Mittwoch, 18. September 2019

Die Kraft unserer Wälder

Ausgabe 06.2014
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Ein Spaziergang durch den Wald tut gut. Wissenschafter haben nun herausgefunden, wie unsere Wälder und bestimmte Holzarten unserer Gesundheit guttun – und sogar unser Leben verlängern können.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - Smileus

Bei einem Waldspaziergang werden wir von zahlreichen gesundheitsfördernden Komponenten begleitet: Allen voran bewegt man sich inmitten der Sauerstofferzeuger schlechthin. Beispielsweise setzt eine gesunde 100-jährige Buche etwa 1,7 Kilogramm Sauerstoff pro Stunde frei, was etwa jener Menge entspricht, die 50 Menschen während derselben Zeitspanne zum Atmen benötigen. „Darüber hinaus ist der Anteil an negativen Luftionen in einem gesunden Wald sehr hoch, was dem Organismus sehr zugute kommt“, weiß Univ.-Prof. Dr. Max Moser vom Institut für Physiologie an der Medizinischen Universität Graz. Finden sich in der Luft zu wenig negative Ionen – was vor allem in geschlossenen Räumen der Fall ist –, reagieren Menschen zuweilen mit Nervosität, Depressionen, Schlafstörungen, Erschöpfung, Kreislaufbeschwerden und verminderter psychischer sowie physischer Belastbarkeit. Außerdem ist es physiologisch eindeutig nachweisbar, dass wir uns bei einem Spaziergang durch den Wald erholen und entspannen.

Die Sprache und die Kraft der Bäume

„Schon der Duft der Bäume und die Geräusche des Waldes wirken auf den Menschen und sind Formen der Kommunikation“, weiß Univ.-Prof. Dr. Max Moser von der Medizinischen Universität Graz. Die Verständigung zwischen Mensch und Baum findet also über unsere Sinneskanäle bzw. auf einer nonverbalen Ebene statt, wenngleich man während des Waldspaziergangs sehr wohl mit sich selbst ein Zwiegespräch führen kann. Bäume sind eine große Hilfe, wenn man über Dinge nachdenken muss bzw. möchte. Sie helfen dabei, ein reflektiertes Leben zu führen, ist Moser überzeugt: „Ihre Gestik wirkt auf den Betrachter. Ein Baum zeigt aufrechte Haltung, selbst wenn er von Wind und Wetter gebeutelt wird. Bäume vermitteln uns Menschen Rückgrat und es würde wohl vielen guttun, gerade in dieser Hinsicht von den Bäumen zu lernen und wieder mehr Rückgrat zu entwickeln.“ Übrigens: Nicht nur entsprechen Bäume in der Pflanzenwelt uns Menschen, wir sehen uns auch selbst als Bäume. Eine Verbindung, derer sich insbesondere die Psychologie bedient, etwa im Rahmen einer Paartherapie: „Das Zeichnen von Bäumen, die einen Partner und uns selbst darstellen, kann viel über die Beziehung zweier Menschen aussagen und viele sonst unbewusste Dinge sichtbar machen“, so Moser.

Holz in der Wohnung. Allein: Man kann – nein, man sollte – sich Bäume auch in die eigenen vier Wände holen. Insbesondere Möbel aus Massivholz können Wunder wirken. So hat eine Forschungsgruppe rund um Max Moser im steirischen Human Research Institut 2004 herausgefunden, dass der Schlaf in einem Zirbenholzbett zu einer signifikant niedrigeren Herzfrequenzrate führt. „Im Vergleich zu einem Spanplattenbett, aber auch zum eigenen Bett (Anm.: Die Teilnehmer haben jeweils 72 Nächte in einem Zirbenholz-, einem Spanplattenbett mit Holzoptik und dem eigenen Bett geschlafen), kam es während einer Nacht im Zirbenholzbett im Schnitt zu einer Reduktion von 3.600 Herzschlägen, was einer Stunde Herzarbeit entspricht“, bestätigt Moser. Dass die Herzrate ein wichtiger Indikator für die Lebenserwartung ist, wurde unter anderem bereits in einer von 1970 bis 1995 durchgeführten Langzeitstudie festgestellt. Moser: „Eine US-Forschungsgruppe hat damals untersucht, wie viele Männer nach 25 Jahren noch am Leben waren. Es zeigte sich, dass bei jenem Viertel mit der höchsten Herzrate doppelt so viele Studienteilnehmer gestorben waren als bei jenem Viertel mit der niedrigsten Herzrate.“

Kraftorte

Um mit Bäumen bzw. mit der Natur zu kommunizieren, müssen wir zwar nicht unbedingt an sogenannte Kraftorte pilgern, allerdings hat man herausgefunden, dass sich diese Orte durch eine ganz besondere Wirkung auf den Menschen auszeichnen. Max Moser hat in Zusammenarbeit mit Univ.-Prof. Dr. Erwin Frohmann, Leiter des Instituts für Landschaftsarchitektur an der BOKU Wien, der seine Habilitation zum Thema „Kraftorte“ verfasst hat, eine Reihe von Messungen durchgeführt, unter anderem bei den Krimmler Wasserfällen in Salzburg. Die hohe Menge an negativen Luftionen führt dort dazu, dass man sich viel erfrischter fühlt als an anderen Orten. Genauso konnten unter verschiedenen Baumarten verschiedene Herzfrequenzen und eine Veränderung des vegetativen Tonus gemessen werden. Fakt ist: Jeder Ort hat seine ganz individuelle Kraft, ob das nun der eigene Garten ist, ein besonders schöner und gesunder Wald oder eben ein Kraftort. Wir Menschen müssen nur wissen, wie wir die Energie für uns nutzen können.

www.kraftort.org

Übersicht zu diesem Artikel:
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