Montag, 20. Mai 2019

Die großen Diät-Irrtümer

Ausgabe 02/2010
Vergessen Sie Trennkost, Magic Soup und alles, was Kilos angeblich im Nu wegzaubern soll. Zum ersehnten Ziel führen nämlich nur Anders-Essen, Bewegung und – ein langer Atem.

Foto: Jacob Wackerhausen - istockphoto

Ein Klassiker: Zwei Wochen lang kasteit man sich mit Säften, Ananas oder FdH, danach nimmt man die alten Gewohnheiten wieder auf, die verlorenen Kilos und ein paar mehr wieder zu. Der berühmt-berüchtigte Jo-Jo-Effekt folgt auf jede Gewaltkur wie das Amen im Gebet. Trotzdem werden immer neue Trenddiäten lanciert, die nur dazu taugen, Geldbeutel zu erleichtern und falsche Hoffnungen zu schüren. Nicht selten können sie gar krank machen.

Diätmythen entlarven

Eine, die von Berufs wegen kritisch an die Materie herangeht, ist Ernährungswissenschaftlerin Mag. Angela Mörixbauer: „Rund ums Abnehmen kursieren immer wieder dieselben Irrtümer. Etwa die Behauptung der Trennkost-Ratgeber, dass unser Körper Eiweiß und Kohlehydrate nicht gemeinsam verdauen kann.“ Diese Theorie ist, wie viele andere, wissenschaftlich nicht haltbar, denn das Enzymsystem unseres Magen-Darm-Traktes ist so angelegt, dass das sehr wohl funktioniert“. Von wegen trennen: In fast allen Lebensmitteln sind Eiweiß UND Kohlehydrate enthalten! Je undurchsichtiger die Erklärungsansätze der Diät-Anbieter sind, desto besser verkaufen sie sich. Ob nun die obskure Blutgruppendiät oder das Glyx-Prinzip – sie klingen zu schön, um wahr zu sein.

Langsam statt radikal

Immer ihre Abnehmer finden auch obskure Schlankheitsmittel, die übers Internet vertrieben werden. Diese Präparate sind genauso untauglich wie zeitlich limitierte Radikalkuren. Letztere bergen sogar nicht zu unterschätzende Gefahren. „Bei allen einseitigen Diäten sind Nährstoff mängel vorprogrammiert. Ein Paradebeispiel: die sogenannte Zitronensaftkur. „Finger weg heißt es auch von Appetitzüglern, Entwässerungs- und Abführmittel. Sie können zu massiven Veränderungen im Elektrolythaushalt sowie zu Funktionsstörungen verschiedener Organe führen“, warnt die Wissenschaftlerin. Kontraproduktiv seien auch Fastenkuren, wenn man sie nur der Gewichtsreduktion dienen. „Dabei wird die Energiezufuhr extrem eingeschränkt. Wenn man nicht gleichzeitig eine gewisse Menge Eiweiß und Kohlehydrate zu sich nimmt und sich bewegt, baut man Muskelmasse ab. Natürlich reagiert der Zeiger der Waage, dies ist aber in erster Linie auf den Flüssigkeitsverlust in der Anfangsphase zurückzuführen.“

Der kleine Verzicht bringt‘s

Nachhaltig und ohne Gesundheitsrisiken abzuspecken funktioniert nur mit Ausdauer und Konsequenz. Dazu muss man seine Lebensführung sukzessive umstellen – weniger bzw. anders essen und mehr Kalorien durch Bewegung verbrennen. Beim abwechslungs- und nährstoff reichen Speisezettel mit viel (saisonalem) Gemüse, Salat, Obst, Vollkornprodukten, Fett armen Milchprodukten, magerem Fleisch, Fisch sowie hochwertigen Fetten werden auch die Geschmacksnerven befriedigt. Unmaßgeblich ist, ob eine Kost eher eiweiß- oder kohlehydratlastig oder eher fettreduziert ist, Hauptsache man verzichtet auf die eine oder andere Kalorie.

„Für sich selbst zu erkennen, warum man schon wieder zum Kühlschrank ging, ist schon ein guter Anfang“, meint Mörixbauer. Sie rät deshalb, ein Ernährungsprotokoll zu erstellen. Einige Wochen lang notieren, was man isst und was der eigentliche Auslöser war – Frust? Ersatzhandlung? Denn Hunger ist es nur in den seltensten Fällen. „Dass es oft mehrere Anläufe braucht, und dass es garantiert Rückschläge zu verdauen gibt, liegt in der natur der Sache“, betont die Ernährungswissenschaftlerin. Wer beschließt, seinen Lebensstil und seine Essgewohnheiten umzukrempeln, muss vor allem eines – dranbleiben!

