Montag, 20. Mai 2019

Der Himmel kann warten

Ausgabe 2014.04
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Die Formel für ein langes Leben enthält einige Überraschungen: Zwei US-Wissenschaftler haben erforscht, wie Menschen gesund und glücklich bleiben. gesünder leben zeigt die überraschenden Ergebnisse.


Foto: Can Stock Photo Inc. - racorn

Gleich vorweg: Natürlich halten viel Gemüse, Sport und wenig Stress eher gesund als fettreiche Ernährung und ein Dasein als CouchPotato. Und es wird uns fast tagtäglich gepredigt, wie man todbringenden Krankheiten mit einem bewussten Lebensstil aus dem Weg gehen kann. Das Problem dabei: Kaum jemand schafft es, sich akribisch an die vielen Tipps und medizinischen Empfehlungen für ein gesundes Leben zu halten. Zudem reichen auch diese allein nicht, um dauerhaft quietschfidel zu bleiben. Selbst unser Erbgut bestimmt nur bis zu 30 Prozent darüber, welches Alter wir erreichen können.
Der wahre Schlüssel für ein langes Leben liegt vielmehr in anderen Aspekten begründet, allen voran in der sozialen und mentalen Gesundheit eines Menschen. Zumindest behaupten die beiden Psychologie-Professoren Howard Friedman und Leslie Martin, dass vor allem unsere Einstellung und unser Verhalten letztendlich über unsere Lebenserwartung entscheiden. Die zwei US-Forscher haben versucht, eines der größten Rätsel der Menschheit zu entschlüsseln: Warum werden manche Menschen steinalt, während sich andere schon früh mit allerlei Beschwerden herumschlagen müssen?
Zu diesem Zweck werteten Friedman und Martin akribisch die Lebensläufe von 1.500 Menschen aus, die im Zuge einer Langzeitstudie von Lewis Terman von der Geburt bis zu ihrem Tod beobachtet wurden. Sie analysierten die Erkenntnisse seit 1921 und fassten sie zusammen. Dabei nahmen die Forscher hartnäckige Mythen zu Langlebigkeit unter die Lupe und konnten so auch einige Irrtümer über Möchtegern-Methusalems entlarven.

Mythos 1
Viel Bewegung als Jungbrunnen
Überall liest und hört man, wie wichtig körperliches Training für die Gesundheit ist. „Dieser Rat zur körperlichen Ertüchtigung basiert auf der Beobachtung, dass aktive Menschen in der Regel gesünder sind“, meinen die Forscher. Anders als erwartet schnitten jedoch nicht die Sportler in der Studie besonders gut ab. Sondern jene Probanden, die aufgrund eines aktiven Freundeskreises und Alltagsablaufs „umtriebig“ waren. Sehr oft von Kindesbeinen an – aber nicht immer. „Jedes Individuum hat sein eigenes Aktivitätsmuster“, lautet die Devise. „Daher sollte das Ausmaß auf die jeweilige Person zugeschnitten werden.“ Friedman und Martin stellten bei den Studienteilnehmern fest, dass körperliche Aktivität im mittleren Alter für die Gesundheit am wichtigsten war. Sogar jene, die ihre Jugend eher als Stubenhocker verbrachten, konnten das Ruder noch herumreißen.
Die Methusalem-Formel: Egal, was man tut, entscheidend ist, dass man es wirklich gern tut, betonen die Autoren: „Finden Sie Aktivitäten, die Ihren Neigungen und Ihrem Lebensstil entsprechen. Das erhöht die Chance, dass man auf längere Sicht dabei bleibt.“ Das kann ein langer Spaziergang mit dem Hund sein, das Arbeiten im Garten, eine ehrenamtliche Aufgabe im Sportverein oder der regelmäßige Kegelabend mit Freunden. Wer wirklich will, kann auch beim täglichen Lauftraining bleiben. Allerdings: Behält man das 40 Jahre lang bei, verläuft man gut zweieinhalb Jahre seines Lebens. Da sollte der Einsatz schon wirklich Spaß machen, oder?

