Freitag, 22. Februar 2019

Die Medizin-Revolution

Ausgabe 05/2012
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Personalisierte Medizin bei Krebs, Hepatitis und anderen schweren Erkrankungen: Durch den innovativen Ansatz der personalisierten Medizin gibt es neue Hoffnung für Patienten mit schweren oder gar lebensbedrohlichen Erkrankungen. Im Mittelpunkt steht der einzelne Mensch mit all seinen Eigenheiten.

Foto: istockphoto - Nicolas Loran Der Sommer naht mit großen Schritten: Die Sonne lacht uns ins Gesicht und bald werden wir auch den ganzen Körper wieder in ihren wärmenden Strahlen baden. Des Gemütes Freund ist jedoch der Haut ihr Feind – und dem Hautarzt sowieso ein Dorn im Auge, schließlich erkranken jährlich mehr als 2.000 Österreicher an Hautkrebs. Für die aggressivste Form, das metastasierende Melanom, gab es bis vor kurzem keine überzeugenden Therapien. Bis dato wurde mittels Strahlen- und im fortgeschrittenen Stadium allen voran mittels Chemotherapie behandelt, obwohl auf Letztere nur zwei bis 20 Prozent der Patienten ansprachen. Wer das war, konnte im Vorfeld allerdings nicht gesagt werden. Im Juli 2011 kam dann eine neue Therapie auf den Markt: eine Immuntherapie, die das Immunsystem dazu anregt, Krebszellen zu bekämpfen. Und durch die personalisierte Medizin steht den behandelnden Ärzten seit Februar 2012 eine weitere sehr wirksame Therapiemöglichkeit für einen Teil der Patienten zur Verfügung.

Der lange Weg zu einem neuen Medikament
Rund eine Milliarde Euro betragen die Kosten für die Erforschung und Entwicklung eines neuen, innovativen Medikaments. Dessen ist sich lediglich jeder Fünfte Österreicher bewusst, wie eine im Auftrag von Roche Austria durchgeführte repräsentative Umfrage von 500 Personen ergab. 64 Prozent nehmen an, dass sich die Kosten auf etwa eine Millionen belaufen. Anders gesagt: Die Mehrheit unterschätzt die Kosten um das 1000-fache. Der hohe finanzielle Aufwand, der übrigens von den Pharmakonzernen allein getragen wird, rührt daher: Von der Suche eines „Angriffsziels“ bis zur Zulassung eines Wirkstoffs können rund 15 Jahre intensiver Forschung vergehen. Bis eine Regulierungsbehörde eine Zulassung für ein Medikament erteilt, müssen erst klinische Studien bzw. Arzneimittelprüfungen vorgenommen werden. Das heißt: Neue Medikamente werden an Patienten getestet. Dabei gilt es, spezifische Fragen zu neuen Therapien, Impfstoffen oder diagnostischen Verfahren, aber auch zu neuen Anwendungsformen bekannter Behandlungen zu beantworten. Getestet werden nur jene Medikamente bzw. Behandlungen, die sich in Laborversuchen am besten bewährt haben. Mithilfe klinischer Studien lässt sich also feststellen, ob neue Medikamente oder Behandlungen wirksam und sicher sind. Apropos: Sicherheit hat bei klinischen Studien immer Priorität und die Prüfungen werden nach strengen gesetzlichen Vorschriften durchgeführt.


Neue Hoffnung durch personalisierte Medizin. Hinter der personalisierten Medizin steckt die Idee, dem Patienten das angedeihen zu lassen, was für ihn am besten ist und zwar mit so wenig Nebenwirkungen wie nur möglich. „Das war natürlich schon immer das Ziel, schließlich gilt immer das medizinische Grundprinzip ‚primum nihil nocere’ – zu deutsch: zuerst einmal nicht schaden“, betont Felix Offner, Vorstand des Instituts für Pathologie am Universitären Landeskrankenhaus Feldkirch und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie. Allerdings sei man heute in einer völlig anderen Dimension als noch vor mehreren Jahrzehnten: „Dank der personalisierten Medizin wird ein Medikament nur bei jenen Patienten eingesetzt, von denen man weiß, dass es wirken kann. Wir wissen zwar nicht, wie stark der Patient auf das Medikament reagiert, aber wir wissen, ob das Medikament überhaupt funktioniert.“

Krankmachendes Protein. Durch die Entschlüsselung der Erbsubstanz DNA und den riesigen Fortschritten im Verständnis der Molekularbiologie ist man heute in der Diagnostik und Therapie von Krebs entscheidende Schritte weitergekommen, so Offner: „Wir haben die zellulare Ebene verlassen und sind auf jener der Molekularpathologie angekommen. Durch äußerst präzise Technologien, wie zum Beispiel Gen-Sequenz-Analysen, können wir Krankheiten völlig anders erfassen und besser klassifizieren.“ Gegenstand der Untersuchungen sind die Gene und Proteine innerhalb einer Zelle, schließlich weiß man heute, dass fehlerhaft zusammengebaute Gene (Mutationen) und Proteine Krankheiten verursachen können. „Beim schwarzen Hautkrebs, dem Melanom, liegt als auslösende Ursache sehr häufig eine Mutation des BRAF-Gens vor: die sogenannte BRAF-V600-Mutation. Ist das der Fall, entstehen in den Tumorzellen abnormale (onkogene) BRAF-Proteine, die eine starke wachstumsfördernde Wirkung entfalten und dadurch bewirken, dass die Tumorzellen unkontrolliert wachsen“, erklärt Offner. Erstmals wurde heuer in der EU eine personalisierte Therapie für Hautkrebs zugelassen. Diese zielt darauf ab, die Wirkung dieser abnormen BRAF-Proteine zu blockieren und dadurch das Fortschreiten des Krebses zu stoppen. Doch Hautkrebs ist nicht gleich Hautkrebs und so haben nur jene Patienten einen Nutzen von der Therapie, die an dieser speziellen Form des Melanoms erkrankt sind – das sind immerhin fast 50 Prozent. Ob ein Patient die BRAF-V600- Mutation in sich trägt, kann mithilfe eines dafür konzipierten diagnostischen Tests exakt nachgewiesen werden. Allerdings gibt es, wenn man so will, (noch) ein Haken an der guten Sache: Nach einer gewissen Zeit kann der Tumor resistent gegen den Wirkstoff des Medikaments werden, daraufhin finden die krebserregenden Signale einen anderen Weg in den Zellkern und die Krankheit schreitet wieder voran. Allein: „Die Lebenserwartung von Patienten mit metastasierendem Melanom bewegt sich im Bereich von Monaten. Durch die neue Therapie gewinnt der Patient mitunter vier Monate und vor allem gewinnt er an Lebensqualität, denn nach einer mehrwöchigen Therapie weisen sogar manche Patienten keine einzige Metastase mehr auf“, weiß Offner.

Übersicht zu diesem Artikel:
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