Freitag, 22. Februar 2019

Dem Zucker ein Schnippchen schlagen

Ausgabe 04/2009
macht sich für ein selbstbestimmtes Leben mit Diabetes stark. Der 53-jährige Journalist hat seine Zuckerkrankheit mit viel Bewegung im Griff.

Foto: Veronika Kub
In Österreich – so schätzt man – leidet rund eine halbe Million Menschen an Diabetes. Bei etwa 380.000 Menschen liegt die Diagnose bereits vor. Rund 120.000 Fälle werden jährlich neu diagnostiziert. Die große Mehrzahl der Patienten sind an Diabetes Typ II, dem sogenannten Altersdiabetes erkrankt. Wobei „Alter“ dabei relativ zu sehen ist. Die Experten beobachten, dass immer jüngere Menschen vom Typ II betroffen sind, und alle Wissenschaftler dieses Bereichs erwarten, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren noch verschärfen wird. Diabetes wird zu einer massenhaft auftretenden Erkrankung werden und Ärzte wie Gesundheitssystem vor große Herausforderungen stellen. Umso wichtiger ist es, dass es Betroffene gibt, die sich wie der Journalist und Diabetiker Peter Hopfinger für ein selbstbestimmtes Leben mit Diabetes stark machen.

Die Diagnose – ein Schock
Die Diagnose selbst traf ihn im Jahr 1995 im Rahmen einer Gesundenuntersuchung wie ein Keulenschlag: „Ich hatte das Gefühl, jetzt ist das Leben vorbei, und eines der schlimmsten Dinge für mich war die Vorstellung, mir eine spitze Nadel mit einer Dosis voll Insulin in den eigenen Körper bohren zu müssen“, sagt der heute intensiv ehrenamtlich für Diabetiker tätige Buchautor Hopfinger zum Thema. Aber eines motivierte ihn sehr rasch, sich doch für eine adäquate Diabetestherapie zu entscheiden: „Diabetes kann zum Erblinden führen, und das wäre für mich als leidenschaftlichen Schreiber und Leser das Schlimmste gewesen.“ Zum Glück – wie er sagt – traf er relativ schnell auf gute Therapeuten, die ihm mit Schulung über die Krankheit, ihren Verlauf und die individuellen Beeinflussungsmöglichkeiten auf die Sprünge halfen.

Vom „Schreibtischtäter“ zum Sportfan
Heute nimmt Peter Hopfinger Diabetes nur 20 Minuten seines Alltags „weg“, er kennt die Spitzfindigkeiten der Selbstkontrolle und nimmt alle diesbezüglichen Termine wahr. Der engagierte Journalist sieht sich nicht mehr als krank, sondern als „bedingt gesund“. Was er dafür tut? „Ich messe vier- bis fünfmal täglich meinen Blutzucker und spritze dementsprechend Insulin. Darüber hinaus messe ich meinen Blutdruck, kontrolliere mein Gewicht, „checke“ meine Füße – und es geht mir gut. Seit 1995 fehlt mir nichts – außer Insulin.“

Warum es ihm noch so gut geht, hat seine Gründe auch in einer umwälzenden Lebensumstellung nach der Diagnose: Hopfinger betreibt intensiv Sport, denn Bewegung ist einer der Grundparameter in der Diabetes-Selbsttherapie; wobei es nicht darum geht, sportliche Kraftakte zu vollbringen, sondern für die meisten Betroffenen genügt ein täglicher Spaziergang von einer halben bis vollen Stunde.

Wer freilich wie Hopfinger Tischtennis spielt, ins Fitnesscenter geht und auch noch Rad fährt und joggt, der kann sich sogar Medikamente gegen Bluthochdruck und überhöhte Cholesterinwerte einsparen.

Gut ernährt ist halb gewonnen
Die zweite wichtige Säule seines gesunden Lebensstils ist die Ernährung. Die Journalistennahrung von belegten Weckerln und  sonstigem ungesundem Fastfood hat Peter Hopfinger sich ebenso wie das Couch-Potato- Dasein abgewöhnt, und selbst der geliebten Pasta hat er zur Zeit abgeschworen, denn „auch ich will fit und schlank in den Frühling gehen.“

Eine „Diabeteskost“ ist übrigens keine Diät im herkömmlichen Sinn, basiert sie doch auf den gleichen Ernährungsrichtlinien, wie sie allen Menschen zur Gesunderhaltung empfohlen werden. Hauptziel der Ernährungstherapie ist zu erkennen, was an den bisherigen Ernährungsgewohnheiten falsch war und die schrittweise Umstellung der Ernährung auf eine ausgewogene, abwechslungsreiche Kost, die den Prinzipien einer gesunden Ernährung entsprechen.

Gemeinsam statt einsam
Neben dem strikten Wahrnehmen von ärztlichen Kontrollterminen, der in der Diabetikerschulung erlernten Selbstkontrolle, regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung empfiehlt Hopfinger auch den Besuch von Selbsthilfegruppen: „Aus dem ganz einfachen Grund, besser gemeinsam statt einsam.“ Denn dort lässt sich durch Vorträge Neues lernen, es werden gesellige Runden oder auch gemeinsames Wandern sowie Schwimmen organisiert. Ganz großes Augenmerk wird auch auf die Kinder gelegt, für die es zahlreiche Angebote gibt.

Einen Rat hat Hopfinger noch für alle Betroffenen: „Diabetes muss man ernst nehmen und als intelligenter Mensch darauf reagieren. Die Krankheit ist heute gut behandelbar, aber sie verlangt auch ein bisschen Hausverstand, um damit umgehen zu können.“ Und noch eins weiß der gelernte Diabetiker: „Man kann durchaus darüber witzeln: Ich sage immer, wenn ich Autofahren will, muss ich in die Fahrschule gehen und mich an Verkehrsregeln halten, wenn ich Diabetes habe, muss ich mich schulen lassen und mich an Lifestyleregeln halten.“

Webtipps & Selbsthilfegruppen:
www.diabetes-austria.com
www.aktive-diabetiker.at
www.diabetes.or.at


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