Montag, 18. Dezember 2017

Die Schilddrüse Winzig, aber sehr wichtig

Ausgabe 2017.12/2018.01
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Extrem müde oder völlig überdreht und schlaflos? Spielt die kleine Hormondrüse in unserem Hals verrückt, werden viele Prozesse im Körper in Mitleidenschaft gezogen. gesünder leben erklärt, wie man sich trotz Hormonchaos wieder besser fühlt.


Foto: © Can Stock Photo - Eraxion

Sie wiegt meist nicht viel mehr als 20 Gramm, hat die Form eines Schmetterlings, schmiegt sich unter unserem Kehlkopf an unsere Luftröhre und hat einen großen, regulativen Einfluss auf den Stoffwechsel und viele weitere Abläufe in unserem Organismus. Die Schilddrüse ist zwar ein winziges Organ, ist ihre Funktion gestört, kann das aber weitreichende Folgen haben. Und das ist nicht einmal so selten: Schätzungsweise ein Drittel aller Schilddrüsen in Mitteleuropa sind nicht gesund. „Wenn Sie also von einer Unter- oder auch Überfunktion betroffen sind, sind Sie in guter Gesellschaft“, erklärt die deutsche Ärztin Dr. Simone Koch, die sich in ihrer Praxis auf die Diagnostik von Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen spezialisiert hat.

Leide ich an einer Schilddrüsenunterfunktion?

Diese Symptome können darauf hinweisen! Lassen Sie sich gegebenenfalls von einem Spezialisten untersuchen!

• Kälteempfindlichkeit
• erhöhtes Schlafbedürfnis, Müdigkeit, Antriebslosigkeit
• Gedächtnisschwäche, depressive Verstimmungen
• Gewichtszunahme und erhöhte Blutfettwerte (z. B. LDL-Cholesterin)
• Muskelschwäche, -steifigkeit und -schmerzen
• Kühle und blasse trockene Haut
• Teigige Schwellungen des Unterhautbindegewebes, Betroffene wirken „aufgeschwemmt“
• spröde, brüchige Haare und Nägel, Haarausfall
• chronische Verstopfung
• Kropf (Struma)
• Flüssigkeitsansammlung in den Augenlidern (Lid-Ödeme)
• unregelmäßige Monatsblutung bei Frauen, unerfüllter Kinderwunsch, reduzierte Empfängnisfähigkeit
• Verminderung des sexuellen Lustempfindens und der Potenz bei Männern

Klein, aber oho. Die Hauptaufgabe der Schilddrüse ist es, die beiden Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Tetrajodthyronin) zu produzieren. Diese beiden Botenstoffe sind für unseren Organismus unverzichtbar. „Die Funktion der Schilddrüse lässt sich mit einem Gaspedal vergleichen. Wir können noch so viel Treibstoff im Tank haben, wenn das Gaspedal nicht funktioniert, wird das Auto nicht in Bewegung kommen.“ Arbeitet die Schilddrüse nicht, wie sie soll, erlahmt in erster Linie die Energieproduktion. Das kann zu einer Reihe von typischen Symptomen führen, die von Befindlichkeitsstörungen bis hin zu manifesten Problemen reichen. Dazu zählen u. a. Verstopfung, häufiges Frieren, Libidoverlust, niedriger Puls und Blutdruck, trockene Haut, Antrieblosigkeit oder Depressionen.

Ein häufiges Frauenleiden. Spricht man von einer Hypothyreose, ist die verminderte Produktion von Schilddrüsenhormonen in der Schilddrüse gemeint. Zu den häufigsten Auslösern zählen Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, bisweilen auch ein extremer Jodmangel. Sehr selten ist eine Unterfunktion angeboren. Bei Frauen mit einer Unterfunktion steckt sehr häufig eine Autoimmunerkrankung mit dem Namen Hashimoto-Thyreoiditis dahinter. Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Formen einer chronischen Entzündung der Schilddrüse, bei der körpereigene Immunzellen das Schilddrüsengewebe angreifen und zerstören. Zu Beginn der Erkrankung kann es auch kurzfristig zu einer Überfunktion kommen. In Österreich geht man davon aus, dass zehn Prozent der Bevölkerung davon betroffen sein – wobei Frauen häufiger erkranken als Männer. Und nach wie vor kommt es vor, dass die Krankheit nicht erkannt wird. Koch: „Für eine sichere Diagnose der Hashimoto-Thyreoiditis ist eine genaue Untersuchung notwendig – am besten bei einem Facharzt für Schilddrüsenerkrankungen.“
 
Anzeichen einer Überfunktion. Bildet der Körper mehr Schilddrüsenhormone, als er braucht, ist von einer Überfunktion oder Hyperthyreose die Rede. Häufig sind auch hier Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie zum Beispiel Morbus Basedow die Ursache. Typische Anzeichen einer Überfunktion können Aggressivität, Reizbarkeit, Ungeduld, Schlafstörungen, erhöhte Herzfrequenz, Gewichtsabnahme, Zittern, vermehrtes Schwitzen oder Muskelschwäche sein. Wie es zu einem Morbus Basedow kommt, ist ebenfalls nicht zur Gänze geklärt. Auch hier sind Frauen öfter betroffen als Männer, meist tritt die Erkrankung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Die Diagnose erfolgt ähnlich wie bei einer Unterfunktion über den Hormonstatus und weitere Untersuchungen.   

Behandlung der Fehlfunktion. „Eine Fehlfunktion der Schilddrüse sollte so früh wie möglich behandelt werden, um bleibende Schäden zu verhindern“, betont Dr. Koch. Bislang ist eine Heilung der Erkrankung nicht möglich. „Mit Medikamenten können aber die Auswirkungen der Erkrankung wirkungsvoll verringert werden.“ Bei einer Unterfunktion wird Schilddrüsenhormon verabreicht, das im Körper wie die körpereigenen Schilddrüsenhormone wirkt, mit der richtigen Dosierung fühlen sich rund 70 Prozent der Betroffenen wohl. In der Regel beginnt der Spezialist (Internist/Endokrinologe) mit einer geringen Menge, die dann bis zur angemessenen Dosis langsam erhöht wird. Da eine Unterfunktion der Schilddrüse den gesamten Körper beeinflusst, kann es bei den restlichen 30 Prozent der Betroffen zu spürbaren Einschränkungen der Lebensqualität kommen. Koch: „Leider wird nach wie vor – auch von ausgewiesenen Schilddrüsen-Spezialisten – sehr selten weitergeschaut, ob noch andere Organe durch die Autoimmunreaktion mitbetroffen sind, die dann diese weiteren Symptome verursachen.“ Nicht selten kommt es in der Folge zu Nährstoffmängeln und einer Funktionsstörung des Darms. Koch: „Es gibt viele mögliche Einflüsse, die dazu beitragen können, dass man sich mit seiner Hashimoto-Erkrankung nicht wohlfühlt.“ Um das herauszufinden, sind aber aufwändigere Untersuchungen notwendig, die viele Ärzte nicht standardmäßig durchführen. Wer sich als Hashimoto-Patient nicht ausreichend betreut fühlt, kann über Selbsthilfegruppen herausfinden, ob ein Arztwechsel sinnvoll ist.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Die Schilddrüse Winzig, aber sehr wichtig
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