Freitag, 22. Februar 2019

Die Heilkraft des Wassers

Ausgabe 2014.02

Wasser kann unser seelisches, geistiges und körperliches Wohlbefinden fördern und sogar Krankheiten verhindern. Und dies wissenschaftlich geprüft, nebenwirkungsfrei und kostengünstig.


Foto: Can Stock Photo Inc. - CITAlliance

In unserem Körper arbeiten alle Organe in biologischen Rhythmen synchronisiert zusammen. Ein intakter Rhythmus – das harmonische Schwingen zwischen Aktivität und Entspannung – ist Voraussetzung für geistiges und körperliches Wohlbefinden. Störungen führen langfristig zu Krankheiten. Noch lange bevor es tatsächlich so weit kommt, lassen sich Rhythmusveränderungen messen und mit einfachen Mitteln und geringen Kosten im Sinne einer Krankheitsprävention normalisieren – z. B. durch die Heilkraft des Wassers. Klingt im ersten Moment vielleicht etwas esoterisch, aber lassen Sie sich von Top-Medizinern überraschen …

Rhythmusräuber meiden. „Rhythmusräuber sind viele Faktoren des modernen Lebens: Stress, Zeitdruck, spätes Schlafengehen etc.“, betont Univ.-Prof. Dr. Maximilian Moser, Physiologisches Institut der Medizinischen Universität Graz, Gründer und Leiter des Joanneum Research Instituts für Nichtinvasive Diagnostik, jetzt Human Research Institut in Weiz, Steiermark, anlässlich des von der – Wiener Internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin (GAMED) organisierten Symposiums „Die Heilkraft des Wassers“.  Zum Ausgleich sollten „Rhythmusgeber“ in den Alltag eingebaut werden: ausreichend Schlaf, regelmäßige Erholungspausen, angenehme Wochenenden, Kuren und Aufenthalte am Wasser.

Urlaub am See – gut für unsere Gesundheit. Wasser ist ein besonders wirksamer Rhythmusgeber, wie das vom Human Research Institut  gemeinsam mit dem Institut für Psychologie der Universität Klagenfurt, Leitung Prof. Mag. Dr. Philipp Mayring, durchgeführte Seenwellness-Projekt in Kärnten eindrucksvoll belegt. Dabei wurden die gesundheitlichen Auswirkungen eines dreiwöchigen Seeaufenthalts gemessen. Positive Erholungseffekte waren bereits ab der ersten Urlaubswoche erkennbar, berichtete Prof. Moser: „Die Herzrate sank, der Vagustonus und die Schlafqualität stiegen, psychische und körperliche Beschwerden verbesserten sich deutlich und weit über die Urlaubsdauer hinaus, teilweise für sechs, zwölf Monate oder mehr.“ Eine niedrige Herzrate ist nicht zuletzt deshalb relevant, weil sie laut neuesten Studien mit einer höheren Lebenserwartung verknüpft ist. Der Tonus des Vagusnervs – die Aktivität unseres „Ruhenervs“ – hat eine zentrale Kontrollfunktion für die stetig im Körper unbemerkt ablaufenden Entzündungsprozesse. Wird der Vagustonus – etwa durch unseren modernen Lebensstil – dauerhaft gesenkt, können Entzündungen nicht vollständig abklingen, sie werden chronisch und richten sich gegen körpereigene Strukturen. Daraus resultieren verschiedenste Erkrankungen: von diversen Immun- und Autoimmunkrankheiten über Stoffwechselstörungen wie Diabetes bis zu Alzheimer-Demenz. Das Seenwellness-Projekt zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Wirkung und Aufenthaltsdauer am Wasser. Bereits ab zwei Stunden täglich stiegen die Verbesserungen des psychischen Gleichgewichts und der Schlafqualität linear an. Im Vergleich dazu erwiesen sich Aktivurlaube wie eine Bildungsreise durch Italien als deutlich weniger erholsam.

Kneippanwendungen für Ihren Alltag
  • Generelle Regeln:

– Herzferne auf der rechten Seite beginnen und Richtung Herz weiter fortschreiten.
– Außen beginnen und nach innen gehen.
– Auf kalte Hautoberflächen keine kalte Anwendung, sondern mit Warm- oder Heißwasser beginnen.
– Immer mit Kaltwasseranwendung aufhören.

