Montag, 10. Dezember 2018

Der faule Darm

Ausgabe 2016.06/07

Verstopfung ist mittlerweile zur Zivilisations­krank­heit geworden – allerdings ist sie gut behandelbar. Wir zeigen, was zu tun ist, wenn nichts mehr geht.


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Keiner spricht gern darüber, aber es betrifft uns alle: Verstopfung (Obstipation) zählt zu den häufigsten Beschwerden in den Indus-trieländern. „15 Prozent der Bevölkerung erleben mindestens einmal im Leben eine Phase der Verstopfung“, so Dr. Marcus Franz, Wiener Facharzt für innere Medizin und Gastroenterologie. „In den letzten Jahrzehnten ist Obstipation zur Zivilisationskrankheit geworden.“ Besonders häufig betroffen sind Frauen und ältere Menschen. „Im Alter wird der Stoffwechsel allgemein langsamer und es treten auch häufiger Nervenstörungen oder andere Erkrankungen auf, welche eine Verstopfung begünstigen. Frauen haben von Natur aus eine größere Neigung zu einem Reizdarm oder anderen Darmproblemen“, erklärt der Experte. „Der weibliche Darm besitzt zahlreiche Hormonrezeptoren, weshalb viele Frauen über zyklusabhängige Darmbeschwerden berichten – vor allem über Verstopfung.“

Was ist Verstopfung? Im Bereich des Dünndarms ist der Nahrungsbrei noch flüssig, ab dem Zeitpunkt, wenn er den Dickdarm erreicht, wird ihm allerdings die Flüssigkeit entzogen. Je länger der Transport aufgrund einer trägen Darmtätigkeit (oder eines besonders langen Darms) dauert, umso trockener wird der Stuhl und umso stärker wird er gepresst. Die Folge: Der Stuhl wird klebrig und hart, er lagert sich an den Dickdarmwänden an und kann so nicht mehr – oder nur unter großer Kraftanstrengung – ausgeschieden werden. „Medizinisch gesehen spricht man von Verstopfung, wenn die Beschwerden, also Pressen beim Stuhlgang, gefühlte unvollständige Entleerung oder auch Bauchschmerzen, länger als drei Monate anhalten. Und wenn man von weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche spricht“, erklärt Franz. Wie oft ist eigentlich „normal“? Hier gebe es seitens der Medizin eine große Bandbreite, beruhigt der Experte: „Stuhlentleerungen zwischen dreimal täglich und dreimal die Woche sind unbedenklich.“

Vielfältige Ursachen. Die Ursachen für Verstopfung sind vielfältig. Sehr häufig ist eine Transportstörung des Darms im Sinne eines „trägen Darms“. Aber auch Absorptionsstörungen des Darms, wodurch der Stuhl besonders hart wird, kann eine Obstipation verursachen. „Oftmals geht eine Verstopfung auch auf den Lebensstil zurück“, gibt Franz zu bedenken. „Mangelnde Bewegung, Flüssigkeitsmangel und eine ballaststoffarme Ernährung begünstigen die Entstehung und sind die Hauptursachen von Verstopfung. Auch Stress, hastiges Essen mit zu wenig kauen sowie häufige Flugreisen – aufgrund der langen Sitzzeiten – wirken sich negativ auf den Darm aus.“ Möglich ist auch, dass die Spannung der Darmmuskulatur nachlässt oder sich diese zu sehr verkrampft. Auch Nebenwirkungen von diversen Medikamenten kommen als Ursache einer Verstopfung infrage. Zwar, wie Experte Franz betont, ist Obstipation in der Regel harmlos, doch sollte man bei länger andauernden Beschwerden diese vom Arzt abklären lassen. Denn eine Verhinderung des Stuhlgangs kann auch Symptom von diversen Darmerkrankungen oder Erkrankungen anderer Organe sein, wie zum Beispiel Schilddrüsenstörungen, multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Darmkarzinom, Darmpolypen, Nabel- oder Leistenbruch oder fortgeschrittene Diabetes. „Eine Obstipation kann sogar ein Frühzeichen von Demenz sein.“ Vorsicht gilt bei Blutbeimengungen im Stuhl oder wenn sich die Phase der Verstopfung mit Phasen von Durchfällen abwechselt. Tritt die Verstopfung sehr akut auf und ist begleitend von starken Schmerzen, Verschlechterung des Allgemeinzustandes, Blähbauch, Erbrechen und Fieber, liegt der Verdacht eines Darmverschlusses nahe. „Dies muss sofort vom Arzt behandelt werden!“, warnt Franz.

Behandlung. Mittels eines ausführlichen Blutbefunds (inklusive Bauchspeicheldrüsenwerte), einer Ultraschalluntersuchung des Bauches und, wenn die Beschwerden bereits länger als drei Monate andauern, einer Magen- und Darmspiegelung kann eine Obstipation beziehungsweise deren Ursache schnell diagnostiziert werden. Die Behandlung richtet sich nach den Testergebnissen, „oftmals kann aber auch schon eine Umstellung des Lebensstils zum Erfolg führen“, erklärt Franz. So ist es wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen: Experten raten zu 2,5 Litern Flüssigkeit täglich, am besten Wasser oder ungesüßte Tees, aber auch Fruchtsäfte regen den Darm an. „Das Um und Auf bei einer trägen Darmtätigkeit ist ausreichend Bewegung, am besten mindestens jeden zweiten Tag für dreißig Minuten!“, empfiehlt Franz. Neben Joggen, Radfahren und Nordic Walking sollte man auch auf Bauchmuskeltraining nicht vergessen, „da der Verdauungsapparat besser arbeitet, wenn er in eine gute Muskulatur eingebettet ist.“ Probiotioka führen dem Darm „gute“ Bakterien zu und verdrängen die „schlechten“, was sich wiederum positiv auf die Verstopfung auswirkt. „Welches Probiotikum wirkt, ist allerdings individuell und muss ausprobiert werden“, so der Experte. Auch Abführtees und Abführmittel können, wenn auch nur in Maßen, zur Behandlung eingesetzt werden. Manche Patienten berichten von Erfolgen mit Warmwassereinläufen. Experten raten zudem zu einer täglichen Dickdarmmassage: Massieren Sie vor dem Aufstehen zehn Minuten lang entlang des Dickdarmverlaufs im Uhrzeigersinn.

Bewährte Hausmittel. Auch gute alte Hausmittel sollten bei Verstopfung nicht unterschätzt werden: Dörrzwetschken zum Beispiel enthalten viele Ballaststoffe und entschlacken den Darm. Auch Birnen, Trauben, Holunderbeerensaft, Äpfel, Leinsamen, Flohsamen, Weizenkleie und auch Chili wirken darmanregend; Apfelessig wiederum hilft, den Darm von schädlichen Bakterien zu befreien. „Allgemein wichtig ist eine ballaststoffreiche Ernährung!“, betont Franz.

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