Sonntag, 26. Mai 2019

Dem Husten was husten

Ausgabe 12/2009-01/2010
Er raubt uns den Schlaf und tobt in den Atemwegen: Warum wir husten, wie wir ihn einbremsen und wann es ernst wird. Eine Anleitung zum Durchatmen.

Foto: Pixhunter.com - fotolia.com
Es ist, als ob ein Orkan im Körper tobt. Mit 400 Kilometer pro Stunde oder mehr prescht die Luft nach draußen. Oft im Sekundenabstand, manchmal ganze Nächte lang. Die Rede ist von Husten, also auch von Schwerstarbeit der Bronchien. „Husten ist ein extrem druckintensives Manöver“, sagt Prim. Dr. Gert Wurzinger, Leiter der Pulmologischen Tagesklinik am LKH Graz West sowie Leiter des Pulmologischen Zentrums am LKH Hörgas/Enzenbach.

Vom Körper als Abwehrsystem eingerichtet, das die Atemwege reinigt, raubt er derzeit vielen den Schlaf: jenen, die selber husten, und jenen, die dadurch geweckt werden. Was passiert genau? Man stelle sich vor, der Kehlkopfdeckel ist verschlossen, beim Ausatmen komprimieren die Muskeln im Brustkorb die Lungen. Es wird so lange Druck in den unteren Atemwegen aufgebaut, bis sich der Kehlkopfdeckel öffnet. Explosionsartig. Dabei reißt der Luftstrom Schleim, Staub, Keime und andere Giftstoffe mit. Aber erstmal keine Panik: Wer hustet, ist noch nicht krank.

Die Hustentypologie
Husten ist in der Regel ein Symptom und keine eigenständige Erkrankung. Entscheidend ist immer, an welchem Typ Husten sie leiden und wie Sie gefährlichen von harmlosem unterscheiden – dazu die Hustentypologie:

Trockener Husten: Ist die Bronchialschleimhaut geschädigt, reichen schon kleinste Staubpartikel, Passivrauch, kalte oder trockene Luft aus – und es kommt zum Hustenreiz. „Trockener, unproduktiver Husten, also solcher ohne Schleim, ist häufig auf die Anfangsphase bakteriell oder viral bedingter Entzündungen in Luftröhre oder Bronchien zurückzuführen“, sagt der Lungenfacharzt. Er ist häufiger Begleiter von grippalen Infekten. Wurzingers Rat: „Trinken Sie viel, das fördert die Schleimproduktion und erleichtert das Abhusten von Schadstoffen.“ Das gilt auch fürs Inhalieren. „Am besten dafür ist reiner Wasserdampf. Auch Salbeitee hat sich bewährt. Auf keinen Fall Kamille inhalieren, sie reizt die Bronchien“, warnt der Lungenfacharzt.

Lockerer, schleimiger Husten: Auch produktiver Husten genannt. „Diese Hustenform geht meist mit einer Erkältung einher, kann aber auch von anderen Lungenerkrankungen wie etwa einer Lungenentzündung herrühren“, sagt Wurzinger, der zur Selbstbeobachtung des Schleims rät. Denn: „Ist dieser gelblich, grünlich oder bräunlich und von cremiger Konsistenz, müsse er mit Antibiotika behandelt werden.“ Bei Blut oder Atemnot sollten Sie auf jeden Fall dringend einen Arzt aufsuchen.

Chronische Bronchitis: Dauert der Reizhusten länger als drei Wochen, rät der Pulmologe dazu, die Ursachen ärztlich abklären zu lassen. „Dann könnte dahinter nämlich Astmabronchiale, Magensaft-Reflux, chronischer Raucherhusten oder ein unentdeckter Tumor stecken.“ Laut WHO spricht man dann von einer chronischen Bronchitis, wenn der Husten länger als drei Monate dauert und in zwei darauf folgenden Jahren auftritt.

Hilfe bei „harmlosem“ Husten
Weil Husten also eine Typ-Frage ist, gehören auch die spezifischen Symptome gelindert. Wem der Husten den Schlaf raubt, der kann mit hustenstillenden Präparaten entgegenwirken. Aber rät Spezialist Wurzinger: „Bitte niemals schleimproduzierende mit hustenreizstillenden Präparaten kombinieren – das ist total kontraproduktiv.“ Und bitte bedenken Sie: Wer seinen Bronchien nun Zigarettenrauch, Überanstrengungen oder kalt-warmem Luftwechsel aussetzt, könnte das Bellen in die Verlängerung schicken. Die gute Nachricht: Mit dem Abklingen des Infekts endet meist auch der Husten.

Aber es muss nicht immer Hustensaft sein. Auch Omas Hausmittel leisten hier großartige Arbeit – ganz ohne Nebenwirkungen. Sie bremsen den Orkan aus und lassen Sie nachts wieder gut schlafen.

Omas Hustenstiller
Hausmittel zum Durchatmen: Welche natürliche Munition trockenen und feuchten Husten lindert.

Bei trockenem Husten:

SCHARF
Zwiebelsirup: Zwei Zwiebeln hacken, mit 150 Gramm Zucker verrühren, die Masse einige Stunden ziehen lassen, durch ein Tuch streichen und den Saft abfüllen. Jede Stunde einen Teelöffel einnehmen.

SÜSS
Ein Spitzwegerichsud beruhigt die Bronchien. Rezept: Je eine Handvoll getrockneten Spitzwegerich, Thymian und Pfefferminze in einem Liter Wasser kochen und abseihen. Den Sud abkühlen, je nach Geschmack mit Honig süßen und als Hustentee trinken.

SAUER
Ein Zitronenwickel gibt dem Husten Saures. Ein Tuch in reinen Zitronensaft (Bio- Zitronen) tunken, mit einem Schal umwickeln und zwei Stunden oben lassen. Nicht für Kinder geeignet.

Bei feuchtem Husten:

SANFT

Ein Anisaufguss wirkt krampflösend: Dazu 15 Gramm Aniskörner in einem Liter siedenden Wasser ziehen lassen. Über den Tag verteilt trinken.

SCHWARZ
Lakritze unterstützt die Schleimproduktion: einfach etwas echte Lakritze in heißem Kräutertee auflösen und schluckweise trinken.

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