Mittwoch, 22. Mai 2019

Das vertrage ich nicht

Ausgabe 03/2013
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Pollen, Insektenstiche, Erdnüsse, Milch – im Prinzip können wir gegen alles eine Allergie oder Unverträglichkeit entwickeln. Wir zeigen, was Sie dagegen tun können.


Foto: Can Stock Photo Inc. - Anna Omelchenko

Jetzt beginnt wieder die Pollensaison. Und Allergien sowie Nahrungsmittelunverträglichkeiten (NUV) nahmen – das zeigen die neuesten Zahlen –  in den vergangenen Jahren auch in Österreich massiv zu. Grund genug, dass sich GESÜNDER LEBEN dieses Themas annimmt. Zumal Betroffene mitunter massiv unter der Einschränkung ihrer Lebensqualität leiden.

Schwierige Spurensuche. „Bei einer Allergie handelt es sich um eine überschießende Reaktion des Immunsystems. Wir können sie mittels Prick-Test und durch Messung der im Blut befindlichen Antikörper, der Immunglobuline der Klasse E (kurz IgE), nachweisen“, erklärt Dr. Beatrix Tichatschek vom Allergiezentrum Wien West. Im Gegensatz dazu ist eine NUV nicht durch einen derartigen immunologischen Test nachweisbar. Allgemein und vereinfacht gesprochen, fehlt Menschen, die unter einer NUV leiden, ein bestimmtes Enzym, das der Körper für den Abbau einer Substanz benötigt, die er über die Nahrung aufnimmt. Mit anderen Worten: Das „Zuviel“ ist das Problem. Für die Diagnose einer NUV müssen also andere Verfahren angewendet werden. Eine Möglichkeit bietet beispielsweise der H2-Test. Dieser Atemgastest, der mit einem klassischen Allergietest nichts zu tun hat, wird häufig bei Beschwerden des Magen-Darm-Trakts eingesetzt, schließlich können dadurch eine Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption oder Sorbitunverträglichkeit erkannt werden (mehr zu den häufigsten NUV siehe Kasten). Bei einer Histaminintoleranz wird die Sache schon komplizierter – und auch widersprüchlicher, weiß Tichatschek: „Wir führen eine genaue Anamnese durch und versuchen, Zusammenhänge mit histaminreichen Nahrungsmitteln aufzudecken. Das Blut im Labor auf Histamin und Diaminooxidase zu analysieren stellt keinen sicheren Beweis dar, sondern nur eine Momentaufnahme.“ Noch schwieriger wird es, wenn keine der bereits genannten Unverträglichkeiten nachgewiesen werden kann und der Patient trotzdem Beschwerden hat. Dann hilft nur ein ausführliches Gespräch und das Führen eines Ernährungstagebuchs, aus dem heraus Spezialisten wie Tichatschek ein Bild entwickeln und in der Folge herausfiltern können, auf welches Lebensmittel der Betroffene eine Intoleranz entwickelt hat – und das kann im Grunde alles sein. 

Allergie oder Unverträglichkeit?

Unter einer Allergie versteht man eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Substanzen. Im Normalfall sind sie ungefährlich, allerdings besteht mitunter Schockgefahr (v. a. bei Allergien auf Nahrungsmittel und Insektengifte). Spezifische Immuntherapien (Hyposensibilisierung) in Kombination mit symptomatischen Therapien (z. B. Augen-/Nasentropfen, Antihistaminika-Tabletten) gegen bestimmte Inhalationsallergene bzw. Insektengifte vermindern die auftretenden Beschwerden erheblich. In jedem Fall aber gilt: Auslöser meiden!
Zu den häufigsten Allergien zählen jene gegen Pollen, Hausstaubmilben, Insektengifte, Tierepithelien (v. a. Katzen, Hunde, Pferde), Medikamente, Kontakt- und Berufsallergene.

