Samstag, 23. Februar 2019

Die Pollen kommen!

Ausgabe 04/2011
Jeder vierte Österreicher leidet an einer Allergie. Am häufigsten stehen wir mit Pollen auf Kriegsfuß. Dennoch muss der Frühling nicht zur Qual werden. Gesünder Leben zeigt, wie man sich optimal schützt.

Foto: istockphoto.com - ALEAIMAGE Endlich Frühling! Darüber freuen wir uns jedes Jahr aufs Neue. Doch für Menschen, die unter dem Blütenstaub von Hasel, Erle oder Birke leiden, verheißt das Erwachen der Natur nichts Gutes. Geben Pflanzen ihre Pollen in die Luft ab, liegt zwar tatsächlich Frühling in der Luft, doch Allergiker quälen sich mit einer rinnenden oder verstopften Nase, tränenden und juckenden Augen sowie Atembeschwerden.

Der Fahrplan der Natur
Wenn Sie oder Ihr Kind zu den rund 1,5 Millionen Österreichern gehören, die von einer Pollenallergie gequält werden, so kennen Sie das böse Frühlingserwachen ja bereits. Ihre Beschwerden kehren jährlich wieder – wie das Amen im Gebet.

Erle, Hasel, Birke, Esche, Gräser, Beifuß und Ragweed sind die Pflanzen, die Herr und Frau Österreicher den Atem rauben. Ihre Pollen sind hierzulande die wichtigsten Auslöser für allergische Reaktionen von Augen und Atemwegen. Nach dem strengen Winter hat dieses Jahr die Pollensaison zwar später, aber umso heftiger begonnen. Bereits im März hat die Hasel- und Erlenblüte viele Allergiker schachmatt gesetzt. Jetzt im April – die Temperatur klettert auf erfreuliche 15 Grad – beginnt auch die Birke ihre Pollen abzugeben. Die dritte Belastungswelle wird dann durch blühende Gräser verursacht – Start im Mai, eventuell bis in den Juli und August reichend. Beifuß und das besonders aggressive Allergen Ragweed (Traubenkraut) beschließen ab August und September die Pollensaison.

Pollen 2011
Februar, März: ERLE UND HASEL
Apri, Mai: BIRKE UND ESCHE
Mai, Juni, Juli: GRÄSER, PILZSPOREN
August, September: BEIFUSS UND RAGWEED, PILZSPOREN

pollen, mädchenFoto: istockphoto.com - Franky de Meyers

Service Pollenwarndienst
Der Pollenflug folgt also dem Fahrplan der Natur – wetterbedingt kann es jedoch immer zeitliche Verschiebungen geben. Menschen mit Pollenallergien sind daher auf laufende und tagesaktuelle Informationen über den jeweiligen regionalen Pollengehalt der Luft angewiesen. Diese und auch Prognosen über die zu erwartenden Belastungen liefert seit vierzig Jahren der Österreichische Pollenwarndienst. 25 Messstellen österreichweit und 17 aerobiologische Forscher sorgen für tägliche Updates, kostenlos nachzulesen auf www.pollenwarndienst.at – mehr als 2,5 Millionen Zugriffe pro Jahr zeigen, wie wichtig diese Informationen für Menschen mit Pollenallergie, Ärzte und Pharmazeuten sind. „Die Belastung durch Birkenpollen wird in diesem Jahr besonders hoch sein“, warnt Univ.-Prof. Dr. Siegfried Jäger vom Österreichischen Pollenwarndienst. „Vor allem im geografischen Dreieck zwischen Salzburg, Lienz und Klagenfurt kann die Birkenpollenbelastung das doppelte Ausmaß wie im Vorjahr erreichen. Allergiker in anderen Regionen müssen zumindest mit gleich starken Belastungen wie im letzten Jahr rechnen.“

Schnupfen oder Allergie?
Hinter dem, was recht harmlos als „Heuschnupfen“ bezeichnet wird, verbirgt sich ein Immunsystem in höchster Alarmbereitschaft. Seine Zellen reagieren auf harmlose Stoffe mit einer Armada von Abwehrmechanismen, als ginge es darum, eine übermächtige Armee aufzureiben. Beim ersten Kontakt allerdings – etwa eingeatmeten Birkenpollen – merkt der Betroffene, der sich später als Allergiker entpuppt, noch nichts davon. Doch das überreaktive Immunsystem erinnert sich an den vermeintlichen „Feind“ (das Allergen) und reagiert bei den nächsten Kontakten mit von Mal zu Mal schärferen Gegenangriffen.

„Anfangs wird daher meist nur ein leichtes Augenjucken gemerkt“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Christof Ebner, Leiter des Allergieambulatoriums am Wiener Reumannplatz. „Im nächsten Jahr kommt in der Blütezeit Schnupfen dazu und in der darauffolgenden Pollensaison verstärken sich die Symptome weiter, werden dann aber häufig als grippaler Infekt missinterpretiert.“ Erst nach mehreren Jahren wird vielen bewusst, dass die Atemwegsbeschwerden immer zur selben Zeit auftreten und somit eine Allergie die Ursache sein könnte. Doch auch dann werden die Symptome häufig nicht ernst genommen. „Rund zwei Drittel aller Allergiker gehen erst zum Arzt, wenn ihre Beschwerden unerträglich werden“, sagt Ebner.

