Sonntag, 19. Mai 2019

Der Feind auf meiner Haut

Ausgabe 2014.03

Sie sind hartnäckig, unangenehm und breiten sich oft großflächig aus: Wenn Pilze das Kommando übernehmen, ist rasches Handeln gefragt.


Foto: yuriyzhuravov - canstockphoto

Etwa ein Drittel der Bevölkerung hat schon mindestens einmal unangenehme Erfahrungen mit einer Pilzinfektion (Mykose) gemacht. „Bevorzugte Angriffspunkte der lästigen Schmarotzer sind Füße, Zehennägel und die Kopfhaut – extrem unangenehm sind Pilzinfektionen im Intimbereich“, weiß Prof. Daisy Kopera von der Universitätsklinik für Dermatologie in Graz. „Ein geschwächtes Immunsystem, Fehlernährung, Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen können die Empfänglichkeit für Pilze erhöhen. Auch Haustiere kommen als Überträger in Frage.“

Jucken am Fuß. Er lauert im Hallenbad, in der Sauna oder im Umkleideraum: Pilze lieben Feuchträume, denn hier gedeihen sie besonders gut und finden immer wieder neue Opfer. Der Fußpilz zählt laut Dermatologin Kopera zu den besonders lästigen Infektionskrankheiten der Haut: „In Europa sind gut 20 Prozent der Erwachsenen von einem unbehandelten Fuß- und/oder Nagelpilz betroffen.“ Die häufigste Form der Hautinfektion mit Pilzen tritt im dritten und vierten Zehenzwischenraum mit Hautaufweichungen, Jucken und Einrissen in der Haut auf. Im Span des Fußes können Pilze zu Bläschenbildung, Rötung der Haut und Schuppenbildung führen. Bei einer anderen Form, die vor allem die Ferse oder die gesamte Fußsohle betrifft (sog. Mokassin-Typ-Mykose), kommt es zu vermehrter Hornhautbildung und trockener Schuppung der Haut. Welche Form auch immer man gerade „erwischt“ hat: „Ohne Therapie kann sich der Fußpilz ausbreiten und in weiterer Folge auch die Nägel betreffen“, warnt die Fachärztin.

Sportler sind bevorzugte „Opfer“. Eine Personengruppe, die häufig von Fußpilz heimgesucht wird, sind Sportler – in erster Linie Fußballspieler, Schwimmer und Jogger, so Kopera: „Durch kleine Verletzungen, durch Reibung der Zehen, das feuchte Mikroklima in den Schuhen sowie das gemeinsame Benutzen von Duschen kommt es bei sportlichen Menschen überdurchschnittlich häufig zum Auftreten von Fußpilz.“ Übertragen wird Fußpilz sowohl über Hautschüppchen auf Fußböden oder Badematten als auch über Strümpfe und Schuhe. Feuchtigkeit und Wärme schaffen besonders gute Voraussetzungen für die Schmarotzer, um sich zu vermehren und in die aufgeweichte Haut einzutreten. Besonders gefährdet sind auch Personen, die in den Sommermonaten Schuhe wie Socken aus nichtatmungsaktiven Materialen tragen (müssen). Weitere Faktoren sind laut Expertin „eine Minderdurchblutung der Füße, was vor allem ältere Menschen und Raucher betrifft, Fußfehlstellungen, ständige Druckeinwirkung auf die Füße – wie z. B. durch enge Schuhe oder Leistungssport –, Diabetes sowie eine gewisse erbliche Veranlagung für Fuß- oder Nagelpilz“.

Fußpflege ist wichtig!

So haben Nagel- und Fußpilz keine Chance

Eine gesunde, trockene Haut ohne Verletzungen und ein intakter Nagel sind vor Pilzen gut geschützt. Eine feuchte, aufgeweichte Haut, Verletzungen an Fuß und Nägeln, kalte und schlecht durchblutete Füße begünstigen die Infektion. Folgende Punkte helfen, um die Chancen der Schmarotzer zu minimieren:

  • Bequeme Schuhe: Offene Stellen, Schwielen, Hühneraugen und Druck auf die Zehennägel begünstigen Pilze. Drinnen am besten ganzjährig offene Schuhe tragen, um Schwitzen zu verhindern.
  • Täglich Socken bzw. Strümpfe wechseln: Hygiene spielt bei der Prävention von Fußpilz eine große Rolle. Tägliches Wechseln der Socken ist ein Muss.
  • Milde Reinigung: Dazu möglichst seifenfreie Reinigungsmittel verwenden und nach dem Waschen die Füße und Zehenzwischenräume gut abtrocknen, mit antibakterieller Fußcreme eincremen und massieren.
  • Viel barfuß gehen: Allerdings nicht in Feuchträumen, Garderoben und Hotelzimmern, wo man besser in Badeschuhe bzw. Hausschuhe schlüpft.
  • Zehennägel nicht zu kurz schneiden: Ein schmaler weißer Rand sollte bestehen bleiben. Ecken nicht rund, sondern gerade schneiden, um das Einwachsen der Nägel zu verhindern. Manikürzeug nach Gebrauch desinfizieren.
  • Fachpflege nützen: Wer sich nicht gut bücken kann oder auch Diabetiker sollten sich an speziell ausgebildete Fußpfleger wenden. 

