Freitag, 15. Februar 2019

Diabetiker in der Zahnfalle

Ausgabe 2014.04

Parodontitis und Diabetes gehen oft Hand in Hand – in manchen Fällen mit durchaus fatalen Folgen. An der konsequenten Mundhygiene führt also kein Weg vorbei, und das gilt nicht nur, aber vor allem für Diabetiker.


Foto: Can Stock Photo Inc. - Hootie2710

Es beginnt mit Zahnbelag und Zahnstein oberhalb, bei fortgeschrittenen Fällen auch unterhalb des Zahnfleischrandes. Das ansonsten blassrosa Zahnfleisch schwillt an, verliert seine orangenartige Struktur und blutet von Zeit zu Zeit. Dies alles können Anzeichen für eine Zahnfleischentzündung (med. Gingivitis) sein, die vom Zahnarzt behandelt gehört. Und damit sie nicht mehr wiederkehrt oder, noch besser, damit es erst gar nicht so weit kommt, bedarf es einer konsequenten Mundhygiene und regelmäßiger zahnärztlicher Kontrolle. Auf die leichte Schulter nehmen darf man die Entzündung des Zahnfleisches aber definitiv nicht, da sie unbehandelt zur Parodontitis führen kann, wie Dr. Martin von Sontagh, Zahnarzt in Hard (Vorarlberg), erklärt: „Werden Keime über einen längeren Zeitraum nicht entfernt, vermehren sie sich und dringen immer weiter zwischen Zahnfleisch und Zahn. Dadurch bilden sich tiefe Zahnfleischtaschen, die mitunter bis zur Wurzelspitze reichen und im schlimmsten Fall zum Verlust des Zahnes führen, weil sowohl Knochen als auch Bänder angegriffen werden.“ Übrigens: Im Mundbereich eines jeden Menschen tummeln sich Keime, allerdings herrscht bei Personen mit gesundem Zahnfleisch ein Gleichgewicht zwischen guten und schlechten Bakterien. Krankheitsbedingt oder weil man raucht, unter Stress steht, Medikamente nimmt, sich falsch ernährt, genetisch vorbelastet ist oder weil es um die Mundhygiene schlecht bestellt ist, können jedoch die schlechten Bakterien überhandnehmen.

Diabetiker, aufgepasst! Ganz besonders vorsichtig sein müssen Diabetiker, denn Parodontitis und Diabetes können sich gegenseitig beeinflussen – in erster Linie negativ. Univ.-Prof. Dr. Monika Lechleitner, Primarärztin der Inneren Abteilung am Landeskrankenhaus Hochzirl sowie Vorstandsmitglied der Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖGD), spricht von einem bidirektionalen Zusammenhang: „Einerseits kann ein erhöhter Blutzuckerspiegel (med. Hyperglykämie) bei schlecht eingestelltem Diabetes das Risiko einer Parodontitis erhöhen. Andererseits kann die durch eine Parodontitis ausgelöste entzündliche Veränderung im Bereich der Mundhöhle die Insulinsensitivität des Diabetikers vermindern, wodurch es manchmal zu einer Verschlechterung der Blutzuckerkontrolle kommt.“ Diabetiker besitzen also ein erhöhtes Risiko, an einer chronischen Parodontitis zu erkranken, bzw. haben Studien sogar nachgewiesen, dass Parodontitis-Patienten rund zweimal häufiger einen Diabetes mellitus aufweisen als parodontal gesunde Patienten. Darüber hinaus kann aber eben auch der Krankheitsverlauf beeinträchtigt sein – und zwar wiederum in beiderlei Hinsicht: Während nämlich, wie bereits erwähnt, die durch die Parodontitis ausgelösten Entzündungen im Mundbereich zuweilen zu einer verminderten Insulinwirkung und somit wiederum zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel führen, kann eine wirkungsvolle Therapie der Parodontitis unter anderem durch die tieferen Zahnfleischtaschen und den parodontalen Knochenabbau erschwert werden. Noch dazu schreitet die Parodontitis bei Menschen mit Diabetes schneller voran, wie Zahnarzt Martin von Sontagh betont: „Man hat bewiesen, dass die Bakterien, die eine Parodontitis auslösen, bei Diabetikern aggressiver sind – vor allem dann, wenn der Diabetes nicht gut eingestellt ist. Außerdem weist die Flüssigkeit, die aus dem Zahnfleisch austritt, mehr Zucker auf als bei Nicht-Diabetikern. Und das ist natürlich wieder Nahrung für die Bakterien, die zur Parodontitis führen.“ Damit nicht genug, deuten wissenschaftliche Untersuchungen sogar darauf hin, dass eine chronische Parodontitis eventuell sogar Diabetes hervorrufen kann.

Könnte es Diabetes sein? Von Sontagh weiß allerdings noch von einem weiteren Problem zu berichten: „Ich habe schon einige Parodontitis-Patienten behandelt, die noch nicht einmal wussten, dass sie unter Diabetes leiden. Umso wichtiger wäre es, dass Hausärzte und Internisten ihren Patienten empfehlen würden, abklären zu lassen, ob im Mund alles passt.“ Übrigens können abgesehen von einer bereits ausgebrochenen Parodontitis auch andere Beschwerden im Mundbereich auf einen Diabetes hinweisen: „Zum Beispiel führt Diabetes nicht selten zur Mundtrockenheit, wodurch sich in der Folge etwa ein Pilz entwickeln kann“, sagt der Spezialist für ganzheitliche Zahnheilkunde. Ebenso können Geschmacksstörungen, Mundbrennen, Mundschleimhautveränderungen, schlecht heilende Wunden im Mundbereich oder offene Mundwinkel in manchen Fällen Symptome eines noch nicht diagnostizierten Diabetes sein. Internistin Monika Lechleitner ist sich dieser Problematik durchaus bewusst und empfiehlt daher „eine Blutzuckerkontrolle bei Vorliegen der Beschwerdesymptomatik“.

Henne-Ei-Frage. Man kann sich nun, wie bei der Henne und dem Ei, fragen: Was kam zuerst, der Diabetes oder die Parodontitis? Tatsache ist in jedem Fall, dass sich die beiden Krankheiten gegenseitig beeinflussen – zum Glück aber hin und wieder auch positiv. So kann etwa eine ausgeheilte Parodontitis die Behandlung des Diabetes durchaus verbessern. Umgekehrt können Diabetiker durch eine gute Mundhygiene nicht nur einer Parodontitis bzw. dem Fortschreiten einer Parodontitis Einhalt gewähren, sie können ferner das Risiko von diabetischen Komplikationen, wie beispielsweise zu hohe Eiweißausscheidung, Nierenschäden, Verengung der Blutgefäße oder ein erhöhtes Sterberisiko durch Herz-Nieren-Erkrankungen, verringern. Diabetiker sollten daher täglich mindestens zwei-, wenn nicht sogar dreimal die Zähne gründlich putzen, mit Interdentalbürsten sowie Zahnseide die Zahnzwischenräume reinigen und alle drei, vier Monate einen Termin für eine zahnärztliche Mundhygiene vereinbaren. Und wer sich zudem gesund und möglichst zuckerarm ernährt, zaubert sich im wahrsten Sinne des Wortes selbst ein gesundes und strahlendes Lächeln ins Gesicht.

Weitere Informationen unter
www.zahnarzt-vonsontagh.at

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