Dienstag, 21. Mai 2019

Die 10 größten Medizin-Mythen

Ausgabe 2013/10
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Wieso man Pilze aufwärmen darf und man sich keinen Bruch heben kann: TV-Arzt Dr. Carsten Lekutat erklärt, was an medizinischen Mythen tatsächlich dran ist.


Foto: Can Stock Photo Inc. - MichaelJayBerlin

Schluss mit all den Mythen in Sachen Krankheiten, Ernährung, Sport und dem menschlichen Körper! „Zeit, etwas gegen diese Halbwahrheiten zu tun und etwas Licht ins Dunkel zu bringen!“, ist Dr. Carsten Lekutat, Autor und TV-Arzt („Der Gesundmacher“), überzeugt. Als Allgemeinmediziner (diesen Beruf übt Lekutat weiterhin aus) kommt er tagtäglich mit all den zahlreichen Mythen und Halbwahrheiten der Medizin in Berührung, die sich über Generationen festgemacht haben … Also hat Lekutat beschlossen, ein Buch zu schreiben, in denen er diese „Halbwahrheiten“, wie er es nennt, entmythisiert. „Halbwahrheiten der Medizin“ heißt es und ist eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die diverse Hausmittelchen oder gesellschaftliche Überzeugungen hinterfragen wollen. Nicht nur lehrreich, sondern auch leicht verständlich und unterhaltsam!

Humor hilft tatsächlich. Mithilfe von Lekutat gehen wir den zehn populärsten medizinischen Volksweisheiten auf den Grund. Eine Weisheit stimmt jedoch, wie Lekutat betont: nämlich, dass Humor die beste Medizin sei.  „Lachen ist nicht nur gut für unsere Seele, sondern tut auch unserem Körper richtig gut. So scheint Lachen zum Beispiel unser Immunsystem positiv zu beeinflussen.“ Er selbst unterstützt aus diesem Grund die Roten Nasen e.V., einen Verein, der Clowns in Krankenhäuser und Altersheime bringt.


Mythos 1: Cola und Salzstangen helfen gegen Durchfall
Lekutat: „Diese falsche Volksweisheit ärgert mich am meisten!“ Bei Durchfall funktioniert der Transport von Salzen und Zucker nicht mehr, sie bleiben im Darm zurück, wo sie Wasser binden, wodurch es zu einem wässrigen Stuhlgang kommt. Cola und Salzstangen helfen hier nicht! Cola enthält Koffein und zu viel Zucker; beides verstärkt die Wasserausscheidung sogar noch. Außerdem wird die Kohlensäure nicht gut vertragen. Auch von Salzstangen sollten die Finger gelassen werden: Durch den Durchfall wird nicht nur Speisesalz ausgeschieden, sondern auch andere Salze, wie beispielsweise Kalium und Magnesium. Salzstangen enthalten zwar Natrium, aber kaum Kalium – ein ausgewogener Haushalt ist für den Körper aber sehr wichtig. Besser sind Tees, Elektrolytlösungen aus der Apotheke sowie – Lekutats Geheimtipp – die Karottensuppe nach Professor Moro.
 
Mythos 2: Pilze darf man nicht aufwärmen
Pilze dürfen sehr wohl aufgewärmt werden – wenn sie richtig zubereitet und gelagert werden, denn Pilze verderben leicht! Bereiten Sie die Pilze frisch zu, kühlen Sie das Pilzgericht nach der Zubereitung rasch ab und bewahren Sie die Reste maximal zwei Tage bei unter 10 Grad Celsius im Kühlschrank auf. Achten Sie beim Aufwärmen darauf, dass Sie die Pilzspeise bei einer Mindesttemperatur von 70 Grad Celsius gut und rasch erhitzen – das tötet die Mehrzahl an Bakterien ab. Aber bitte nur einmal aufwärmen, da sonst zu viele Nährstoffe und Vitamine verloren gehen. Übrigens: „Speisen können auch in der Mikrowelle aufgewärmt werden. Vitamine gehen in dem praktischen Gerät nicht schneller kaputt als auf der Kochplatte“, so Lekutat.

Mythos 3: Lesen im Dunkeln schadet den Augen
„An diesen Mythos habe ich selbst sehr lange geglaubt“, gibt Lekutat schmunzelnd zu. Für Erwachsene ist das Lesen bei schlechtem Licht kein Problem. Durch die Anstrengung des Augenmuskels sieht man vorübergehend schlechter, aber das Auge erholt sich schnell wieder. Bei kleinen Kindern ist allerdings tatsächlich Vorsicht geboten: Der Augenmuskel, der beim Dämmerungssehen kürzer wird, kann sich in der Wachstums-phase unter Umständen nicht mehr zurückziehen und die Sehschwäche bleibt dann bestehen.

Mythos 4: Bei Wunden kein Pflaster drauf
Frische Luft tut Wunden gut? Falsch! „Wunden heilen am besten, wenn sie feucht bleiben“, stellt Lekutat klar. An der Luft trocknet die Wunde schneller aus, es entsteht Schorf, der die Wundheilung behindert. Pflaster (oder andere ähnliche Wundauflagen) verhindern nicht nur das Austrocknen der Wunde, sie schützen die Wunde auch vor äußeren Keimen.

Mythos 5: Nagelflecken zeigen Kalziummangel an
Laut Lekutat ist dieser Mythos der am meisten verbreiteten unter seinen Patienten. Dabei besteht der Nagel nur zu 0,03 Prozent aus Kalzium – einen diesbezüglichen Mangel würde man also an den Nägeln nicht bemerken. „Nagelflecken entstehen meist durch Druckschäden oder falscher Nagelpflege“, erklärt der Arzt. Symptome von Kalziummangel sind hingegen Osteoporose sowie eine Übererregbarkeit von Nerven und Muskeln.

Mythos 6: Rückenprobleme entstehen durch Nicht-Gerade-Sitzen
Immer noch neigen viele Ärzte dazu, Patienten mit Rückenproblemen zu raten, gerade zu sitzen. Lekutat lässt das nur bedingt gelten: „Es hat sich in wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt, dass eine Sitzposition mit einer um 135 Grad nach hinten geneigten Rückenlehne am besten für den Rücken ist. Wichtig beim Sitzen ist vor allem, nicht steif dazusitzen, sondern vielmehr dynamisch zu sitzen und sich viel zu bewegen.“

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