Freitag, 15. Februar 2019

Dem Keim auf der Spur

Ausgabe 2015.06
Seite 1 von 2

Hinter scheinbar harmlosen Durchfallerkrankungen kann sich unter bestimmten Bedingungen der Krankenhauskeim Clostridium difficile verstecken.gesünder leben zeigt, wie sie ihn entlarven und adäquat bekämpfen.


Foto: Can Stock Photo Inc. -gajdamak

Zu den mittlerweile verbreiteten Infektionen mit Noroviren oder Salmonellen hat sich in den vergangenen Jahren ein weiterer Erreger gesellt, der für schwere Durchfallerkrankungen bis hin zu lebensbedrohlichen Entzündungen des Darms verantwortlich ist: Clostridium difficile – ein grundsätzlich harmloses Bakterium, das die Darmflora vieler gesunder Menschen besiedelt (GESÜNDER LEBEN hat in der März- und Aprilausgabe berichtet). – So weit, so gefährlich. Der Keim entpuppt sich nämlich als heimtückischer Übeltäter, wenn die Darmflora geschwächt wird, dadurch aus der Balance gerät und eine Fehlbesiedelung begünstigt. „Die Giftstoffe, die das Bakterium Clostridium difficile produzieren kann, regen entweder die Darmschleimhaut an, verstärkt Flüssigkeit zu bilden, wodurch es zu wässrigen Durchfällen kommt, oder zerstören Darmzellen – im schlimmsten Fall passiert beides“, erklärt Prim. Univ.-Doz. Dr. Herbert Wurzer, Leiter des Departments für  Gastroenterologie mit Infektiologie am LKH Graz Süd-West. Das Gleichgewicht der Darmflora kann durch verschiedene Faktoren gestört werden. Die bekanntesten sind Antibiotika-Behandlungen und stationäre Krankenhausaufenthalte, aber auch Immunschwäche, höheres Alter (über 65 Jahre) oder operative Eingriffe. Was viele noch nicht wissen: Auch Magensäurehemmer, im Fachjargon als Protonenpumpenhemmer (PPI) bekannt, führen laut Wurzer zu einem adäquaten Nährboden für die hochaggressiven Bakterien. Sie werden beispielsweise bei Reflux (Sodbrennen) oder als Begleitmedikation bei Verordnung von Rheumamedikamenten ärztlich empfohlen. Wurzer: „Einer retrospektiven Untersuchung aus Aachen zufolge, welche über 3.200 CDI-Patienten auf Intensivstationen analysiert hat, erhöhen Protonenpumpenhemmer das Risiko, an einer Clostridium-difficile-Infektion zu erkranken, um das 3,3-fache – Antibiotika hingegen ,nur‘ um das 2-fache.“ 1)

CDI – So beugen Sie vor
  • Achten Sie auf adäquate Handhygiene, um die Sporenanzahl zu reduzieren. Herkömmliche Desinfektionsmittel reichen hier nicht aus. Zusätzlich muss vor Desinfektion mit Wasser und Seife gewaschen werden.
  • Präparate, die probiotische Mikroben oder Hefe enthalten, helfen beim Aufbau und Erhalt der Darmflora. Lassen Sie sich diesbezüglich ärztlich beraten.
  • Hinterfragen Sie Therapien mit Antibiotika. Ein viraler Infekt beispielsweise erfordert keinen Antibiotika-Einsatz. Ganz im Gegenteil: Sie sind hier zwecklos, weil keine Bakterien im Spiel sind.
  • Falls ein Angehöriger an CDI erkrankt: Wechseln Sie regelmäßig Bettwäsche und Handtücher und waschen Sie diese bei mindestens 60° C – immer separat von der Wäsche der übrigen Familienmitglieder. Reinigen Sie Flächen und Gegenstände mit herkömmlichen Allzweckmitteln – aber öfter als sonst.

Symptome rechtzeitig erkennen. Clostridium difficile gehört zu den sogenannten nosokomialen, d. h. im Krankenhaus erworbenen, Erregern. Er überträgt sich fäkal-oral über eine Schmierinfektion (direkt von Mensch zu Mensch) oder über kontaminierte Gegenstände (z. B. Toiletten, Türgriffe etc.), weil die Sporen noch lange überleben und haften bleiben. Wie entlarvt man aber nun den hochansteckenden Keim? Wodurch unterscheidet sich eine Clostridium-difficile-Infektion von anderen Magen-Darm-Beschwerden? „Zu den typischen Symptomen zählen wässriger Durchfall, der plötzlich einsetzt, übel riecht und bei sehr schweren Verläufen auch von Blutbeimengung, selten von Erbrechen begleitet wird. Auch Bauchkrämpfe und Fieber können sich unter Umständen bemerkbar machen“, erklärt Wurzer. Außerdem, so der Gastroenterologe, der sich dabei auf Daten des Robert-Koch-Instituts bezieht, können sogar bis zu acht Wochen nach dem stationären Spitalsaufenthalt vergehen, bis die Erkrankung ausbricht: „Diese lange Zeit differenziert die Krankheit von allen anderen Infektionen wie z. B. Lungenentzündung, die man im Krankenhaus erwerben kann.“ Und weiter: „Erste Verdachtsmomente können erhärtet werden, wenn die beschriebenen Merkmale mit einer zeitnah vorangegangenen Antibiotika- oder Protonenpumpenhemmer-Therapie einhergehen.“ Starker Durchfall, der auch lange nach dem Konsum von Antibiotika oder PPI nicht endet, ist also ein Alarmzeichen. Betroffene sollten umgehend einen Arzt konsultieren. Mithilfe klinischer Testverfahren ist es möglich, den Stuhl genau zu analysieren. Die sicherste Methode ist der Nachweis des Erbguts vom Bakterium mittels sog. PCR (polymerase chain reaction). Dies ist jedoch noch nicht überall verfügbar. Der einfachste und schnellste Test ist der Toxinnachweis.2) Die toxischen Substanzen, die Clostridium difficile in aktiviertem Zustand bildet, können im Zuge dessen rasch definiert und Rückschlüsse auf die Erkrankung gezogen werden. Schnelltests, die daheim durchgeführt werden können, gibt es bis dato noch nicht. Fünf Prozent der CDI-Patienten entwickeln – wie Univ.-Prof. Dr. Franz Allerberger bereits in der März-Ausgabe von GESÜNDER LEBEN betonte – dramatische Symptome wie die pseudomembranöse Kolitis, eine massive Entzündung des Dickdarms, oder das toxische Megakolon, eine krankhafte Ausweitung des Dickdarms. Je früher CDI erkannt wird, desto eher können adäquate Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Dem Keim auf der Spur
Seite 2 CDI ist therapierbar

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