Montag, 27. Mai 2019

Die Pollen kommen!

Ausgabe 2014.03
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Der Anflug des oft unliebsamen Blütenstaubs hat begonnen. Damit stehen bei vielen laufende Nasen, Niesattacken oder gerötete Augen auf der Tagesordnung. Trotzdem: Der Alltag kann trotz Pollenallergie glücklich gemeistert werden – wir zeigen, wie.


Foto: Can Stock Photo Inc. - voronin76

Manche Dinge verträgt man einfach nicht. Pollenallergiker können ein Lied davon singen, denn ihr Immunsystem reagiert auf Eiweißbestandteile bestimmter, saisonal auftretender Blütenstaubsorten mit einer Kaskade an leidigen Beschwerden. „Es handelt sich um eine Überreaktion des Immunsystems gegen Pollen von windbestäubten Pflanzen. In Österreich treten am häufigsten Pollenallergien gegen Gräserpollen, Pollen von der Birke und birkenverwandten Bäumen (z. B. Erle, Hasel), Eschenpollen, Beifuß und Ragweed (Traubenkraut) auf“, erklärt ao. Univ.-Prof. Dr. Verena Niederberger-Leppin, Leiterin der Allergieambulanz der Universitätsklinik für HNO-Krankheiten in Wien. Die häufigsten Symptome sind die allergische Konjunktivitis (Rötung, Tränen und Jucken der Augen), der allergische Schnupfen (Niesen, Nasenjucken, Nasenlaufen, verstopfte Nase) und, allerdings selten, Symptome der unteren Atemwege (Husten, Asthma). Die „Hauptsaison“ des Pollenfluges beginnt im März. Wenn es im Winter warm ist, können allerdings selbst im Dezember oder Jänner die Haseln blühen, was empfindliche Allergiker störend wahrnehmen können. „Der April ist für Patienten mit Birkenpollenallergie der am stärksten belastete Monat. Im Mai und Juni blühen die Gräser, und eine geringe Menge an Gräserpollen befindet sich dann noch bis Ende September in der Luft. Beifuß und Ragweed stellen im Sommer und Frühherbst ein Problem dar“, so Niederberger-Leppin. Generell hängen die genauen Pollenflugzeiten von der Großwetterlage und der Region ab; ein prolongierter Winter beispielsweise führt oft zu einer höheren Allergenbelastung und stärkeren Beschwerden, da sich dann mehrere Pollen gleichzeitig in der Luft befinden. Die tendenzielle Klimaerwärmung führt zudem zu immer früheren Blütephasen, sodass die angeführten Pollenzeiten oft verschwimmen.

allergikerkallender

Cocktail an Botenstoffen. Bei Allergikern verursachen die Eiweißkomponenten der Pollen eine Überreaktion des Immunsystems: Das Abwehrsystem stuft sie beim ersten Kontakt als „Feind“ (Antigen) ein und produziert im Rahmen dieser Sensibilisierung Antikörper. Bei erneutem Kontakt läutet das Immunsystem ein Angriffsszenario ein: Pollenantigene verbinden sich mit den nun vorhandenen Antikörpern, die auf sogenannten Mastzellen sitzen. Die Folge: Botenstoffe werden vermehrt ausgeschüttet. An vorderster Front ist dabei das Gewebshormon Histamin vertreten, das einen Entzündungsprozess auslöst und zu den unangenehmen Beschwerden wie Niesattacken, juckenden Augen, Halskratzen und Husten, aber auch gelegentlich zu Erschöpfungszuständen, Migräne oder eingeschränktem Geschmacks- und Geruchssinn führt. Die Symptome einer Pollenallergie sind äußerst vielfältig und können in unterschiedlicher Intensität erscheinen. Sie alle treten aber innerhalb von Sekunden bis Minuten nach Kontakt mit dem allergieauslösenden Stoff ein, wodurch eine Pollenallergie als „Soforttyp-Allergie“ klassifiziert wird. Diese Gemeinsamkeit unterscheidet sie auch von klassischen Erkältungssymptomen, die sich oft durch Vorboten bemerkbar machen und nicht spontan auftauchen. Zudem bleibt die Nasenflüssigkeit bei einer Allergie immer klar.

Ursachen sind nicht völlig geklärt. Weltweit leiden laut Österreichischem Pollenwarndienst mehr als 500 Millionen Menschen an einer Pollenallergie. Bei uns sind mindestens 20 Prozent der Bevölkerung sensibilisiert, das heißt sie haben allergieauslösende Antikörper gegen ein Allergen. Nicht alle dieser Personen haben aber auch Symptome, unter denen sie leiden. „Die Anzahl der Betroffenen ist in den letzten 100 Jahren stark angestiegen – von circa ein Prozent der Bevölkerung um 1900 bis circa 25 Prozent der Bevölkerung um 2000. Zum Glück scheint die Anzahl der allergischen Personen in den vergangenen Jahren aber zu stagnieren“, erläutert Niederberger-Leppin. Die Pollenallergie beginnt meist im Kindesalter bis zum 30. Lebensjahr. Die Gruppe der 20- bis 40-Jährigen ist von einer Pollenallergie üblicherweise am stärksten betroffen. Im höheren Lebensalter nimmt die Häufigkeit wieder ab, d. h. die Symptome reduzieren sich oft von selbst. Warum manche Menschen eine Pollenallergie entwickeln und andere nicht, wurde zwar in zahlreichen Studien untersucht, ist aber dennoch nicht bis ins Detail geklärt. „Bewiesen ist, dass eine Allergie häufiger dann auftritt, wenn ein oder beide Elternteile ebenfalls allergisch sind oder waren“, so Niederberger-Leppin. Neben einer erblichen Belastung spielen bei der Entstehung einer Allergie aber auch Umweltfaktoren eine Rolle. So gehen Wissenschaftler davon aus, dass die übertriebene Hygiene in den Industrieländern zu einer Unterbeschäftigung des Immunsystems führt. Es muss sich weniger mit Krankheitserregern auseinandersetzen und reagiert in Folge auf oft harmlose Stoffe äußerst konfus. „Kinder, die zahlreiche Geschwister haben oder viel Kontakt mit anderen Kindern haben, neigen eher dazu, weniger Allergien zu haben“, bestätigt auch Niederberger-Leppin. „In Untersuchungen wurde weiters bewiesen, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, deutlich seltener an Allergien leiden.“ Zu weiteren möglichen Ursachen gehören u. a. der Einsatz von Antibiotika bei Säuglingen oder Rauchen in der Schwangerschaft.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Die Pollen kommen!
Seite 2 Stärken Sie das Immunsystem von Säuglingen und Kindern
Seite 3 Behandlungsmöglichkeiten

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