Mythos 2
Gute Laune ist eine Lebensversicherung
Wer fröhlich und optimistisch durchs Leben geht, ist vielleicht glücklicher. Länger leben wird er dadurch aber nicht unbedingt. Man mag es gar nicht glauben: „Die ernsten Emmas dieser Welt lebten länger als die gut gelaunten Pauls,“ lautet eine Schlussfolgerung aus der Studie. Man sollte annehmen, dass jemand mit fröhlichem Naturell zu weniger Krankheiten neigt. Was zum Teil auch stimmt, aber: „Sie sterben zwar seltener an Krebs und Herzerkrankungen, dafür aber mit größerer Wahrscheinlichkeit durch Selbstmord, Autounfälle oder Mord.“ Zusätzlich zu mehr Risikobereitschaft neigen lebenslustige Menschen auch eher zu Lastern wie Alkohol und Nikotin und passen sich ungesunden Bedingungen schneller an. Friedman: „Alles in allem pflegten viele Vertreter der fröhlichen Sorte einen sorgloseren Umgang mit ihrer Gesundheit.“ Ihr Leben verlängern hingegen jene Menschen, die zum richtigen Zeitpunkt und im richtigen Maß optimistisch sind – bei gesundheitlichen Herausforderungen: „Diese Haltung hilft, wenn man eine komplizierte medizinische Diät, eine schmerzhafte Rehabilitation oder eine Chemotherapie vor sich hat.“
Die Methusalem-Formel: Langfristig wirkt sich ein hohes Maß an Optimismus nicht vorteilhaft aus. Vorsorgemaßnahmen werden eher versäumt, Arztempfehlungen seltener ausgeführt. „Zusätzlich kommt es eher vor, dass man über unerwartet lang dauernde Schwierigkeiten überrascht, enttäuscht und frustriert ist.“ Menschen, die sich dann maßvoll Sorgen machen, sind für solche Situationen besser gewappnet.

Mythos 3
Stress ist auf Dauer tödlich
Bluthochdruck, Burn-out, Depressionen – allesamt Krankheiten, die Arbeitsmediziner oft mit hohen Belastungen im Job in Verbindung bringen. „Entspannen Sie sich! Vermeiden Sie Stress“, lauten daher ihre häufigsten Gesundheitsempfehlungen. Doch diese stellen laut den Psychologen Martin und Friedman allerdings keine besonders nützlichen Ratschläge dar. „Es gibt so gut wie keine wissenschaftlichen Beweise, dass die Herausforderungen des täglichen Berufslebens das Immunsystem angreifen oder häufiger zu Herzerkrankungen führen“, behaupten sie. Dennoch geht man generell davon aus, dass Menschen, die hart arbeiten und viele Hindernisse überwinden müssen, um eine hohe Position zu erlangen, eher anfälliger für Krankheiten und einen frühen Tod sind. Das Ergebnis der Studie widerspricht diesem Grundsatz: Beruflich erfolgreiche Studienteilnehmer lebten durchschnittlich um fünf Jahre länger. Die Langlebigsten unter ihnen scheuten sich nicht vor Arbeit, punkteten vor allem mit Disziplin, Selbstbeherrschung und hoher Motivation. „Wachsende Verantwortung bringt meist auch mehr Herausforderungen und größere Arbeitslasten mit sich. Doch paradoxerweise ist dies der langfristigen Gesundheit eher förderlich“, so das Resümee.
Die Methusalem-Formel: „Es hängt immer davon ab, welche Art von Stress man hat und vor allem wie man damit umgeht.“ Die Tyrannei des Chefs kann ebenso zu gesundheitlichen Problemen führen wie ein schlechtes Verhältnis zu den Arbeitskollegen. Vor allem dann, wenn man von der Zusammenarbeit mit anderen abhängig ist. Aber auch die Persönlichkeit spielt eine Rolle: Wer anderen gegenüber nicht allzu kritisch eingestellt ist, Streit eher aus dem Weg geht und nicht immer seinen Kopf durchsetzen will, kommt mit den Anforderungen im Job besser zurecht – und hat mehr von seiner Pension.

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