Dieser Tag wird ein guter Tag!

Ausgabe 2018.11

Zähne putzen, frühstücken, Sport – vieles machen wir aus Gewohnheit auf ganz bestimmte Art und Weise. Und vieles davon falsch. Begleiten Sie GESÜNDER LEBEN durch die Welt kleiner alltäglicher Entscheidungen. Denn mehr Lebensqualität und Gesundheit sind oft ganz einfach zu erreichen …

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Im Alltag stehen wir vor kleinen oder größeren Entscheidungen, die unseren Körper und unsere Gesundheit betreffen: Sollen wir lieber händisch oder elektrisch Zähne putzen? Eher Butter oder Margarine kaufen? Besser grünen oder schwarzen Tee trinken? Die GESÜNDER LEBEN-Gesundheitsexperten verraten, wie tägliche Routine zu mehr Wohlbefinden führt.

Butter oder Margarine?
Gut fünf Kilo Butter und etwa genauso viel Margarine verspeist jeder Bürger im Durchschnitt pro Jahr. Die Wahl des Brotbelags ist aber nicht allein eine Geschmacksfrage: Seit mehr als 50 Jahren tobt eine Diskussion darüber, welcher der fettigen Aufstriche nun gesünder ist. Eine genaue Analyse zeigt: Butter ist besser als ihr Ruf. Mit einem Cholesterin-Gehalt von 220 Milligramm pro 100 Gramm galt Butter lange Zeit als ungesunde Fettbombe. „Ernährungswissenschafter gehen mittlerweile eher davon aus, dass Cholesterin aus Milchfetten keine große Gefahr für Gesunde darstellt. Außerdem punktet Butter mit einem guten Verhältnis von Fettsäuren und ist leicht verdaulich“, erklärt die Diätologin Birgit Brunner. Zusätzlich liefert sie Vitamin A und Betacarotin. Wie gesund Margarine ist, hängt vom darin verarbeiteten Öl ab: Eine optimale Mischung an Fettsäuren bieten Raps-, Oliven- oder Leinöl. Als Faustregel gilt: Teurere Margarine enthält zumeist auch die besseren Inhaltsstoffe. Ein Vergleich lohnt sich jedenfalls. Brunner: „Hier sollte man vor allem auf die Aufschrift gesättigte Fettsäuren achten. Oft handelt es sich um schädliche Transfettsäuren.“ Vorsicht bei Margarinen, die vor Krankheiten schützen sollen oder man damit Cholesterinwerte senken kann: „Diese Pflanzenmargarinen richten sich oft an bestimmte Personengruppen – Schwangeren und Kindern wird der Verzehr nicht empfohlen!“ Wer Butter mag, greift übrigens am besten zu Produkten, die aus Milch von Weidekühen gemacht ist. Sie enthalten die meisten Vitamine und ungesättigte Fettsäuren. Wie auch immer – man sollte weder Butter noch Margarine fingerdick auf sein Weckerl schmieren: „Denn mit 80 Gramm Fett und mehr als 700 Kalo-rien pro 100 Gramm haben beide unterm Strich im selben Ausmaß das Zeug zum Dickmacher.“

Verspannungen: Schmerztablette oder Salbe?
Da Salbe und Tablette unterschiedlich wirken, nimmt man sie am besten gemeinsam. „Bei schmerzhaften Muskelverspannungen sollte man erst die Durchblutung fördern, zum Beispiel mit einer Wärmecreme oder einem heißen Bad.“ Der direkte schmerzlindernde Effekt von Salben ist aber gering, weil der Wirkstoff bei größeren Muskelgruppen wie Nacken oder Rücken nicht bis zum Nerv durchdringt. Daher ist es empfehlenswert, eine Schmerztablette zu nehmen, wenn sich zwar die Verspannung bessert, aber der Schmerz nach wie vor die Beweglichkeit beeinträchtigt. Das Medikament verhindert eine Schonhaltung, die eine neuerliche Verspannung hervorrufen kann.