  • Kalter Knieguss: Beginnend bei der  kleinen Zehe des rechten Fußes wird der Wasserstrahl (aus der Brause oder einem Gartenschlauch etc.) außen am Knöchel vorbei an der Wade aufwärts bis eine Hand breit über die Kniekehle geführt und dort circa fünf bis sieben Sekunden belassen. Das Wasser sollte dabei die ganze Wade umspülen und eine Wasserplatte bilden. Danach wird der Strahl an der Innenwade abwärts bis zur Ferse geführt. Anschließend ist das linke Bein dran. Danach wird die Vorderseite in gleicher Weise begossen: beginnend bei der kleinen Zehe des rechten Beines bis eine Hand breit über das Knie, hier fünf bis sieben Sekunden verweilen und dann an der Innenseite bis zur großen Zehe. Anschließend wird dasselbe Prozedere am linken Bein angewandt. Abschließend beide Beine mit den Händen abstreifen, Baumwollsocken anziehen – nicht stehen, sondern gehen, aktiv sein. Anwendungsgebiete: Venenbeschwerden, hoher und niedriger Blutdruck, morgendliche Anlaufschwierigkeiten, abendliche Einschlafstörungen.
  • Kaltes Armbad: Beide Arme mit den Fingerspitzen beginnend bis zu den Ellbogen ins Wasser tauchen. Während der Badedauer (ca. 10 Sekunden) die Unterarme stetig leicht hin- und herbewegen, dann Wasser abstreifen und wieder ins Bett gehen.  Anwendungsgebiete: Schlafstörungen, evt. schon am Abend im Waschbecken vorbereiten.
  • Ansteigendes Bad: Beginn mit ca. 35° warmem Wasser, langsam heißes Wasser zulaufen lassen, bis es sich gut heiß anfühlt. Dauer ca. 15 Minuten.  

 

Anwendungsgebiete: Bekämpfung frischer Virusinfekte (z. B. beim Heimkommen, wenn man das Gefühl hat: „Jetzt hat es mich erwischt!“), Entspannung der Muskulatur. Aber Vorsicht: keine heißen Anwendungen am Fuß bei Venenproblemen.

Physikalischer Reiz des Wassers. Wasseranwendungen können auch auf physikalischer Basis Krankheiten vorbeugen und heilen. „Sie sind eine zentrale Säule der im 19. Jahrhundert etablierten Kneippmedizin, die mit ihrem ganzheitlichen Ansatz Körper, Geist und Seele als Einheit anspricht“, erklärt Dr. Heinz Schiller, Arzt für Allgemeinmedizin und Kneippkurarzt im Kneipptraditionshaus in Bad Mühllacken, Oberösterreich. Kneipp-Wassertherapien wirken regulierend auf den Organismus und erfordern nur einen minimalen Aufwand. Eine besonders einfache Anwendung ist z. B. der kalte Knieguss. „Er ist die einzige tatsächlich wirksame Prophylaxe gegen Venenerkrankungen“, so Dr. Schiller. Die Auswirkungen der Wasseranwendungen sind messbar und häufig auch sichtbar: Nach einem nur zehn Sekunden dauernden kalten (7 °C) oder heißen (43 °C) Guss ziehen sich die kleinsten Blutgefäße kurz zusammen, um sich anschließend zu erweitern, die Durchblutung steigt, die Haut färbt sich rot. Die Wirkung erstreckt sich auf den ganzen Körper: So steigt die Durchblutung nach einem kalten Knieguss bis in die Fingerspitzen und nach Wechselarmbädern auch in den Beinen. Der hydrostatische Druck, der während des Bades auf den Körper einwirkt, sorgt für eine massive, zeitlich begrenzte Blutumverteilung in den Brustkorb und regt die Herztätigkeit an – ein vielfach erwünschter Trainingseffekt, aber auch mit Gefahren bei geschwächtem Herz. Ein wichtiger Bestandteil der Kneipptherapie ist die Anwendung von Pflanzenheilmitteln wie etwa ätherischen Ölen. Bei einem Fichtennadelölbad beispielsweise wird der Großteil der Wirkstoffe über die Haut aufgenommen und erst nach dem Bad langsam ins Blut abgegeben. „Dies gewährleistet eine nachhaltige und bei mehrwöchiger kurmäßiger Anwendung sogar noch steigende Wirkung“, betont Dr. Schiller.


Nutzen wir den natürlichen Jungbrunnen! Die Heilkraft des Wassers ist eine wichtige Grundlage für ein langes und gesundes Leben. Tägliche Kneippanwendungen und ihre wohltuend regulierende Wirkung  bekommen wir praktisch rund um die Uhr kostenlos aus jeder Wasserleitung. Ein Urlaub an einem See oder Meer kann uns für ein ganzes Arbeitsjahr mit Energie auftanken und unsere biologischen Rhythmen ins Lot bringen.

buch1Buchtipp

Chronobiologie und Chronomedizin Biologische Rhythmen – Medizinische Konsequenzen
Gunther Hildebrandt, Maximilian Moser,
Michael Lehofer
Verlag gesundheitsleitsystem
203 Seiten, 22 Euro

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