Donnerstag, 21. Februar 2019

Die Pollen kommen

Ausgabe 2013/05

Endlich ist der Frühling da, aber mit ihm auch die Pollen. Immer mehr Menschen leiden jetzt unter einer rinnenden, juckenden Nase.


Foto: Can Stock Photo Inc. - yellowj

Der heurige „Frühling“ war vielen Leid, doch nicht wenigen auch eine gewisse Freud. Denn während die meisten sehnsüchtig auf warmes Wetter warteten, blieben viele Pollenallergiker zunächst von den quälenden Symptomen ihrer Erkrankung verschont. Der Pollenflug war nämlich durch das anhaltende feuchtkalte Wetter eingeschränkt. Nichtsdestotrotz ist es nun wieder so weit, und die Betroffenen leiden unter tränenden und juckenden Augen, ständigem Niesreiz, Niesanfällen, Schnupfen, einer verstopften Nase, trockenen Nasenschleimhäuten oder aber auch Husten, Bronchitis und im schlimmsten Fall Asthmaanfällen.

Was tun, wenn die Nase nur noch läuft? Was kann man tun, wenn die Nase ständig läuft, ein dauernder Niesreiz quält und die Augenlider unschön geschwollen sind? „In diesem Stadium können nur die akuten Symptome behandelt werden – am wirkungsvollsten mit  modernen Antihistaminika, die den Vorteil haben, dass sie nicht mehr müde machen“, sagt der Allergie-Spezialist, Univ.-Prof. Dr. Werner Aberer von der Medizinischen Universität Graz. „Was Nasensprays mit Cortison betrifft, so wirken diese am besten, wenn der Sprühstrahl auf die noch möglichst wenig entzündeten Schleimhäute auftrifft. Ist die Nase aber schon völlig zugeschwollen, wirkt auch dieser Spray nur noch eingeschränkt.“  Der Experte empfiehlt daher, die Mittel möglichst früh zu verwenden, damit die Schleimhäute gar nicht erst anschwellen können. Und er betont: „Die neuen Präparate sind um einiges sicherer und besser wirksam als noch vor wenigen Jahren.“

Allergien – gefährlicher, als viele denken!

Allergien haben die unangenehme Eigenschaft, sich „weiterzuentwickeln“, wenn man nichts dagegen tut. Bestes Beispiel dafür ist der von vielen Betroffenen zu oft bagatellisierte „Heuschnupfen“, der sich bei einem von drei Allergikern zu einer chronischen Asthmaerkrankung „auswächst“. Bei wiederholtem Kontakt mit einem Allergen reagiert das Immunsystem mit einer Produktion und Ausschüttung spezifischer Antikörper und anderer Botenstoffe. Die Schleimhäute schwellen an, es wird Sekret gebildet, damit der vermeintliche „Feind“ über die rinnende Nase oder die tränenden Augen weggeschwemmt wird, und wenn das alles in der Lunge geschieht, so verengen sich dort die Bronchien, und es kommt zur gefürchteten Atemnot.


Im Fall einer Allergie produziert das Immunsystem Antikörper, die im Blut zirkulieren und sich unter anderem in der Schleimhaut an den sogenannten Mastzellen festsetzen. Bei erneutem Allergenkontakt schlägt die Mastzelle Alarm und setzt ihren Inhalt – Histamin und andere Botenstoffe – frei. Dadurch kommt es zum Anschwellen der Schleimhaut, deren „Maschen“ sich nun vergrößern und auch negativ wirksame Moleküle leichter in die Blutbahn durchdringen lassen. Das bedeutet auch, dass eine bestehende Allergie verstärkt und das Allergenspektrum erweitert werden kann.

Immer mehr Pollenallergiker. So weit, so gut, doch warum werden in den letzten Jahren eigentlich immer mehr Menschen Pollenallergiepatienten? Insgesamt verzeichnet man im letzten Jahrzehnt einen Anstieg dieser Erkrankungen um 30 Prozent. Prof. Aberer: „Wir wissen heute mit Sicherheit, dass Kinder, die vor jedwedem Schmutz bewahrt werden und in einer – heute oft propagierten – klinisch reinen Umgebung aufwachsen, wesentlich häufiger Allergien entwickeln als andere. Denn: Wenn das Immunsystem – besonders in der heiklen Phase der Kindheit, wo es lernt, mit Keimen und körperfremden Stoffen umzugehen – ständig abgeschirmt wird, so kann es eben das nicht so gut lernen wie das Immunsystem eines Kindes, das immer wieder in Kontakt mit Krankheitserregern und auch Allergenen kommt“, so der Allergiespezialist, der betont: „Man sollte auch die verschiedenen zivilisationsbedingten Umweltbelastungsfaktoren nicht vergessen. Wir wissen aus japanischen Studien, dass, je stärker die Luft belastet ist – und das kann jede Art von Umweltschadstoffen sein –, desto größer auch die Gefahr der Entwicklung einer Allergie ist.“

Das Vermeidungsprinzip. Es stellt sich die Frage, ob beziehungsweise was man tun kann, um sich zu schützen. Auch da weiß der Experte Rat. „Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man nach dem Vermeidungsprinzip arbeiten, ein bisschen Urlaubsplanung machen und bestimmte Gebiete zu bestimmten Zeiten meiden. Ist das nicht möglich, so ist es in der Pollenflugsaison ratsam, sich nicht allzu viel im Freien aufzuhalten, und man sollte dort vor allem anstrengende Betätigungen sein lassen.“ Ein weiterer Tipp ist, beim Autofahren die Fenster geschlossen zu halten und die Lüftung auszuschalten. Pollenfilter haben sich ebenfalls als recht probat erwiesen, aber was die verschiedenen „Hausmittel“ von Wohnungslüften bis Haarewaschen, wenn man nach Hause kommt, betrifft, so konstatiert Prof. Aberer, dass diese leider nicht besonders effektiv sind.
 
Effizient gegensteuern. Und eines noch: Wenn jetzt die Pollensaison für Allergiker beginnt und kurzfristig nur ein Unterdrücken der Symptome durch moderne, sichere und gut wirksame Medikamente möglich ist, so weiß der leidgeplagte Allergiker aus Erfahrung: Die nächste Saison kommt bestimmt. Doch – so Prof. Aberer: „Damit das Immunsystem dann nicht mehr falsch auf die an sich harmlosen Pollen reagiert, ist die möglichst umgehende Einleitung einer Hyposensibilisierungsbehandlung sinnvoll: Damit kann bei vielen Betroffenen das Immunsystem tolerant gegen diese natürlichen Allergene gemacht werden.“

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