Montag, 10. Dezember 2018

Die Kraft der Selbstheilung

Ausgabe 04/2012
Die Homöopathie heilt, indem sie die körpereigenen Kräfte anregt, sich selbst zu heilen – und stößt aus diesem Grund manchmal an ihre Grenzen. Dafür vermag sie das Leben chronisch Kranker zu verbessern. Eine Analyse.

Foto: iStock - Tatiana Belova
Vor über 200 Jahren begründete der deutsche Arzt Samuel Hahnemann die Homöopathie. Seit 1974 zähltsie zu den von der Österreichischen Ärztekammer anerkannten komplementärmedizinischen Methoden und wird dementsprechend additiv zur Schulmedizin angewendet. Da die zwei bei bestimmten Krankheiten doch gut miteinander können, mache das zweifellos Sinn, ist auch Gloria Kozel, Allgemeinmedizinerin in Graz und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM) überzeugt: „Bei der Behandlung von Krebspatienten muss etwa in jedem Fall eine schulmedizinische Therapie zum Einsatz kommen. Allerdings kann die Homöopathie die verschiedenen Beschwerden, die Chemotherapie oder Strahlenbehandlung mit sich bringen, sehr gut behandeln.“ Übelkeit, Schwindel, Schlafstörungen, aber auch psychische Belastungen, die im Rahmen einer Krebserkrankung oft zu Tage treten, kann man mithilfe von Globuli und Co. also gut in den Griff bekommen.

Heilungschancen und Grenzen der Homöopathie
Homöopathie ist eine Regulationsmedizin und somit auf die Reaktions- und Regulationsfähigkeit des Organismus angewiesen. Sie baut also auf die Selbstheilungskräfte des Körpers auf, stößt allerdings gerade deshalb hin und wieder an ihre Grenzen, beispielsweise bei einem gebrochenen Fuß oder einer Mangelerscheinung. „Wir vermögen nur zu regulieren, was vorhanden ist. Wenn etwas fehlt, können auch die Selbstheilungskräfte nicht aktiviert werden“, betont Kozel. So kann die Homöopathie etwa einen Eisenmangel nicht behandeln, vielmehr muss der Eisenspeicher mit entsprechenden Präparaten wieder aufgefüllt werden. Übrigens: Auch Frauen in den Wechseljahren befinden sich häufig in einer Mangelsituation.

„Ihre Beschwerden rühren vielfach daher, dass eben keine Hormone mehr produziert werden. Ein Hormonbefund gibt darüber Aufschluss“, weiß Kozel und überweist an den Gynäkologen. Doch auch die Schulmedizin hat ihre Grenzen, vor allem bei chronischen Krankheiten, wie Rheuma, Asthma, Neurodermitis und entzündlichen Darmerkrankungen oder funktionellen Beschwerden. Zu Letzteren gehören etwa Spannungskopfschmerzen, bei denen es nicht selten vorkommt, dass weder Laboruntersuchungen, eine Computertomographie noch neurologische Untersuchungen Befunde liefern. Trotzdem sind die Kopfschmerzen da, oft sogar täglich. Schmerzmittel bringen zwar Linderung, doch abgesehen von unerwünschten Nebenwirkungen beseitigen sie nicht die Ursache. „Chronische, langwierige oder immer wiederkehrende Erkrankungen sind sozusagen die große Domäne der Homöopathie. Wobei gesagt werden muss: Auch wir können diese Krankheiten nicht heilen. Aber bessern können wir sie allemal“, sagt Kozel. Und wie? Indem der Homöopath die für die jeweiligen Beschwerden und vor allem für die jeweilige Person individuell richtige Arznei findet.

Am Anfang ist das Gespräch
Zu Beginn einer homöopathischen Behandlung bedarf es stets eines ausführlichen Erstgesprächs, das gut eine Stunde dauert. Dabei wird der aktuelle Gesundheitszustand des Patienten analysiert.

Ferner schaut sich der behandelnde Arzt den biografischen Background sowie den Körperbau genau an, aber etwa auch, ob der Patient ein warmer, kalter oder schwitzender Mensch ist. Ebenso spielt der Seelenzustand eine entscheidende Rolle, denn in der Seele ist alles bisher Erlebte gespeichert. „Bei der Diagnose wird der Mensch in seiner Ganzheit und Komplexität wahrgenommen. Das braucht erstens Zeit und ist zweitens insbesondere bei chronischen Krankheiten überaus wichtig.“ Es ist sicherlich von Vorteil, wenn sich der Patient zuvor Gedanken, vielleicht  sogar Notizen über Krankheiten in der Vergangenheit,eventuell in Vergessenheit geratene Beschwerden und Ähnliches macht. Übrigens berichten viele Patienten, dass sie sich schon nach dem ausführlichen Gespräch wesentlich besser fühlen. Das sei, so Kozel, durchaus verständlich: „Es hilft natürlich, über seine Beschwerden zu reden, seine Probleme und Sorgen auch einmal laut auszusprechen. Ist der Patient aber wirklich krank, reicht das Gespräch nicht aus. Wird er nicht behandelt, sitzt er am nächsten Tag oder in der nächsten Woche wieder in meinem Wartezimmer.“

Auf der Suche
Während des Gesprächs denkt Kozel, die bereits seit mehr als 25 Jahren als Homöopathin praktiziert, ständig in Arzneien und sucht in Gedanken immerzu nach dem passenden Mittel, egal ob schließlich als Globuli, Tropfen, Salben oder in einer anderen Darreichungsform eingenommen.

Zudem werde das sogenannte Repertorium befragt, das aus rund 10.000 Arzneien bestehende Nachschlagewerk, welches der Ermittlung des geeigneten Mittels dient. „Früher war das wirklich ein Buch“, erinnert sich Kozel. Mittlerweile wurde freilich ein Computerprogramm entwickelt. „Vereinfacht ausgedrückt, gebe ich die Symptome ein, die der Patient beschreibt, und das Programm schlägt in der Folge mehrere Mittel vor. Diese muss man wiederum durchdenken, den Patienten weiter befragen, um ihn noch besser kennenzulernen, denn eine falsche Arznei hilft nicht.“ Das hängt wiederum mit der Eigenregulation und den Selbstheilungskräfte zusammen, denn homöopathische Mittel zielen nicht darauf ab, Halsschmerzen, Kopfweh oder andere Symptome zu behandeln, sondern die dem Körper innewohnenden Kräfte anzuregen, die Beschwerden selbst zu heilen.

Symptome können einander ähneln, nicht jedoch die Patienten. Nur wenn das richtige homöopathische Mittel zum Einsatz kommt, werden auch jene Kräfte angestachelt, die die jeweiligen Beschwerden bekämpfen können.

Mehr Infos finden Sie auf der Homepage der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM) unter www.homoeopathie.at.

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