Sonntag, 25. Februar 2018

Der Feind im Mund

Ausgabe 2018.02

Aphthen sind zwar harmlos, können aber mitunter große Schmerzen verursachen. gesünder leben zeigt, wie dieser Schleimhautdefekt behandelt werden kann – und welche Ursachen dahinterstecken.


Foto: iStock-LuckyBusiness

Linda, 40 und zweifache Mutter, ist keine Kostverächterin. Seit gut drei Tagen aber macht ihr das Essen keinen Spaß mehr. Es stehen nur mehr lauwarme, weiche Speisen am Menüplan. Auf ihren heißgeliebten Kaffee und ihren Orangensaft am Morgen muss sie verzichten. Zwei kleine Stellen an der Zunge (seitlich und an der Spitze) brennen furchtbar, ganz besonders wenn diese mit Essen oder heißer beziehungsweise saurer Flüssigkeit in Berührung kommen. Auch am Zahnfleischrand über dem oberen rechten Eckzahn spannt und brennt es, „ein Putzen mit der Zahnbürste ist hier fast nicht möglich“, sagt Linda. Das Sprechen sei „ein bisserl unangenehm“. Neu sind für Linda diese Symptome nicht, muss sie sich doch seit ihren Jugendjahren gut zwei bis dreimal jährlich damit herumschlagen. Von Verzweiflung bei der Niederösterreicherin aber keine Spur: „Ich weiß, dass die Beschwerden in einer Woche verschwunden sein werden.“ Was ist hier also los?

Schleimhautdefekte. Linda gehört zu den rund zehn Prozent der Österreicher, die mindestens einmal im Leben bereits an Aphthen im Mundraum – auch „orale Aphthen“ genannt – litten. „Unter Aphthen versteht man schmerzhafte, rötliche Defekte der Schleimhaut, die üblicherweise von einem gelblichen bis weißen, fest sitzenden Belag, einem sogenannten ‚Fibrin’, bedeckt sind“, erklärt Dr. Daniel Blagojevic, Wiener Facharzt für Haut und Geschlechtskrankheiten. „Sie können einzelstehend oder gruppiert im Grunde im gesamten Bereich der Mundschleimhaut vorkommen.“ Weiter unterscheiden Experten Aphthen anhand der klinischen Ausprägung: Mit circa 90 Prozent der mit Abstand häufigste Typ sind die „Minor-Aphthen“, die nur einige Millimeter groß sind und meist (in Gruppen) an Zunge, Lippe, Wange oder Mundboden auftreten. „In den allermeisten Fällen bleiben hier keine Narben zurück“, betont der Experte. Die „Major-Aphthen“ machen circa zehn Prozent aller Fälle aus: Hier handelt es sich um tiefere und bis zu drei Zentimeter große Defekte, oftmals bilden sich bei dieser Aphthen-Form nach der Abheilung Narben. Sie siedeln sich verstärkt im vorderen Mundbereich, am Gaumen, im Rachen, im Kieferwinkel und am Kehlkopf an. „Äußerst selten ist die dritte Gruppe, nämlich die herpetiformen Aphthen“, so Blagojevic. „Diese erinnern in ihrem Aussehen an Herpesbläschen. Sie sind winzig, treten in vielen kleinen Gruppen im Mundbereich auf und sind sehr schmerzhaft.“ Durch den Defekt liegen die Nervenenden der unteren Mundschleimhautschicht frei, weshalb die Aphthen als schmerzhaft empfunden werden. Meist beginnt es mit einem leichten Kribbeln an der betroffenen Stelle, das sich schnell in Brennen, Jucken oder ein unangenehmes Gefühl des „Spannens“ umwandelt. „Die Palette der Schmerzintensität ist groß und reicht von ‚unangenehm’ bis ‚unerträglich’“, sagt Blagojevic. Und: „Beispielsweise sind Aphthen an der Zunge um ein Vielfaches unangenehmer als an der Wangeninnenseite.“

Symptome lindern. Aphthen sind nicht ansteckend – und heilen in der Regel innerhalb von zehn Tagen von selbst wieder ab. Die Behandlung erfolgt symptomatisch: „Bei Schmerzen kann man Aphthen mit oberflächenbetäubenden, also lokalanästhetischen, oder gerbstoffhaltigen Lösungen betupfen“, erklärt der Hautarzt. „Bei schweren Verlaufsfällen können kortisonhaltige Haftsalben oder Mundspülungen mit Antibiotika angewendet werden.“ Wer eher zu Hausmitteln greifen möchte, dem rät Blagojevic zu Teebaumöl- oder Salbeilösungen. Heiße oder saure Lebensmittel sollten während der Erkrankung gemieden werden. „Wichtig ist, dass man bei wiederkehrenden Verlaufsformen mögliche bestehende Grunderkrankungen ausschließt“, betont der Experte. Denn Aphthen können Teilsymptom einer schweren systematischen Erkrankung sein, wie Zöliakie, zyklische Neutropenie (Aphthen im Zusammenhang mit Fieberschüben und Mangel an weißen Blutkörperchen) oder Morbus Behçet (hier können Entzündungen der Haut, Augen, des Nervensystems, der Gefäße, des Verdauungstrakts, der Gelenke und des Harn- und Genitaltrakts auftreten).

Vielfältige Ursachen. Die Ursachen von Aphthen sind noch nicht vollends geklärt. Blagojevic: „Bei manchen Aphthen stellen akute Infekte, Nebenwirkungen von Medikamenten oder Magen-/Darmstörungen die Ursachen dar.“ Auch Bissverletzungen, Verletzungen nach einer zahnärztlichen Behandlung, Zahnspangen bzw. -prothesen, Einwirkungen von Hitze, chemisch-toxische Irritationen sowie Lebensmittelallergien können Aphthen auslösen, genauso wie ein Mangel an Eisen, Vitamin B sowie an Folsäure. Menschen, die großem psychischem Stress ausgesetzt sind sowie über ein allgemein schwaches Immunsystem verfügen, neigen zu chronisch wiederkehrenden Aphthen. „Herpesinfektionen sind aber keine Ursache für Aphthen!“, räumt Blagojevic mit einem Vorurteil auf.

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