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (NUV) fehlen dem Körper bestimmte Enzyme. Zu den häufigsten sogenannten nicht immunologisch bedingten Unverträglichkeiten bzw. Intoleranzen zählen:
Laktoseintoleranz. Betroffenen fehlt das Enzym Laktase, das Milchzucker in seine Bestandteile spaltet und damit für den Körper verträglich macht. Achtung: Nicht zu verwechseln mit Milchallergie, einer allergischen Reaktion auf bestimmte Eiweiße der Milch.
Fruktose- und Sorbitmalabsorption. Es kommt zu einer verringerten Aufnahme von Fruktose (Fruchtzucker; in Früchten und verschiedenen Zuckerarten) bzw. von Sorbit (Zuckerersatzstoff; in vielen Lebensmitteln) durch den Darm in das Blut. Nicht resorbierte Fruktose bzw. nicht resorbiertes Sorbit wird im Darm durch Bakterien abgebaut, was zu Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfällen führen kann.
Histaminintoleranz. Histamin ist eine körpereigene Substanz, die auch in sehr vielen Nahrungsmitteln vorkommt (v. a. Wein, Käse, Salami). Mangelt es am Enzym Diaminoxidase, kann es zu unterschiedlichsten Beschwerden kommen (z. B. Kopfschmerzen, Hitzegefühl, Rötung und Juckreiz der Haut, Nesselausschlag, Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, Müdigkeit, Asthma, Herzrhythmusstörungen).

Was geht da ab? Bei einer Allergie kommt es, wie bereits erwähnt, zu einer Reaktion des Immunsystems. Auslöser ist ein fremdes Eiweißmolekül, das etwa durch Pollen oder ein bestimmtes Nahrungsmittel in den Körper gelangt. „Das Allergen wird zunächst von einer repräsentierenden Zelle aufgenommen und es kommt zu einer IgE-Antikörperbildung an der Mastzelle. Bei neuerlichem Kontakt mit dem Antigen bzw. Fremdeiweiß kommt es zur Ausschüttung von Mediatoren, zum Beispiel Histamin, und es bildet sich eine allergische Entzündungsreaktion“, erklärt die Expertin. Die Beschwerden durch eine Allergie reichen von Niesen über rote, angeschwollene, mitunter tränende oder juckende Augen bis zu Schwellungen der Mundschleimhaut, aber auch Atemnot oder Hautausschläge.  Bei den NUV ist es hingegen zum Teil noch gar nicht bekannt, was sich im Körper genau abspielt. Tatsache ist jedoch, dass Betroffene meist nur gewisse Mengen von bestimmten Substanzen zu sich nehmen können. Wird diese individuell freilich sehr unterschiedliche Grenze überschritten, kann es beispielsweise zu Bauchweh, Blähungen oder Durchfall kommen. Tichatschek dazu: „Unverträglichkeiten spielen sich vorwiegend im Magen-Darm-Trakt ab, bis auf die Histaminintoleranz, die im Grunde überall Symptome auslösen kann. Und gerade das macht diese Unverträglichkeit so schwer greifbar.“

Buchtipp für Kinder

„Was passiert, wenn im Allesleckerland auf einmal eine Prinzessin auf die Welt kommt, die von all den leckeren Speisen andauernd pupsen muss?“, fragt Kinderbuchautorin Fritzi Bender. Die Antwort liefert das Anfang Jänner im Bobo Verlag erschienene Buch „Prinzessin Blubberbauch“ – ein kindergerechtes, lustiges und von Sabine Cherebet alias illlubine farbenprächtig illustriertes Buch über Nahrungsmittelunverträglichkeiten. So erfahren Kinder, dass jeder Mensch anders auf unterschiedliche Lebensmittel reagiert, aber auch wie wichtig eine ausgewogene Ernährung ist. Ein Buch zum Vorlesen und Selberlesen, für kleine und (ganz) große Kinder. Bobo Verlag, 128 Seiten, 15,– Euro, ab 5 Jahren

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Das vertrage ich nicht
Seite 2 Sonderfall Histaminintoleranz

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