Allergien nicht unterschätzen
Von den ersten allergischen Symptomen an bis zur Diagnose vergehen durchschnittlich sechs bis neun Jahre. Bis dahin werden rinnende Nase, tränende Augen & Co meist mit rezeptfreien Medikamenten in Eigenregie „verarztet“. Davor den Heuschnupfen auf die leichte Schulter zu nehmen, warnen Experten jedoch. Denn unbehandelter allergischer Schnupfen ist der Wegbereiter für allergisches Asthma. Dazu kommt das Risiko, weitere Allergien zu entwickeln. Daher Ebners Appell: „Gehen Sie frühzeitig zum Arzt oder ins Allergie-Ambulatorium. Dort wird festgestellt, auf welche Allergene Sie reagieren und eine Therapie begonnen, die Ihre Beschwerden bessert und chronisches Asthma verhindern kann.“

Allergenkontakt vermeiden
Die Heilung von Allergien ist bis heute nur in seltenen Fällen möglich. Gelingt es aber, die überschießende Immunreaktion zu unterdrücken oder zu dämpfen, so bedeutet das für die Betroffenen ein deutliches Plus an Lebensqualität. Der Allergietest beim Facharzt ist die Basis – denn wissen Leidgeplagte wogegen sie allergisch sind, können sie in vielen Fällen den Kontakt mit dem jeweiligen Allergen vermeiden oder zumindest einschränken. Bei Pollenallergien ist diese sogenannte Allergenkarenz jedoch nur bedingt möglich – Betroffene haben dennoch viele Möglichkeiten, Birkenpollen & Co das Leben schwer und sich selbst das Dasein dadurch leichter zu machen.


Allergie – Hilfe bei der Arztsuche
- Allergietests und -behandlungen führen vor allem Hals-Nasen-Ohren-Fachärzte, Hautärzte, Lungenfachärzte und Kinderärzte durch.
- Eine Liste aller Allergie-Ambulatorien und -Ambulanzen Österreichs finden Sie unter www.allergenvermeidung.org oder können Sie bei der Hotline der Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung (IGAV) kostenlos anfordern: 01 /212 60 60.


Tipps & Infos für Allergiker
www.pollenwarndienst.at – Tagesaktueller Pollenflug (Österreichischer Pollenwarndienst)
www.pollentagebuch.at – Service des Österreichischen Pollenwarndienstes
www.allergenvermeidung.org/forum – IGAV – Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung – Neues „Forum Immuntherapie“ der IGAV
www.allergie-service.info – Erinnerungsservice für Patienten
www.allergiefragebogen.at – Online-Selbsttest für Kinder & Erwachsene
www.freieratmen.at – Onlinestest für Asthma und allergische Rhinitis


So tricksen Sie Pollen aus
Regelmäßige Maßnahmen, die Pollen-Allergene reduzieren
Pollen sind „anhänglich“. Sie bleiben am Körper, an der Kleidung, an Möbeln und an Ihren Haustieren haften. Beachten Sie deshalb folgende Ratschläge:
  • Spülen Sie 3x täglich Ihre Nase mit isotoner Kochsalzlösung. Die Pollenallergene lösen sich auf und werden abtransportiert.
  • Waschen Sie täglich die Haare oder bürsten Sie sie intensiv.
  • Wechseln Sie möglichst nach jedem Aufenthalt im Freien Ihre Kleidung.
  • Pollenallergene sind wasserlöslich. Achten Sie deshalb beim Waschen der Kleidung auf gründliches Schwemmen.
  • Ziehen Sie Ihre Kleidung nicht im Schlaf- oder Wohnzimmer aus.
  • Trocknen Sie Ihre Wäsche nicht im Freien.
  • Saugen Sie Ihre Wohnung täglich mit einem Staubsauger mit HEPA-Allergenfilter, um Pollen von Böden, Teppichen und Möbel zu entfernen. Überlassen Sie aber das Saugen anderen oder verwenden Sie eine Allergen-Schutzmaske.
  • Verwenden Sie für den Hausputz spezielle Reinigungssubstanzen, die Allergene neutralisieren.
  • Bei Haustieren setzen sich die Pollen im Fell fest. Waschen Sie es deshalb 1x pro Woche mit speziellem Shampoo oder reiben Sie das Fell mit eigens dafür entwickelten Reinigungslotionen und -tüchern ab. Zur Not tut’s auch ein feuchter Lappen.
  • Reiben Sie nicht Ihre juckenden Augen. Durch den Druck wird Histamin freigesetzt und der Juckreiz verstärkt.

Was Sie sonst noch für sich tun können
Zahlreiche Studien und die Erfahrung vieler zeigen es: Die Änderung von Lebensgewohnheiten kann Ihre allergischen Beschwerden und Ihr gesamtes Wohlbefinden nachhaltig verbessern.
  • Trinken Sie während der belastenden Zeit keinen Alkohol. Durch Alkohol werden die Gefäße der Schleimhäute erweitert und somit noch empfindlicher.
  • Hören Sie auf zu rauchen. Nikotin schädigt die Schleimhäute der Atemwege und macht sie anfälliger für Reizungen.
  • Stärken Sie durch regelmäßige Bewegung Ihr Immunsystem.
  • Vermeiden Sie zusätzliche Anstrengung für die Augen. Durch Bildschirmarbeit und trockene, staubige Luft werden sensibilisierte Augen noch mehr belastet.
  • Planen Sie Ihre Ausflüge und Urlaube mit Hilfe des Pollenwarndienstes.
  • Unter www.pollenwarndienst.at können Sie die Vorschau und den aktuellen Pollenflug für die meisten europäischen Länder abfragen.
  • Verbringen Sie Ihre Urlaube am Meer oder in den Bergen. Ab einer Seehöhe von über 1.500 m ist die Allergenkonzentration niedriger, die Pollensaison verschoben und die Pollenallergene sind weniger aggressiv.


Weitere Tipps auf www.allergenvermeidung.org

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-02 130x173

Aktuelles Heft 02/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 8. März

 

Unsere Ausgabe 12/2018-01/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Sind Sie zu Ihrem Arzt immer ehrlich?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information