Mittwoch, 18. September 2019

Diabetes: Hochschaubahn Blutzucker

08. Mai 2006
Zuckerkrank. Zuviel Zucker im Blut kann jede Menge Schäden anrichten. Vor allem, wenn hohe Blutzuckerspiegel lange Zeit unerkannt bleiben oder nicht ernst genommen werden. Insbesondere Typ-2-Diabetes besteht meist schon mehrere Jahre, bevor er diagnostiziert wird, und damit steigt die Wahrscheinlichkeit von Spätschäden: Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Netzhautschäden bis zur Erblindung, Fußamputationen und Nierenschäden. Keine schönen Aussichten.

Doch das muss nicht sein. Dem Typ-2-Diabetes kann vorgebeugt werden, auch wenn der Prävention in diesem Zusammenhang noch immer viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Dabei müssten die Zahlen eigentlich zum Handeln auffordern: In Österreich leben laut Diabetesbericht 2004 rund 300.000 Betroffene, etwa 5 % der Bevölkerung sind DiabetikerInnen. Das Tragische: Die PatientInnen werden immer jünger. Und: 5–10 % der Gesamtausgaben für das Gesundheitssystem entfallen auf die Behandlung diabetischer Komplikationen.

Abschied von der "Diabetes-Diät"
Moderne Therapie- und Behandlungsformen ermöglichen den Erkrankten mittlerweile ein weitgehend normales Leben. Die lange propagierte "Diabetes-Diät" hat ausgedient, mittlerweile gelten auch für DiabetikerInnen ähnliche Ernährungsempfehlungen wie für Gesunde. Doch das viel größere Potenzial liegt in der Prävention. Nachdem die steigende Erkrankungshäufigkeit in den letzten Jahrzehnten kaum auf genetische Veränderungen zurückgeführt werden kann, müssen wohl Lebensstilfaktoren hauptverantwortlich für die Diabetes-Welle sein. Dabei gibt es einen Schlüsselfaktor: Übergewicht. Einige Experten schätzen, dass das Risiko für Typ-2-Diabetes zu 75 % auf Übergewicht zurückzuführen ist. Schon Menschen mit einem Gewicht im oberen Bereich des Normalgewichtes tragen ein erhöhtes Diabetes-Risiko. Der Gewichtsreduktion und –erhaltung kommt demnach zentrale Bedeutung in der Diabetesprävention bei. Ernährung und Bewegung sind die beiden bedeutendsten Hebel, an denen hierbei angesetzt werden muss.

"Western Way of Life" erhöht Risiko
In der Health Professionals Follow-Up Study wurde beobachtet, dass weniger einzelne Lebensmittel als vielmehr die gesamte Lebens- und Ernährungsweise das Erkrankungsrisiko beeinflussen. Eine Kost, reich an Gemüse, Obst, Fisch, Geflügel und vor allem Vollkornprodukten weist ein geringeres Risiko für Typ-2-Diabetes auf. Typisch "westliche Kost" dagegen, mit viel rotem Fleisch, Wurstwaren, Pommes, fettreichen Milchprodukten, Weißmehlprodukten, Süßigkeiten und Mehlspeisen war mit einem deutlich erhöhten Risiko verbunden. Im Zusammenhang mit der Fettzufuhr ist interessant, dass weniger die Gesamtfettaufnahme, als vielmehr die Zufuhr an bestimmten Fettsäuren wichtig zu sein scheint. Einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren reduzieren, ein hoher Gehalt an gesättigten und Trans-Fettsäuren erhöht dagegen das Diabetes-Risiko.

Typ-1-Diabetes: Hoffnungsschimmer
Im Hinblick auf Typ-1-Diabetes gab es lange Zeit kaum Fakten zu möglichen präventiven Ansätzen. Doch nun stehen neue Hypothesen im Raum, die zwar noch weit entfernt von klaren Handlungsanweisungen sind, aber immerhin zu Hoffnungsschimmern berechtigen.

So gibt es zum Beispiel Hinweise, dass das zu frühe Einführen von Kuhmilch in der Säuglingsernährung das Risiko für Typ-1-Diabetes erhöhen könnte. Vergleichbare Hinweise gibt es auch im Zusammenhang mit der zu frühen Einführung glutenhaltiger Getreidesorten in der Beikost. Einer geringen Vitamin-D-Zufuhr scheint ebenfalls eine gewisse Bedeutung zuzukommen. Allerdings sind all diese Untersuchungsergebnisse erst der Anfang, der zwar zu weiteren Forschungsaktivitäten ermutigt, aber noch keine eindeutigen Aussagen erlaubt.

Teures Problem
Mit der weltweiten Diabetes-Epidemie steht den öffentlichen Gesundheitssystemen eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte gegenüber. Denn die Begleiterkrankungen kommen nicht nur dem Budget teuer zu stehen, sondern auch den Betroffen. Diese bezahlen aber zusätzlich mit ihrer Lebensqualität und ihren Lebensjahren.



Quelle
forum.ernährung heute
www.forum-ernaehrung.at

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