michael Zimpfer, Zentrum für Medizin und Gesundheit, Wien. „Vielfach besteht auch eine allgemeine Disposition, also eine Veranlagung für bestimmte Krankheiten bzw. eine verminderte ,Organreserve’. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die mit einem bereits bestehenden, unter Umständen sogar erheblichen Abnützungsbild des Bewegungsapparates (wie dies u. a. bei der Spondylarthrose der Fall ist) einhergehenden Schmerzzustände, durch einen Wetterumschwung ausgelöst bzw. verstärkt werden.“

Stress verstärkt Wetterfühligkeit. Doch auch gesunde Menschen ohne eine bekannte Grunderkrankung können unter dem Einfluss von Wetterphänomenen stehen. Der Schmerztherapeut und Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin Dr. Michael Zimpfer sieht hier einen direkten Zusammenhang zwischen Wetterfühligkeit und sozialem Umfeld. „Menschen, die sich in ihrer unmittelbaren Umgebung wohlfühlen (dazu gehören u. a. Familie, Freunde und Arbeitsplatz), reagieren eher selten auf trübes, nebeliges oder feuchtes Wetter. Anders sieht es bei jenen aus, die mit belastenden Situationen, Stress oder Problemen in der Familie zu kämpfen haben. Bei ihnen kann bereits ein kleiner Wetterwechsel zu vermehrter Schmerzanfälligkeit, Aggressivität und Gereiztheit führen. Schlechte Laune, Stimmungstiefs und blank liegende Nerven stehen bei Wetterumschwüngen auf der Tagesordnung. Das Umfeld kann also durchaus auch ein Auslöser für Wetterfühligkeit sein.“

Wissenschaft rätselt noch. Ist es also Faktum, dass uns Wetterumschwünge körperlich und psychisch krank machen? „Derzeit gibt es leider noch keine handfesten Studien dazu. Theorien, dass die Wetterfühligkeit z. B. über Sensoren des Körpers, die Druckschwankungen wahrnehmen (Barorezeptoren), ausgelöst wird, bleiben ebenso unbestätigt wie die Annahme, dass sogenannte Wettersferics, das sind elektromagnetische Wellen, die mit dem aktuellen Wettergeschehen zusammenhängen, als ursächlich für Beschwerden anzusehen sind“, erklärt Zimpfer. „Deshalb steht auch die Schulmedizin dem Thema Wetterfühligkeit nach wie vor mit großer Skepsis gegenüber. Dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass schmerzhafte Reaktionen des Körpers vermehrt bei veränderten Klimabedingungen und Wetterlagen auftreten.“

Herz-Kreislauf und das Wetter. Aber nicht nur Schmerzpatienten fühlen veränderte Witterungsverhältnisse. Auch Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen leiden unter dem Einfluss des Wetters. Die Fachärztin für innere Medizin und Kardiologie Dr. med. Roxana Böhm-Palea sieht sich in ihrer Ordination in Wien oftmals mit dem Thema Wetterfühligkeit konfrontiert: „Viele meiner Patienten sind wetterfühlig. Mit steigernder Frühlingssonne nehmen auch die Herz-Kreislauf-Probleme zu. Zugleich schlafen die Betroffenen schlechter, klagen über bleierne Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Einige haben zusätzlich mit Verdauungsstörungen zu kämpfen.“ Die Kardiologin weiter: „Schnelle Wetterwechsel bringen zudem eine erhöhte Unfallgefahr im Alltag mit sich. Ein plötzlich auftretender Schwindel kann zu einem Sturz mit Verletzungen führen, Müdigkeit und Aufmerksamkeitsstörungen können im Straßenverkehr fatale Folgen haben.“ Starke Temperaturschwankungen wirken sich auch massiv auf unseren Blutdruck aus. „Bei Wärme erweitern sich die Blutgefäße. Aufgrund des vergrößerten Volumens sinkt der Blutdruck. Menschen mit einem schwachen Kreislauf sollten bei ansteigenden Temperaturen besonders viel trinken, um einem Schwächegefühl oder einem Kollaps vorzubeugen. Kälte wiederum lässt den Blutdruck steigen. Bei kaltem Wetter verengen sich nämlich unsere Blutgefäße, wodurch das Blut mit höherem Druck durch das Herz gepumpt werden muss. Hypertonie-Patienten sollten deshalb bei kühlem Wetter Stress möglichst vermeiden und auf Entspannung achten, da ein hoher Blutdruck ein gesteigertes Risiko für Herzkrankheiten und Schlaganfälle darstellt. Plötzliche Wetterstürze können sogar einen Herzinfarkt auslösen. Einer der Gründe, warum ich meinen Bluthochdruck-Patienten immer dazu rate, die Blutdruckwerte in regelmäßigen Abständen zu überprüfen“, so Böhm-Palea. Herz-Kreislauf-Patienten sind also bei raschen Temperaturwechseln akut gefährdet.

Wetterfühligkeit vorbeugen. Eine ausgeprägte Wetterfühligkeit kann körperliche und psychische Beschwerden hervorrufen. Dennoch: Eine spezifische Behandlung gegen Wetterfühligkeit gibt es nicht, da sich die Symptome bei wetterfühligen Menschen individuell zeigen. In der Akutphase greifen viele zu Medikamenten, um die Beschwerden kurzfristig zu lindern bzw. die Schmerzen zu reduzieren. Doch der Wetterfühligkeit kann auch in vielerlei Hinsicht vorgebeugt werden. Eine der wichtigsten Präventiv-Maßnahmen ist Bewegung an der frischen Luft. Viele Wetterfühlige verbringen den Großteil des Tages in schlecht belüfteten, klimatisierten Räumen. Ihr Körper hat es verlernt, sich auf Wetterwechsel einzustellen. Mit einem gezielten Training im Freien (und wenn es auch nur ein gemütlicher Spaziergang ist), bei dem man sich den Wetterreizen bewusst aussetzt, schafft man die beste Voraussetzung, wieder unempfindlicher gegen Witterungseinflüsse zu werden. Entspannungstees und -bäder tragen zur Linderung von heftigen Kopfschmerzen und Migräne bei, morgendliche Wechselduschen helfen bei Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Schwindelgefühlen kann man mit Kopfhautmassagen und Akupressur entgegentreten. Bärlauch stabilisiert den Kreislauf und fördert den Schlaf. Bei Stimmungstiefs wirken ätherische Öle wie Orange, Mandarine oder Zitrone Wunder. Die Öle verbessern nachweislich die Laune! Nicht zu vergessen ist eine vitaminreiche Ernährung. Und: Wetterfühlige sollten auf Alkohol, Nikotin oder Kaffee so weit als möglich verzichten.

Übersicht zu diesem Artikel:
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