„Outen“ Sie sich! Warum gerade Infektionen im Fußbereich oft sehr lange ignoriert und nicht richtig behandelt werden? Erkrankte Zehen(nägel) lassen sich leicht in Socken und Schuhen verstecken – oder unter Nagellack. Kopera: „Je länger man allerdings wartet, desto mehr Schäden kann der Pilz anrichten, was gerade bei älteren Menschen nicht unproblematisch ist.“ Nach Diagnose durch den Hautarzt wird Fuß- und Nagelpilz lokal mit pilzwirksamen Medikamenten (Antimykotika) in Form von Cremes, Lösungen oder Nagellackzubereitungen behandelt. Wichtig: „Die Behandlung muss zwei bis drei Wochen nach Abklingen der Symptome weitergeführt werden, um Rückfälle und chronische Pilzerkrankungen zu vermeiden.“ Trotz Abklingen des Juckreizes können sich in den Zehenzwischenräumen nämlich noch unsichtbare Pilzsporen verstecken, die durch die Wirkung des Medikamentes zwar nicht auskeimen, aber noch lebensfähig sind. „In besonders hartnäckigen Fällen ist die Behandlung mit antimykotischen Medikamenten über mehrere Monate erforderlich, um ein Wiederaufkeimen der Pilze zu verhindern“, erklärt die Expertin für Hautkrankheiten.

Hautpilz: kreisrunde Rötungen. Oberflächliche Pilzinfektionen der Haut treten ähnlich wie Fußpilz häufig und weltweit auf. Für die Expertin eine Blickdiagnose: „Ganz typisch für den Pilzbefall der Haut sind ekzemartige Veränderungen mit Rötung, Schuppen und auch Juckreiz, die sich je nach Körperregion unterscheiden können.“ Da Kinder intensiven Hautkontakt mit Tieren lieben, sind sie relativ häufig von Mykosen betroffen, die durch Haustiere wie Katzen, Meerschweinchen oder Kaninchen übertragen werden. „Im klinischen Alltag sieht man häufig Infektionen, die z. B. im Herbst nach einem Urlaub auf dem Bauernhof auftreten“. Da Pilze sehr hartnäckig sein können, ist es immer angeraten, einen Hautarzt aufzusuchen. Der Experte kann den Pilz identifizieren und auch das passende Medikament verschreiben. Vor allem bei Kindern tritt eine besonders ansteckende Form, die Pilzinfektion der behaarten Kopfhaut, auf (Mikrosporie, Tinea capitis). Auch diese Form ist ein Fall für den Hautarzt, so Kopera: „Sie sollte jedenfalls nicht nur lokal, sondern auch mit antimykotischen Spezialzubereitungen behandelt werden – wie einem speziellen Pilzsaft für Kinder. Ganz wichtig ist, dass auch das Umfeld und die Spielkameraden untersucht und gegebenenfalls mitbehandelt werden.“

Vaginalflora im Ungleichgewicht. Ein Problem, das viele Frauen kennen, ist Scheidenpilz. Er macht sich gerne unangenehm bemerkbar, wenn das sensible Gleichgewicht der Scheide und damit die Abwehrfunktion z. B. durch Antibiotika oder Immunsuppressiva gestört werden. „Zwischen Pubertät und Menopause besteht die Besiedelung der Vaginalflora vor allem aus verschiedenen Arten von Milchsäurebakterien. So wird ein saures Milieu geschaffen, das Schutz gegen schädliche Mikroorganismen bietet“, erklärt Kopera. Wird dieses Milieu irritiert, haben Pilze leichtes Spiel. Häufiger Auslöser von Infektionen im Intimbereich ist der Hefepilz Candida albicans: „Die typischen Anzeichen dafür sind Juckreiz, Rötung und weißlicher, topfenartiger Ausfluss.“ Zur genauen Abklärung rät Kopera zu  einer gynäkologischen bzw. mikrobiologischen Untersuchung. Ist der Pilz entlarvt, kommen lokale Antipilz-Präparate zum Einsatz, zusätzlich unterstützen Vaginaltabletten oder -gele mit Döderlein-Bakterien den Aufbau einer gesunden Scheidenflora. „Auch wenn man nicht gerne darüber spricht: Der Partner darf bei der Behandlung keinesfalls vergessen werden, um Reinfektionen zu vermeiden“, betont die Hautärztin. Zusätzlich zur Therapie muss laut Kopera auch vermehrt auf Hygiene geachtet werden, um den Pilz endgültigloszuwerden: „Unterwäsche sollte bei 60° C gewaschen werden. Atmungsaktive Materialien wie Baumwolle sind Kunstfasern vorzuziehen, um Schwitzen zu verhindern. Generell ist von übertriebener Intimpflege abzuraten, am besten eignen sich spezielle, milde Pflegeprodukte auf Milchsäurebasis.“

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