Mittwoch, 20. Februar 2019

Der genetische Fingerabdruck

Ausgabe 2017.03
Seite 1 von 2

Mit individualisierter Medizin, Biologika und Implantaten können erfolgreich alters- und diabetesbedingte Netzhauterkrankungen, die sich in den vergangenen Jahren zu Volkskrankheiten entwickelt haben, bekämpft werden. Am Ziel ist man aber noch nicht angelangt.


Foto: © Can Stock Photo - magann

Bis zu 2,5 Millionen Menschen über 50 Jahren sind in Europa von der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) betroffen, allein in Österreich zählt man 4.000 bis 5.000 Neuerkrankungen im Jahr. „Die AMD ist in der westlichen Welt eine der häufigsten Gründe für einen schweren und irreversiblen Sehverlust“, betont Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie. Aber auch die diabetische Netzhauterkrankung, die sogenannte diabetische Retinopathie, ist geläufiger, als man glauben mag: Bei bis zu 25 Prozent der Typ-1- als auch Typ-2-Diabetiker ist die Netzhaut stark beschädigt. Ähnlich wie die AMD führt die diabetische Retinopathie zur fast vollkommenen Erblindung.

Wissen

Was ist die AMD?

Die altersbedingte Makula-Degeneration (AMD) tritt vor allem ab dem 50. Lebensjahr auf und ist in der westlichen Welt eine der häufigsten Ursachen für einen schweren und irreversiblen Sehverlust. Bei der AMD ist direkt das Sehzentrum („Makula“) betroffen. Man unterscheidet zwischen der trockenen und feuchten Form. An der trockenen AMD leiden 85 Prozent der Betroffenen. Hier kommt es zu Ablagerungen von Stoffwechsel-Produkten im Augenhintergrund. Die Folge: Eine stete, langsam fortschreitende Schädigung der Sinneszellen, des Sehpigments sowie der darunter liegenden Kapillarschicht. Die seltenere feuchte Form führt unbehandelt innerhalb weniger Wochen zu einem Sehverlust. Verantwortlich hierfür sind Blutgefäße, die unkontrolliert hinter der Netzhaut wuchern. Während die feuchte AMD gut therapierbar ist, ist die trockene Form nach wie vor nicht behandelbar.

 

Genetischer Fingerabdruck. Wie bei anderen weit- verbreiteten Erkrankungen, beispielsweise Krebs, spielt die erbliche Veranlagung bei AMD (und ebenso, wenn auch zu einem geringeren Grad, bei der diabetischen Retinopathie) eine wesentliche Rolle, erklärt die Expertin: „Dank der modernen Forschung können wir immer besser unterscheiden, welche Entwicklungen im Alter normale physiologische Veränderungen im Auge und welche Prozesse krankhaft sind – und was davon behandelbar ist. Bei der Makuladegeneration liegen bei 20 bis 40 Prozent der Erkrankten bestimmte, mittlerweile bereits nachweisbare genetische Risiko-Marker vor.“ Sind die Gene verändert, fällt die schützende Wirkung des Abwehrsystems weg: Der Körper reagiert mit Entzündungen, die wiederum die Netzhaut zerstören. „Eine Analyse der Gene, welche bei der Makuladegeneration gehäuft auftreten, kann einen soliden Hinweis auf das spezifische Erkrankungsrisiko eines Menschen geben“, sagt Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth.

Biologika. Die biologischen Auslöser von Netzhauterkrankungen seien schon deshalb von Bedeutung, so die Expertin, weil dann ursächlich behandelt werden kann – und zwar mit sogenannten „Biologika“. Es handelt sich hierbei um pharmakologisch hergestellte körpereigene Substanzen, die fehlgelaufene biologische Prozesse wieder korrigieren können. Schmidt-Erfurth: „Humanisierte Antikörper können gezielt in das Auge verabreicht werden und dort die dem Krankheitsausbruch zugrunde liegende Regulierung von Wachstums- und Entzündungsfaktoren positiv beeinflussen.“ Nachsatz: „Damit weitete sich auch das Spektrum der erfolgreich behandelbaren Erkrankungen erheblich aus.“ Die Injektion von Biologika ist mittlerweile die am häufigsten angewandte Therapie in der Augenmedizin; bei der feuchten Form der AMD konnte die Erblindungsrate damit gar von 80 auf 20 Prozent gesenkt werden. „Biologika haben hier den Laser komplett abgelöst“, erklärt Schmidt-Erfurth. „Mit dem Laser wurde Netzhaut zerstört, so bleibt sie aber erhalten und kann sich sogar erholen.“ Um eine längere Wirkung der Medikamente zu erzielen (und somit die Anzahl der notwendigen Behandlungen zu reduzieren), gibt es zumindest bei der diabetischen Makulaerkrankung seit 2009 Kortison-Implantate mit einem Durchmesser von zwei Millimetern, die mit einer Injektionsnadel direkt in das Auge verabreicht werden und eine Wirkungsdauer von sechs Monaten haben.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Der genetische Fingerabdruck
Seite 2 Prävention

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-02 130x173

Aktuelles Heft 02/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 8. März

 

Unsere Ausgabe 12/2018-01/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Sind Sie zu Ihrem Arzt immer ehrlich?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information