Dienstag, 24. September 2019

DIAGNOSE: Multiple Sklerose

Ausgabe 2019.09
Seite 1 von 2

Vor 17 Jahren erhielt Robert Arthofer die Diagnose Multiple Sklerose. Im Gespräch mit GESÜNDER LEBEN erklärt der 50-jährige Wiener, wie er es schafft, die Krankheit in den Alltag zu integrieren. Die Hauptzutaten: eine positive Einstellung und die Unterstützung der Familie.

 


Foto: iStock-wildpixel

 

Nicht ohne Grund wird sie die Krankheit der tausend Gesichtergenannt, denn Multiple Sklerose beginnt und verläuft bei jedem Betroffenen anders. Bei Robert Arthofer machte sich die entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems zuerst im rechten Bein und am linken Auge bemerkbar. „Plötzlich konnte ich links nichts mehr sehen“, erinnert sich der heute 50-jährige Wiener an die ersten Symptome, die im Jahr 2002 auftraten. „Ich hatte bereits am Vortag einen Neurologen aufgesucht, da ich ein komisches kalt-warmes Gefühl in meinem Bein hatte. Der Arzt setzte mir eine Akupunkturnadel am Kopf und so dachte ich zunächst, die Sehstörung sei vielleicht eine Folge davon.“ Es folgte der Besuch bei einer Augenärztin, die Überweisung an die Augenklinik des AKH Wien und schließlich ein Aufenthalt in der neurologischen Abteilung desselben Krankenhauses, wo eine Lumbalpunktion Gewissheit brachte. Die Diagnose: remittierend schubförmige Multiple Sklerose (RRMS).

Unterschiedlicher Verlauf
Im Unterschied zur schubförmigen RRMS, bei der sich die Beschwerden wieder ganz zurückentwickeln können, nehmen sie bei der sekundär progredienten Form (SPMS) allmählich zu. Die Schübe selbst treten jedoch seltener auf. Die primär progrediente MS (PPMS) zeigt sich hingegen von Beginn an mit kontinuierlich schlechter werdenden neurologischen Beschwerden.

Gemeinsam schafft man alles
Robert Arthofer nahm die Diagnose gefasst auf: „Ich hatte keine Ahnung, was mich mit dieser Krankheit erwartet, und dachte, das wird schon wieder vergehen“, erinnert sich der zweifache Vater. Seine Ehefrau, eine Medizinerin, sei jedoch beim Besprechungstermin neben ihm verfallen. Heute, 17 Jahre später, ist es vor allem die Unterstützung seiner Familie, die ihm hilft, mit den Folgen der Erkrankung zurechtzukommen – unter anderem die Einschränkung seiner Mobilität. „Zum Gehen benötige ich einen Stock, da das rechte Bein stark beeinträchtigt ist“, so Arthofer. Auch der Rücken bereitet dem Wiener häufig Probleme. In seiner Therapie kommt zunächst ein Interferon zum Einsatz. Dieses wirkt modulierend und entzündungshemmend auf das Immunsystem, zeigt sich aber auch mit Nebenwirkungen. „Ich hatte Fieberschübe und Schüttelfrost“, erinnert sich Arthofer. Seit Kurzem erhält Arthofer nun ein neuartiges Medikament, das er besser verträgt – eine wesentliche Erleichterung für den Wiener, der seine positive Einstellung auch behält, als ein weiterer Schicksalsschlag in Form von Schilddrüsenkrebs folgt. „Die Krankheit muss mit mir leben, nicht umgekehrt“, lautet ein Credo des 50-Jährigen, ein anderes: „Alleine schafft man vieles, aber gemeinsam alles!“

Hilfe für andere Betroffene
Darum engagiert sich Arthofer auch für andere Betroffene und gründete die „Selbsthilfe PatientInnenorganisation Multiple Sklerose Österreich“ (SHMSOE). Mit dem Verein möchte er Erkrankten und ihren Angehörigen helfen und seine Erfahrungen teilen. „Ich habe in den 17 Jahren mit MS gemerkt, was mir selbst guttut, auch dieses Wissen möchte ich teilen.“ Rückenmassagen sind das etwa oder die vierwöchige Reha, die Arthofer einmal im Jahr in Anspruch nimmt. Aber auch Sport in Maßen hilft ihm. „Ich versuche, immer die Stiegen zu nehmen und nicht den Lift. Wenn ich Zeit habe, gehe ich in den Fitnessclub, um mich fit zu halten“, erzählt er. In letzter Zeit habe das sportliche Engagement etwas gelitten, der Familienvater war mit dem Hausbau beschäftigt.
Arthofer zeigt, dass es möglich ist, die Erkrankung in den Alltag zu integrieren. In seinem Fall bedeutet das auch eine Vollzeitbeschäftigung. „Es hilft, dass meine Kollegen Bescheid wissen, ich habe auch beruflich viel Unterstützung“, so der Angestellte des Bundesministeriums für Landesverteidigung, der mit seinem Team für den Fahrzeugkauf, die Instandhaltung und das Ausscheiden von Fahrzeugen für ganz Österreich zuständig ist. In Kürze könnte sich eine neue Funktion hinzugesellen: „Ich möchte bei der Wahl im November als Behindertenvertrauensperson kandidieren und Kollegen mit Behinderungen unterstützen.“ 

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 DIAGNOSE: Multiple Sklerose
Seite 2 Experten-Interview

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-09 130x173

Aktuelles Heft 09/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 4. Oktober

 

Unsere Ausgabe 07-08/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Hand aufs Herz – wie nutzen Sie Ihr Handy?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information