Samstag, 25. Mai 2019

Die heilende Kraft Tibets

Ausgabe 10/2012
Die jahrtausendealte Tibetische Medizin will den Menschen ganzheitlich gesund halten. GESÜNDER LEBEN zeigt, was wir von dieser Medizin lernen können und wo sie uns hilfreich zur Seite steht.

Foto: Can Stock Photo Inc. - dotshock
Die Tibetische Medizin ist im Prinzip eine reine Energiemedizin, bei der es darum geht, dass Körper, Geist und Seele miteinander kompatibel kommunizieren und in der Folge Blockaden aufgelöst werden“, erklärt Dr. Andrea Überall, die in der Tiroler Marktgemeinde Telfs eine Praxis für ganzheitliche Therapie betreibt und nach den Kriterien der tibetischen Konstitutionstypenlehre mithilfe von Ernährungsanleitungen und durch die Kraft der Energie behandelt. Die Tibetische Medizin konzentriert sich also auf die Energiebahnen im Körper, immerhin ist jede Krankheit auf eine Auslenkung der Energiebahnen zurückzuführen. Im Gegensatz zur (westlichen) Schulmedizin legt die Tibetische Medizin den Fokus auf die Vorbeugung, nicht zuletzt weil die Tibeter schon 800 v. Chr. herausgefunden haben, was dem Menschen guttut – und was nicht. Stress und falsche Ernährung sind definitiv schlecht für uns, prägen jedoch das tägliche Leben in unseren Breiten. Unsere Gesellschaft befinde sich momentan auf einer permanenten Überholspur, ist Überall überzeugt: „À la longue werden das die Menschen nicht durchhalten.“ Gerade chronische Krankheiten – von Darmerkrankungen bis hin zum Burn-out –seien ein Indiz dafür, dass in unserer Gesellschaft etwas schieflaufe.

Gesunde Denk- und Lebensweise.„Was haben wir denn heute schon für die Gesundheit getan?“, fragt Überall zu Beginn jeder Behandlung ihre Patienten. Das mag vor allem für jene, die zum ersten Mal die Hilfe der Tibetischen Medizin suchen, seltsam anmuten. Aber: Die Befragung, aber auch die Beobachtung des Patienten sind wesentliche Techniken, um eine Diagnose zu stellen. Zudem wird der tibetische Arzt oder Praktiker Haut sowie Haare abtasten und  eine sogenannte Pulsdiagnose durchführen. Der Tibeter verlässt sich somit auf seine fünf Sinne und vor allem auf sein Wissen. Bei der Behandlung spielen vor allem die Analyse und die Änderung von eigenen Verhaltensweisen und der Ernährung eine große Rolle. „Über das Denken, aber auch durch Veränderungen unserer Lebensweise kann man schon sehr viel für seine Gesundheit tun“, so Überall. Vor allem in Bezug auf die Ernährung spielt das Wissen um den Konstitutionstyp eine große Rolle: Jeder Mensch ist anders, dementsprechend auch das Verhältnis der drei Energien bzw. Körpersäfte: Wind (tib. Lung), Galle (tib. Tripa) und Schleim (tib. Päken). Eine Krankheit entsteht dann, wenn diese individuelle Energiekonstitution im Ungleichgewicht ist. „Allein durch die Ernährung kann man hier schon sehr viel erreichen – oder eben auch falsch machen. Ein Beispiel: Bei einem Tripa-Typ überwiegen wärmende, heiße sowie antreibende Eigenschaften. Nimmt dieser aber über die Nahrung noch mehr Wärme zu sich, kann das auf lange Sicht zu Beschwerden und Krankheiten führen“, erklärt Überall.

