Montag, 20. Mai 2019

Die ungeheure Kraft der Natur

Ausgabe 2017.05
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Nicht nur die Weltgesundheitsorganisation und zahlreiche Experten schlagen Alarm: Bei immer mehr Menschen wirken viele Antibiotika nicht mehr! Ein riesiges Problem, da bereits heute 90.000 Menschen in Europa aufgrund unwirksam gewordener Antibiotika sterben. Doch pflanzliche Inhaltsstoffe mit antibiotischer Wirkung versprechen eine biologische Alternative für die Zukunft. gesünder leben hat mit einem der weltweit führenden Wissenschafter auf diesem Gebiet gesprochen und verrät, was Sie in Sachen Antibiotika unbedingt wissen müssen.   


Foto: Smileus-iStock

Vor rund neunzig Jahren sorgte Alexander Fleming mit der Entdeckung der antibakteriellen Wirkung von Penicillin für eine Revolution in der Medizin: Das erste Antibiotikum war geboren und sagt seither bakteriell ausgelösten Infektionen wie Lungenentzündungen, Harnwegsinfekten, Wund- oder Hauterkrankungen den Kampf an. Doch die einstige Wunderwaffe wird stumpf.

Das Problem: Nicht nur die medizinische Forschung entwickelte sich rasant weiter, auch die Bakterien, die es zu bekämpfen gilt, finden immer bessere Wege, um zu überleben. Sie werden resistent – und damit immun gegen ihren bisherigen Widersacher.

„Die Amerikaner haben schon vor zwei Jahrzehnten den Begriff der ,postantibiotischen Ära’ geprägt.Diese beginnt dann, wenn die Substanzen, die wir bisher verwenden, nicht mehr wirken, und würde uns ins 19. Jahrhundert zurückkatapultieren“, sagt Prof. Dr. Uwe Frank. Der Mikrobiologe erforscht mit seiner Arbeitsgruppe „Naturstoff-basierte Arzneimittelentwicklung“ am Universitätsklinikum Freiburg alternative Wirkstoffe aus Pflanzen. Und das aus gutem Grund: Denn Schätzungen zufolge führen Infektionen mit resistenten Erregern weltweit schon jetzt zu mehr als 700.000 Todesfällen jährlich, etwa 90.000 davon in Europa. Der Anstieg multiresistenter Erreger, die unempfindlich gegen jede Art von Antibiotika sind, basiert auf mehreren Gründen, erklärt der Mediziner: „Einerseits werden Antibiotika zu häufig verschrieben und zwar auch bei Erkrankungen, die durch Viren ausgelöst werden, wie Erkältungen und obere Atemwegserkrankungen. Zweitens werden häufig Breitband-Antibiotika verordnet, anstatt den spezifischen Erreger über einen Laborabstrich zu identifizieren.“ In rund der Hälfte aller Fälle im ambulanten und bis zu 40 Prozent der Fälle im klinischen Bereich komme es zu einem unbegründeten, irrationalen Einsatz der Medikamente, so Frank. Zudem sind die Verwendung von Antibiotika in der landwirtschaftlichen Tierzucht, der prophylaktische Einsatz der chemischen Keimkiller vor chirurgischen Eingriffen sowie der Behandlungswunsch vom Patienten selbst für die Resistenz-Entwicklung und -Ausbreitung verantwortlich. Die Folge: Es bilden sich bakterielle Resistenzen. Bakterien vermehren sich sehr schnell und in großer Zahl. Dabei kann deren Erbgut so mutieren, dass diese Erreger unempfindlich gegenüber Antibiotika werden. Diese Bakterien überleben den Medikamenteneinsatz und vererben ihre Widerstandsfähigkeit weiter. Sind Bakterien gegen viele Antibiotika unempfindlich, spricht man von Multiresistenz.

Natur mit enormem Potenzial. Auch die Weltgesundheitsorganisation sieht drastischen Handlungsbedarf und verabschiedete im Mai 2015 den „Globalen Aktionsplan zu Antibiotika-Resistenzen“, aus dem die einzelnen Staaten nationale Aktionspläne entwickeln und verabschieden sollen. Während die Länder an einem verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika arbeiten, erforscht Uwe Frank mit seinem Team alternative Substanzen aus Pflanzenstoffen. „In der Natur liegt enormes Potenzial, das wir bisher noch viel zu wenig beachten. Pflanzen wehren sich seit Millionen von Jahren gegen Bakterien, ohne bei diesen Resistenzen hervorzurufen. „Im Gegensatz zu herkömmlichen (chemotherapeutischen) Antibiotika, die Monosubstanzen sind und nur ein Angriffsziel in der Bakterienzelle besitzen, verteidigen sich Pflanzen mit einer Mischung aus vielen verschiedenen antimikrobiellen Stoffen“, erklärt der Mikrobiologe. Der Vorteil liegt auf der Hand: Der Erreger wird nicht nur an einer, sondern an vielen verschiedenen Stellen attackiert und kann dem vielfältigen Angriff sehr viel schwerer entgehen. „Die pflanzlichen Substanzen weisen einen weiteren Vorteil auf: Während Antibiotika nur Bakterien bekämpfen können, zeigen sie vielfach auch bei Viren und Pilzen Wirkung“, so Frank. Zudem haben diese natürlichen Antibiotika kaum Nebenwirkungen und greifen im Gegensatz zur chemischen Variante die Darmflora nicht an.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Die ungeheure Kraft der Natur
Seite 2 Harnwegsinfekte natürlich bekämpfen

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