Freitag, 15. November 2019

Diabetes mit Babybauch

Ausgabe 09/2009
Schwangerschaftsdiabetes wurde bislang viel zu selten erkannt. Seit 2010 zählt ein einfacher Blutzuckertest zu den vorgeschriebenen Untersuchungen im Mutter- Kind-Pass: zum Schutz für Mutter & Kind.

Foto: Günter Menzl - fotolia.com
Eine Schwangerschaft ist für die meisten Frauen ein wunderbares und einmaliges Erlebnis, das freilich oft auch mit Gesundheitsproblemen verbunden ist. Eines davon ist der Schwangerschaftsdiabetes – eine spezielle Form der Zuckerkrankheit, die während der Schwangerschaft auftritt. „Jede 15. Frau entwickelt während der Schwangerschaft Diabetes“, sagt Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer von der Uni-Klinik für Innere Medizin III am AKH Wien. „Ursache dafür ist der durch die Schwangerschaftshormone erhöhte Bedarf an Insulin. Kann dieser in der Bauchspeicheldrüse nicht ausgeglichen werden, entsteht bei der Schwangeren Diabetes.“ Im Gegensatz zu anderen Formen des Diabetes, die ein Leben lang andauern, kann der Schwangerschaftsdiabetes nach der Entbindung wieder verschwinden, doch – und darauf pocht die Spezialistin – immer mehr Frauen entwickeln ihn, und dass er von selbst verschwindet, ist immer seltener der Fall: „Diese Erkrankung führt in 50 bis 80 Prozent der Fälle zu Typ-II-Diabetes. Eine neue Studie zeigt zudem, dass bereits ein niedrigerer Blutzuckerwert als bisher angenommen den Fötus schädigen kann.“

Risiko für Mutter & Kind
Die Erkrankung birgt sowohl für die Mutter als auch für ihr Kind große Gefahren. Als Antwort auf die erhöhten Blutzuckerwerte, die über die Plazenta von der Mutter übertragen werden, erzeugt das Ungeborene nämlich selbst mehr Insulin, und das hat fatale Folgen: Fettdepots können zu asymmetrischem Riesenwuchs führen und dieser wiederum zu Geburtsverletzungen. Kautzky-Willer: „Auch Atemstörungen oder Gelbsucht nach der Geburt sind möglich – im schlimmsten Fall, wenn auch selten, der Tod des Fötus.“ Das Risiko der betroffenen Kinder ist zudem hoch, bereits im Schulalter übergewichtig zu werden und selbst an Diabetes zu erkranken.

Rechtzeitig erkennen
Obwohl mehrere Risikofaktoren bekannt sind, wurde die Diagnose bis vor Kurzem zu selten gestellt. Experten haben sich daher vehement dafür eingesetzt, dass im Mutter-Kind-Pass ein oraler Glukosetoleranztest hinzukommt – was nun 2010 endlich verwirklicht wird. Das ist auch deshalb so wichtig, weil Schwangerschaftsdiabetes meist symptomlos verläuft. Jetzt kann mit einem einfachen Test der Blutzuckerwert gemessen werden, und: Bei rechtzeitiger Therapie kann das Baby gesund zur Welt kommen.

Schutz für Mutter & Kind
Schwangerschaftsdiabetes ist also nicht nur ein Risiko, sondern auch eine Chance, dem immer häufiger werdenden Diabetes in zwei Generationen vorzubeugen. Kautzky-Willer: „Wir haben eine ausgezeichnete Therapie. Ein Eckpfeiler ist die regelmäßige Blutzuckerkontrolle vor jeder Hauptmahlzeit und eine Stunde danach.“ Bei Frauen mit leicht erhöhten Blutzuckerwerten reicht es oft schon aus, die Ernährung umzustellen: mehr Obst und Gemüse, weniger Weißmehl und Zucker. Auch ein ausgedehnter Spaziergang unmittelbar nach jeder Mahlzeit kann den Blutzucker verringern. Gewichtsreduktion bei Übergewicht senkt das Risiko um 50 Prozent. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen oder der Blutzuckerspiegel sehr stark erhöht ist, ist eine Insulintherapie notwendig. „Damit schützen Sie vor allem Ihr ungeborenes Kind“, erklärt Kautzky-Willer.

Wichtig ist der Zuckerbelastungstest für die Mutter nach der Geburt. Sind die Werte normal, muss nur alle zwei Jahre der Blutzuckerspiegel kontrolliert werden, denn sobald eine Frau Schwangerschaftsdiabetes gehabt hat, besteht ein höheres Diabetesrisiko. Ist der Test nach zwei Monaten nicht in Ordnung, braucht es engmaschige Kontrolle und eventuell eine Therapie. Die engagierte Ärztin Kautzky-Willer wünscht sich: „Auch Kinder sollen nachbeobachtet werden – das ist ein wichtiger Schritt zur Diabetesprävention.“



Sind Sie gefährdet?
Das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes ist erhöht, wenn:
  • Ihr Baby sehr groß ist (Ultraschalluntersuchung)  .
  • Mutter, Geschwister oder Vater zuckerkrank sind.
  • Sie bereits bei einer früheren Schwangerschaft zuckerkrank waren.
  • Sie viel Durst haben.
  • Sie an Bluthochdruck oder hohen Bluttfetten leiden.
  • Ihre Blutzuckerwerte auch nach der früheren Entbindung noch erhöht waren.
  • Sie bereits vor der Schwangerschaft übergewichtig waren.
  • Ihr Bauchumfang schon vor der Schwangerschaft mehr als 88 cm betrug.
  • Sie Zucker im Harn haben.
  • Sie über 30 Jahre alt sind.
  • Sie während der aktuellen Schwangerschaft (1. Hälfte) schon mehr als zehn Kilo zugenommen haben.
  • Sie überdurchschnittlich häufig Harn lassen müssen.

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