Tibetischer Speiseplan. Dass man sich in der westlichen Welt meist falsch ernährt, ist kein Geheimnis. Auch ist bekannt, dass wir uns mit einem Übermaß an Zucker und Salz gar nichts Gutes tun, sondern im Gegenteil unserer Gesundheit schaden. Ebenso wissen wir, dass Übergewicht – für den Tibeter übrigens eine dauernde chronische Entzündung – verschiedenste Erkrankungen zur Folge haben kann. Hier könne die Tibetische Medizin einen Anstoß geben: „Man muss nicht Buddhist sein, damit sie wirkt“, so Überall, die auch schon zahlreiche Bücher über die Tibetische Medizin und ihre Wirkungsweise geschrieben hat. In ihrem neuen Buch „Mit Herb und Bitter immer fitter“, das 2013 erscheinen wird (AT Verlag, Schweiz), erklärt die Autorin, warum Herb- und Bitterstoffe für unseren Körper von enormer Wichtigkeit sind. Wenngleich das Wissen um diese wichtigen Naturstoffe in der Tibetischen Medizin eine lange Tradition hat, kannten auch unsere Vorfahren deren Nützlichkeit. Überall: „Herb- und Bitterstoffe vermögen chronische Entzündungen zu vermindern, haben aber auch eine Anti-Aging-Wirkung. Im Grunde finden wir sie in jedem Garten: vom Löwenzahn über die Gurke und Artischocken bis hin zum Rucola. Es gibt sie aber natürlich auch als Essenzen in der Apotheke zu kaufen, wodurch sie noch besser wirken und somit die Leber noch effektiver bei ihrer Arbeit, dem Entgiften, unterstützen können.“

Fahrzeug der Seele. Neben der Einhaltung eines durch den tibetischen Arzt oder Praktikers erstellten Ernährungsplans müsse man auch mit dem Rauchen aufhören, auf ein zu viel an Alkohol verzichten und allgemein einen gesunden Lebensstil pflegen. Überall: „Der Tibeter sagt: ,Der Körper ist das Fahrzeug der Seele.’ In der westlichen Welt gehen wir aber erst dann zum Arzt, wenn etwas am Fahrzeug kaputt ist, und dann wollen wir, dass eine rasche Reparatur erfolgt. Das ist falsch. Wir müssen unser Fahrzeug ständig in Schuss halten.“ Gewiss: Auch der Tibeter ist hin und wieder gezwungen, Reparaturen, sprich Behandlungen vorzunehmen. So werden, sofern erforderlich, äußere Anwendungen (z. B. Aderlass, Applikationen warmer oder kalter Art, Dampfbäder, Massagen, Schröpfen) durchgeführt. Sehr oft greift der tibetische Arzt aber auch in die „Kräuterkiste“: Zu den typischen Heilkräutern zählen etwa Akelei-Kräuter, Aloe, Schafgarbe oder Spitzwegerich. Tibetische Rezepturen können bei verschiedenen Erkrankungen wie z. B. bei Durchblutungsstörungen, die sich durch kalte Hände und kalte Füße bemerkbar machen, sehr hilfreich sein. Übrigens: Da wir durch unser tägliches Leben mit energetischen Auslenkungen zu kämpfen haben und diese somit stetig zu beheben sind, nimmt der Tibeter jeden Tag Kräuter zu sich, achtet jeden Tag auf seine Ernährung und führt jeden Tag seine Übungen (Yoga, Meditation) durch, schließlich heißt es in der Tibetischen Medizin: „Es ist nie zu spät, etwas zu unternehmen, um eine Auslenkung zu beheben. Aber es ist schade um die Energie, die wir durch falsche Ernährung und Lebensweise vergeudet haben.“

Tibetische Medizin im Web
Weitere Informationen zum Thema „Tibetische Medizin“ finden Sie im Internet unter folgenden beiden Adressen:
- Informationszentrum für Tibetische Medizin, 6410 Telfs, Andrea und Florian Überall: www.tibetischemedizin.org
- Informationsinitiative Padma Forum für Tibetische Medizin, Wien: www.padmaforum.at

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