Sonntag, 17. Februar 2019

Die richtige Ernährung bei Brustkrebs

Ausgabe 2018.10
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Eine ausgewogene, gesunde Ernährung spielt besonders bei Brustkrebs eine große Rolle. Die meisten Ärzte sind sich sicher: Die richtige Kost beeinflusst diese Erkrankung positiv!


Foto: iStock-642923448_arinahabich

Als Anna, heute 32 Jahre alt, vor drei Jahren mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert wurde, war das ein Schock. „Ein Ausnahmezustand“, erinnert sie sich. Ihre Tochter war erst wenige Monate alt, als die Diagnose ihr Leben und das ihrer Familie komplett umkrempelte – zumindest eine Zeit lang. Heute ist Anna wieder gesund, die Chemotherapie hat sie gut überstanden, „auch wenn es sehr, sehr schwierige Monate waren“, gibt sie zu. Übelkeit in den Anfangsmonaten, Konzentrationsschwäche und permanente Müdigkeit machten es ihr unmöglich, einem normalen Alltag nachzugehen. „Es gab Tage, da konnte ich nicht aus dem Bett kommen.“ Auch die Ernährung war damals durchaus ein Thema, erzählt Anna. „Ich bin seit meiner Jugend ein Fan von Fast Food“, lächelt sie verlegen. „Einmal in der Woche gönnte ich mir einen Burger mit Pommes!“ Vorweg: Nein, diese – wenn auch ungesunde – Vorliebe wurde von Annas Ärzten nicht mit ihrer Krebsdiagnose in Zusammenhang gebracht. Trotzdem einigte man sich darauf, während und auch unmittelbar nach der Chemotherapie darauf zu verzichten. „Zur Sicherheit.“ Appetitlosigkeit plagte Anna überraschenderweise eher selten, dafür wechselten die „kulinarischen Bedürfnisse“ der Niederösterreicherin je nach Therapiephasen. „Anfangs wollte ich vor allem Reis, Brot und Nudeln essen. Also eher neutralschmeckende Lebensmittel. Vor stark gewürzten Speisen graute mir! Gegen Ende des jeweiligen Zyklus hatte ich Heißhunger auf Ungesundes, wie Süßes oder Fettiges.“ Im Allgemeinen wurde Anna von ärztlicher Seite geraten: Essen Sie, worauf Sie Lust haben!

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Keine zusätzliche Belastung
In dieselbe Kerbe schlägt auch Prof. Dr. Rupert Bartsch, Oberarzt an der Klinischen Abteilung für Onkologie der Universitätsklinik für Innere Medizin I an der Medizinischen Universität Wien. Seit vielen Jahren gilt der Schwerpunkt seiner Tätigkeit der Betreuung von Frauen mit Brustkrebs. „Die Ernährung ist bei Brustkrebsbetroffenen regelmäßig ein großes Thema“, gibt Bartsch Einblick in seinen Berufsalltag. Was darf ich essen, was sollte ich meiden? Die Verunsicherung bei den Betroffenen, obwohl in der Regel sehr gut über die Erkrankung aufgeklärt, ist groß. Bartsch: „Generell rate ich meinen Patientinnen, auch während einer rückfallverhindernden Chemo: Man sollte das essen, was einem schmeckt und worauf man Gusto hat. Die Erkrankung ist ohnehin schon belastend genug, da wäre eine komplette Ernährungsumstellung noch eine zusätzliche stressfördernde Strapaze.“

Keine Krebsdiät
Eine „magische Krebsdiät“, wie sie von vielen Patientinnen gewünscht beziehungsweise erhofft wird, gibt es nicht und ist nichts mehr als ein Mythos, betont Bartsch. „Das Aushungern von Tumorzellen funktioniert nur im Reagenzglas.“ Es stimme zwar, dass Tumorzellen sich von Zucker ernähren würden. „Jedoch benötigen auch körpereigene Zellen, die einen hohen Stoffwechsel haben, Zuckerzufuhr. Vor allem unser Herz und unser Gehirn könnten ohne Zucker nicht leben“, erklärt der Experte. „Das Komplizierte daran: Krebszellen können aus den verschiedensten Fettabbauprodukten, mit denen Herz und Gehirn gar nichts mehr anfangen können, immer noch ihren eigenen Zucker produzieren. Eine zusätzliche Zuckerzufuhr macht also keinen Unterschied.“ Kurz: „Der Verzicht auf Zucker, obwohl immer wieder empfohlen, ist kein Krebs-Allheilmittel!“

Achtung vor Gewichtsverlust
Heißt das also, dass es egal ist, was man während einer Brustkrebserkrankung isst und trinkt? Nein, natürlich nicht. Auch wenn es keine eindeutigen wissenschaftlichen Ergebnisse zu diesem Thema gibt, so ist Bartsch überzeugt: „Eine ausgewogene, gesunde Mischkost kann Krebs zwar nicht heilen, aber sie kann den Krankheitsverlauf durchaus positiv beeinflussen und das Rückfallrisiko senken.“ Denn: „Im Rahmen einer Krebstherapie ist es maßgeblich, auf das körperliche Gleichgewicht zu achten. Die richtige Ernährung kann dabei eine Hilfe sein.“ Bei fortgeschrittener Erkrankung hat der Großteil der Patientinnen mit Gewichtsverlust zu kämpfen – etwas, das unbedingt zu vermeiden sei, betont der Arzt: „Ähnlich wie eine schwere chronische Entzündung zehrt eine Krebserkrankung den Körper aus. Er braucht Reserven, um gegen unterschiedlichste Krankheitserreger und Infekte ankämpfen zu können. Studien belegen außerdem, dass Gewichtsverlust die Lebenserwartung von Brustkrebs-Betroffenen senkt.“ Der Rat des Experten: selbst gekochte, hochkalorische Kost, regelmäßige Gewichtskontrollen und eine frühzeitige Beratung bei einem Diätologen. Auch Zusatznahrungen aus der Apotheke können einem Gewichtsverlust entgegenwirken. Das Problem ist hier natürlich die Appetitlosigkeit, die im Rahmen der Brustkrebs-Behandlung nicht selten auftritt. „Der Partner kann hier sehr unterstützend wirken“, gibt Bartsch zu bedenken. „Auch gemeinsam kochen macht Freude und Mut!“

 

Übersicht zu diesem Artikel:
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