Mittwoch, 22. Mai 2019

Die ganze Welt dreht sich verkehrt …

Ausgabe 2017.07-08
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Etwa ein Viertel der über 60-Jährigen, aber auch viele Jüngere klagen über Schwindel. Der belastet nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche. Was dahintersteckt, wenn sich das Karussell nicht aufhört zu drehen, und was Sie dagegen tun können.


Foto: iStock-courtneyk

Es war plötzlich, von der sprichwörtlichen Sekunde auf die andere. „Ich habe am Schreibtisch gearbeitet, war seit Stunden in gebeugter Haltung“, erinnert sich Stefan (30). Gestresst war der damals 23-Jährige schon seit Monaten, der Sommer war geprägt von mehreren Ferialpraktika und der Arbeit an seiner Diplomarbeit. „Ich habe schon früher am Tag gespürt, dass mich immer wieder ein starker Schwindel überkommt, der aber nach einigen Sekunden wieder nachließ. Nun aber fühlte es sich so an, als ob sich ein innerer Schalter umlegen würde.“ Der Raum um Stefan herum fing an, sich zu drehen, vorher langsam, dann immer und immer schneller. Er schloss die Augen, versuchte, ruhig zu atmen. Nichts: Es fühlte sich so an, als sitze er auf einem Karussell, dessen Geschwindigkeit kontinuierlich zunimmt. Dann setzte die starke Übelkeit ein. „Ich konnte mich nicht mal im Liegen zur Seite drehen, konnte keinen Schluck Wasser trinken, ohne mich zu übergeben. Der Kreislauf war am Ende.“ Der Zustand hielt mehrere Tage an, der Raum tanzte, während Stefan versuchte, sich auf einen bestimmten Punkt an der Decke zu konzentrieren. Der Hausbesuch des Arztes brachte schnell Klarheit: Akuter Drehschwindel durch Ausfall des Gleichgewichtssinnes.

Übungen gegen den Schwindel

Diese drei Übungen können helfen, Schwindelattacken vorzubeugen:

Übung 1: Aufrechte Sitzhaltung. Nicken Sie mit dem Kopf, als ob sie Ja sagen würden, und bewegen Sie den Kopf dabei nach links und rechts. 10 bis 20 Sek. lang.

Übung 2: Halten Sie Ihren Zeigefinger mit ausgestrecktem Arm vor sich. Bewegen Sie den Finger langsam in alle Richtungen oder „zeichnen“ Sie Formen in die Luft (einen Achter, Rechteck etc.). Ihr Blick bleibt auf den Finger gerichtet.

Übung 3: Gehen Sie auf einer schmalen Linie und setzen Sie bewusst einen Fuß vor den anderen, ohne dabei von der Linie „zu fallen“.

Volkskrankheit. „Schwindel wird zunehmend zur Volkskrankheit“, betont Dr. Benjamin Loader, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Wien. „Fast jeder Dritte macht in seinem Leben Erfahrung mit mittleren bis schweren Schwindelanfällen, rund jedem zehnten Besuch beim Hausarzt liegen Schwindelerkrankungen zugrunde.“ So ist der Schwindel (medizinisch: Vertigo) gemeinsam mit Kopfschmerzen die häufigste Beschwerde im Bereich des Nervensystems. Mit zunehmendem Alter steigt auch die Zahl der Betroffenen: Etwa ein Viertel der über 60-Jährigen klagt über häufigen Schwindel. „Die immer älter werdende Gesellschaft, aber auch das stundenlange Verbringen vor dem Computer sowie der damit verbundene Bewegungsverlust sind wichtige Gründe dafür, wieso der Schwindel zu einem größeren Thema in der Medizin wird“, so Loader. Streng genommen ist Schwindel keine Krankheit, sondern vielmehr ein Symptomkomplex, der sich je nach Art des Schwindels unterscheidet (siehe Infokasten). „Schwindel ist ein Zeichen einer komplexen Diskrepanz zwischen dem Gleichgewichtssinn, dem visuellen System des Körpers sowie dem propriozeptiven Körpersystem, also Sehnen, Muskeln und Gelenke – und in weiterer Folge der zentralen Koordinierung dieser gesammelten Reize im Gehirn“, erklärt Loader. Vereinfacht ausgedrückt: Mit Symptomen wie etwa Unwohlsein, Schwanken bis hin zum gänzlichen Verlust der Orientierung im Raum oder auch Übelkeit und Panik ist der Schwindel ein mehr als deutliches Anzeichen dafür, dass wichtige Systeme des Körpers im Ungleichgewicht sind.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Die ganze Welt dreht sich verkehrt …
Seite 2 Von Durst bis zu Parkinson

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