Grüner oder schwarzer Tee?
Teetrinker tun sich grundsätzlich etwas Gutes. Einerseits füllen sie mit dem Heißgetränk den Flüssigkeitsspeicher gezielt auf, andererseits enthalten Tees wichtige Vitalstoffe. Wer sein Augenmerk auf die belebende Wirkung von Tees setzt, hat die Wahl zwischen schwarzem und grünem Tee. Welche Sorte leistet mehr für die Gesundheit? Die Mehrheit würde hier wohl auf grünen Tee tippen. Doch gerade bei dieser Frage sind sich sogar Experten nicht ganz einig. Denn beide Sorten stammen vom Teestrauch Camellia sinensis. Den Unterschied erklärt Allgemein- und Komplementärmediziner Dr. Wolfgang Molnár: „Für schwarzen Tee werden die Blätter zerkleinert, damit sich die Zellsäfte mit Sauerstoff verbinden. Dabei werden bestimmte Inhaltsstoffe abgebaut.“ Zum Beispiel Flavonoide, die für das Aroma und auch gesundheitsfördernde Eigenschaften verantwortlich sind. Einige dieser Vitalstoffe unterstützen den Körper als Schutz gegen Krebszellen und in der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Durch die sanfte Verarbeitung ist daher der Grüntee dem schwarzen eine Nasenlänge voraus. Aber: Der Benefit hängt auch von der Zubereitung ab. Laut einer Studie der Berliner Charité kann ein Schuss Milch die positive Wirkung aufheben. Ein Spritzer Zitrone hingegen bewahrt die Flavonoide davor, im Magen zerstört zu werden.


 

Händische oder elektrische Zahnpflege?
Was macht denn Zähne besser sauber: eine Handzahnbürste oder die elektrische? Beide Varianten haben sowohl Vorteile als auch Nachteile. Eine praktische Eigenschaft der elektrischen Zahnbürste ist, dass das Gerät einen Teil der Arbeit übernimmt und man lediglich darauf achten muss, dass tatsächlich alle Zahnbereiche von der rotierenden Bürste erreicht werden. Dieser Komfort erleichtert das Zähneputzen auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder ältere Menschen. Da die elektrischen Zahnbürsten mit hohen Schwingungszahlen arbeiten, können Beläge auf den Zahnflächen und in den Zahnzwischenräumen einfacher und schneller entfernt werden. Viele Zahnärzte wie auch Dr. Karin Rieger in Wien raten daher eher zur elektrischen Zahnbürste: „Denn die Mehrheit putzt nach wie vor mit der falschen Technik, nämlich kreisend statt fegend-rüttelnd vom Zahnfleisch zu den Zähnen.“ Die elektrische Zahnbürste macht das quasi automatisch richtig, sie ist meist auch schonender für Zahnschmelz und Zahnfleisch. Dies ist vor allem wichtig, wenn man ein Kanditat für Zahnfleischbluten oder Zahnfleischschwund ist. Für beide Varianten gilt: drei Minuten sind das Minimum. Wer trotzdem lieber mit der Handzahnbürste „schrubbt“ – kein Problem: Tests belegen, dass deren Ergebnis durchaus mithalten kann. Rieger schränkt aber ein: „Die richtige Putztechnik und den Gebrauch von Zahnseide vorausgesetzt.“ Wer überprüfen möchte, ob der Zahnbelag ordentlich entfernt wird, bekommt in der Apotheke Kautabletten, die den Bakterienfilm auf den Zähnen einfärben. Hat man gründlich genug geputzt, bleiben die Zähne weiß.

Fieber ausschwitzen oder medikamentös senken?
Als natürliche Abwehrreaktion des Körpers ist Fieber ein Teil des Heilungsprozesses bei Infektionen. Daher sollte man es nicht vorschnell mit Medikamenten stoppen. „Die erhöhte Körpertemperatur hilft dabei, Krankheitserreger zu bekämpfen. Zudem sind die Abwehrzellen des Immunsystems bei Fieber aktiver“, betont Allgemeinmediziner Dr. Molnár. „Hält das Fieber länger als drei Tage an, kann man zur Tablette greifen.“ Zu den fiebersenkenden Wirkstoffen zählen Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (Aspirin). Kletterts das Fieber allerdings über 40 Grad, sollte man zum Arzt. Ansonsten reicht es aus, genügend zu trinken und sich zu schonen.

Öfter oder länger trainieren?
Hat man den inneren Schweinehund erst einmal niedergerungen und eine Ausdauer-Sportart wie Laufen oder Radfahren begonnen, stellt sich bald die entscheidende Frage, wie man am besten weitermacht: Bringt es mehr, wenn man öfters Sport macht, oder kann man seine Fitness gezielter mit längeren Trainingseinheiten verbessern? Dafür gibt es laut Experten eine goldene Faustregel: „Zuerst die Häufigkeit steigern, dann den Umfang, am Schluss die Intensität. Wer also bisher einmal die Woche 20 Minuten joggen ging und Lust auf mehr hat, sollte zunächst einen zweiten und dritten Lauftag einplanen und erst danach die Runde verlängern. Ist die Basis-Ausdauer erreicht, etwa nach einem halben Jahr, kann man beim Laufen auch das Tempo steigern und versuchen, die 60-Minuten-Runde auch mal in kürzerer Zeit zu schaffen.“ Generell gilt allerdings: Je länger die Laufrunde dauert, desto niedriger sollte das Lauftempo sein. Ein forciertes Training birgt sonst die Gefahr für Verletzungen.