BUCHTIPP:
„Die 50 größten Diätlügen“ von Angela Mörixbauer und Markus Groll; Hubert Krenn Verlag; € 16,90; Neuauflage in Planung.


Gängige Abnehm-Lügen im Visier

LIGHT-PRODUKTE GEGEN SCHWERE KILOS …
Jährlich geben die Österreicher über 90 Millionen Euro für Light-Produkte aus. Allerdings: Man bezahlt oft teuer nur für Wasser und Luft. Denn die wahre Bedeutung des Wörtchens „Light“ ist eher diffus.“ Tipp: Studieren Sie Etiketten genau, um herauszufinden, worauf sich die Bezeichnung konkret bezieht. Besser sind Lebensmittel, die von Haus aus weniger Fett oder Zucker enthalten: etwa Krakauer oder Rohschinken ohne Fettrand statt Light- Salami. Von Natur aus Light sind Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und Salat. Statt Light-Limonade lieber mit Wasser verdünnbare Fruchtsäfte ohne Zuckerzusatz oder Früchtetees trinken.

ESSEN AM ABEND MACHT DICK …
Dinner Cancelling wird gerne als das Abnehm-Credo verkauft. De facto ist kein Zusammenhang zwischen der Nahrungszufuhr nach 17 Uhr und einer etwaigen Gewichtsveränderung nachzuweisen. Tipp: Wenn Sie zu Heißhunger am Abend neigen, lieber am Nachmittag „vorsättigen – mit einer kleinen Zwischenmahlzeit. Und passen Sie Ihre Hauptmahlzeiten an den Tagesablauf an. Solange die Gesamtmenge an Kalorien nicht steigt, müssen Sie kein schlechtes Gewissen haben. Das Abendessen gelegentlich einzuschränken oder ganz zu streichen, ist natürlich nicht verboten. Trinken Sie dafür reichlich kalorienfreien Tee – das täuscht wohlige Sättigung vor.

WENIGER, DAFÜR ÖFTER …
Fünfmal am Tag wird gerne als Faustregel für den Mahlzeitenrhythmus kolportiert. Dreimal reicht, kontern die Kritiker. In Wahrheit gibt es keine abgesicherte wissenschaftliche Grundlage für derart strikte Verhaltensregeln. Essensfrequenz und Abnehmen haben nichts miteinander zu tun. Tipp: Erkennen Sie Ihren persönlichen Mahlzeitenrhythmus. Variieren Sie über einen Zeitraum die Essenshäufigkeit und notieren Sie, wann Hunger oder Heißhungergefühle auftreten. So lassen sich kritische Phasen erkennen. Wer sich schwertut, beim Essen rechtzeitig aufzuhören, sollte die Tagesration auf weniger Mahlzeiten aufteilen. So trickst man sich selbst aus, denn man muss seltener aufhören zu essen! Sind Heißhungerattacken das Problem, kann es sein, dass die „Durststrecken“ zwischen den Mahlzeiten zu lang sind. Greifen Sie häufiger zu, aber ohne die erlaubte Tagesration zu erhöhen!

SCHLANK DURCH SEX UND BLAUEN DUNST …
Wer trotz Zeitdiktat noch immer raucht, unter anderem deshalb, weil es schlank halten soll, der lügt sich selbst in den Sack. Eine Schlüsselstudie, die 4.000 amerikanische Raucher um die 30 über sieben Jahre wissenschaftlich begleitete, entlarvt diese These. Die Nikotinzufuhr, welche nur in eingeschränktem Maß den Stoffwechsel beschleunigt, hielt die Probanden in keinster Weise von der altersüblichen Gewichtszunahme ab. Sich das Rauchen schließlich abzugewöhnen, ist bekanntlich in mehrfacher Hinsicht eine gewichtige Angelegenheit. Auch die Hypothese, dass man mittels Koitus an Gewicht verliert, ist eine verlockende. Nur leider hält auch sie nicht. Bei einem 15-minütigen Geschlechtsakt verbrennt man durchschnittlich magere 36 Kilokalorien. Da sind Sie mit einer Viertelstunde lapidarem Staubsaugen – 43 kcal – schon eher auf der Habenseite.

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