Nachtruhe: 6, 7, 8 Stunden?
Eine finnische Studie alarmierte vor einiger Zeit passionierte Langschläfer: Laut der Untersuchung soll zu viel Schlaf die Lebenserwartung nachweislich verkürzen. Die Analyse ergab, dass Menschen, die acht oder mehr Stunden pro Nacht schlafen, im Vergleich zu solchen mit einer sechs bis sieben Stunden dauernden Nachtruhe früher sterben. Etwas leichter nachzuvollziehen ist das erhöhte Risiko eines früheren Todes, wenn man lediglich vier Stunden oder weniger schläft. Ähnliches trifft laut Studie für Menschen zu, die häufig zu Schlafmitteln greifen. Laut den Forschern sind durchschnittlich 6,5 Stunden Schlaf pro Nacht mit Sicherheit ausreichend. Vom medizinischen Standpunkt aus betrachtet gebe es auch keinen Grund, länger zu schlafen. Wem wie viel Bettruhe guttut, ist allerdings von Mensch zu Mensch verschieden, betont Dr. Wolfgang Molnár: „Es gibt deshalb kein Maß für die optimale Nachtruhe. Fünf Stunden Schlaf können für manche ebenso erholsam sein wie neun Stunden.“ Die erforderliche Dauer ist genetisch festgelegt, unser Schlafverhalten ändert sich nach dem 20. Lebensjahr nur wenig. Laut Österreichischer Schlafgesellschaft brauchen immerhin zwei bis zehn Prozent der Österreicher rund zehn Stunden Schlaf und mehr, um sich richtig ausgeruht zu fühlen. Über ihre durchschnittliche Lebenserwartung ist allerdings nichts bekannt.

Welcher Wirkstoff bei Kopfschmerzen?
Es existieren mehr als 200 Kopfschmerzarten – und eine Vielzahl an möglichen Auslösern. In der Akuttherapie von Kopfschmerzen sind laut den Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft Kombinationspräparate aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein die Kopfwehmittel der ersten Wahl. Auch bei der Behandlung von Migräne und starken Spannungskopfschmerzen haben sich Kombinationspräparate bewährt. Das enthaltene Koffein kann laut einer Untersuchung ab einer Menge von 100 mg die Wirkung spürbar verstärken. Kombinationspräparate wirken zudem rund 15 Minuten schneller als die entsprechenden Einzelsubstanzen.

Schürfwunde: Pflaster drauf?
Aufgeschlagene Knie und blutige Ellbogen teilen Eltern auf dem Spielplatz in zwei Lager: die Pflaster-Verfechter und die Anhänger der „Wunden brauchen frische Luft"-Theorie. Zwar hält sich seit vielen Jahren der Mythos, dass unbedeckte Wunden besser heilen können. Wissenschaftlich gesehen ist allerdings genau das Gegenteil der Fall. Das liegt an den vorgegebenen Prozessen bei der Wundheilung. Bei Schürfwunden werden die oberen Hautschichten verletzt, die normalerweise eine gute Barriere gegen Krankheitserreger bilden. Schon Minuten nachdem die Haut aufgerissen ist, beginnt die Heilung. Der Körper lässt das Blut gerinnen und bildet Wundsekret, die Wunde nässt – und das ergibt Sinn. Das Sekret ermöglicht die weitere Versorgung der Wunde und den Abstransport von „Müll“. Neben Nähr-, Botenstoffen und Antikörpern, die es zur Wunde transportiert, trägt das Wundsekret auch Bakterien und abgestorbene Zellteile nach außen. Fehlt ein Pflaster, trocknet die Oberfläche der Wunde schnell aus, darunter bleibt aber noch feuchtes Wundsekret erhalten. „Unter der trockenen Schicht befindet sich dann eine Schicht aus Bakterien, Schmutz und abgestorbenem Gewebe, die nicht mehr abtransportiert wird", sagt der Allgemeinmediziner. „Bedeckt man hingegen die Wunde mit einem Pflaster und wechselt dieses regelmäßig, nimmt man immer wieder die obere Sekretschicht mit allem, was sich darin befindet, weg – und damit auch den Abfall.“ Molnár empfiehlt deshalb, einfache Schürfwunden – sobald sie nicht mehr bluten – zu desinfizieren und mit einem normalen Pflaster zu verschließen. „Sobald die Wunde keine Feuchtigkeit mehr abgibt, ist das Pflaster überflüssig. Dann wirkt die Luft positiv und unterstützt die endgültige Abheilung der Wunde.

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