Montag, 22. April 2019

Das vertrag ich nicht

Ausgabe 2019.04
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STARTSCHUSS für die neue GESÜNDER LEBEN-Serie zum Thema Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Wir zeigen, welche unterschiedlichen Formen es gibt, wie man sie diagnostiziert –, und natürlich, wie man mit ihnen lebt.


Foto: ©iStock_ SolStock

Vielen Menschen bekommt so manches Nahrungsmittel nicht: Während die einen mitunter auf Birnen mit Bauchschmerzen reagieren, stößt den anderen rohe Zwiebel oder Knoblauch sauer auf. Solche Reaktionen sind von Zeit zu Zeit nicht ungewöhnlich und die naheliegende Konsequenz ist, einfach darauf zu verzichten. Eine tatsächliche Nahrungsmittelunverträglichkeit kann sich allerdings in ganz anderen Symptomen äußern. Die Palette ist dabei äußerst vielschichtig und reicht von Verdauungsbeschwerden und Migräne über entzündliche Hautreaktionen und Abgeschlagenheit bis zu Atemnot und Herzrasen. So breit das Spektrum an Beschwerden, so verschieden auch ihre Ursachen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Aufgrund einer zuweilen ähnlichen Symptomatik werden sie namentlich oft in einem Atemzug genannt – dabei haben sie ganz andere Wurzeln.

Unverträglichkeiten im Überblick

Unabhängig von der Ursache mindern Nahrungsmittelunverträglichkeiten die individuelle Lebensqualität, da sie – dosisabhängig – von Symptomen wie Völlegefühl, Blähungen, Bauchkrämpfen, Durchfall, aber auch Kopfweh, Mattheit, Schluckstörungen oder Herzrasen begleitet werden.

Zu den häufigsten Formen zählen

• die Laktoseunverträglichkeit
• die Fruktoseunverträglichkeit (im Mai-Heft von GESÜNDER LEBEN)
• die Histaminunverträglichkeit (im Juni-Heft von GESÜNDER LEBEN)

Weitere Beispiele für Unverträglichkeiten mit enzymatischer Ursache sind bestimmte Zuckerarten, die von den Betroffenen nicht verstoffwechselt werden können. Dazu gehören

• die Sorbitunverträglichkeit
• die Saccharosunverträglichkeit
• die Galaktoseunverträglichkeit
(Diese drei Unverträglichkeiten behandeln wir im Juli/August-Heft von GESÜNDER LEBEN)

Darüber hinaus gibt es auch noch Unverträglichkeiten mit pharmakologischen Stoffen – hier liegt die Ursache in der Wirkung der jeweiligen Bestandteile auf den Körper – und sogenannte Pseudoallergien, die Zusatzstoffe in Lebensmitteln betrifft.
(Mehr dazu im Septemberheft von GESÜNDER LEBEN)

Spezialfall Gluten
Die Zöliakie wiederum ist weder Allergie noch Intoleranz, sondern eine zellulär vermittelte Erkrankung mit einer Autoimmunkomponente: Betroffene vertragen keine Gluten (eine bestimmte Getreide-Protein-Mischung), da sie den Dünndarm angreifen und dessen Schleimhaut zerstören. Weltweit leidet etwa von 300 Personen an der Zöliakie. Im Gegensatz dazu wird über die Entstehung der sogenannten nicht-zöliakischen Glutensensitivität bislang noch gemutmaßt. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass hier ein anderer Mechanismus des Immunsystems aktiviert wird: die angeborene – im Gegensatz zur langfristig erworbenen, Immunantwort, welche bei der Zöliakie auftritt. Betroffene sind zwar nicht mit einer Entzündung der Darmschleimhaut konfrontiert, müssen aber beim Verzehr von glutenhältigen Lebensmitteln Darmbeschwerden, Anämie, Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen, Osteoporose etc. in Kauf nehmen. (Mehr dazu im Oktoberheft von GESÜNDER LEBEN)

Sind sie allergisch ...
Bei einer IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie bildet das Immunsystem gegen bestimmte Inhaltsstoffe (z. B. Äpfel, Nüsse, Kiwis, Soja, Sellerie, Fisch, Schalentiere etc.) fälschlicherweise IgE-Antikörper, um die – an sich total harmlosen – Substanzen zu bekämpfen. „Sie wird von Jucken, Brennen oder Kribbeln im Mund, auf der Zunge oder auf der Lippe begleitet. Mitunter kommt es zu (massiven) Immunreaktionen inklusive Hautausschlägen, Asthma oder Schwellungen des Gesichts. Im Extremfall droht sogar ein allergischer, auch ,anaphylaktischer’ Schock“, so Dr. Kathrin Oberleitner, Fachärztin für innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechselmedizin am Ordensklinikum Linz. „Bei Erwachsenen sind etwa drei Prozent der Gesamtbevölkerung davon betroffen.“ Eine allergische Reaktion ist nicht dosisabhängig, das heißt: Geringe Mengen reichen üblicherweise aus, um eine Allergie auszulösen. „Darüber hinaus können Menschen, die an einer anderen Allergie, wie zum Beispiel einer Pollenallergie, leiden, Kreuzallergien entwickeln. Dabei werden die Antikörper nicht nur auf Blütenstaub aktiv, sondern auch auf Allergene, also ähnliche Eiweißstoffe, in Nahrungsmitteln“, erläutert Oberleitner. „Der totale Verzicht auf das Allergen ist in jedem Fall notwendig, um diesen Symptomen vorzubeugen.“ Warum es überhaupt zu allergischen Reaktionen kommt, wurde zwar schon in zahlreichen Studien untersucht, ist aber noch nicht bis ins Detail geklärt. Bewiesen ist, dass eine Allergie häufiger bei einer genetischen Prädisposition auftritt. Neben einer erblichen Belastung spielen aber offensichtlich auch Umweltfaktoren wie zum Beispiel eine oftmals übertriebene Hygiene in den Industrieländern, die zu einer Unterbeschäftigung des Immunsystems führt, eine Rolle. Zudem leiden Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, deutlich seltener an Allergien. Zu weiteren möglichen Ursachen gehören u. a. der Einsatz von Antibiotika bei Säuglingen oder Rauchen in der Schwangerschaft.

... oder intolerant?
Völlig anders entstehen Nahrungsmittelunverträglichkeiten – der Schwerpunkt der neuen GESÜNDER LEBEN-Serie. Ihnen liegt eine Störung im Bereich des Dünndarms zugrunde, die üblicherweise mit einer unzureichenden Verwertung von Nährstoffen einhergeht: Fehlt ein Enzym, also ein bestimmtes Eiweißmolekül, bzw. ist dieses nur mehr schwach aktiv, können bestimmte Lebensmittelbestandteile nicht in ihre resorbierbaren Bestandteile zerlegt werden. Handelt es sich wiederum um einen Transporterdefekt, können Nahrungsbestandteile zwar zerlegt, aber nicht vollständig aus dem Darm ins Blut transferiert werden. Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten handelt es sich um multifaktorielle Erkrankungen. „Abgesehen von angeborenen Intoleranzen, die als einzige Ursache einen Enzymmangel aufweisen, sind sowohl Malabsorptions- als auch Unverträglichkeitssyndrome bei Erwachsenen eine Kombination aus genetisch bedingten Defekten, der Zusammensetzung der Darmflora, der Verdauungsgeschwindigkeit und anderen Faktoren wie beispielsweise einer gleichzeitig bestehenden Fehlbesiedelung des Dünndarms mit Bakterien, welche eine Nahrungsmittelmalabsorption nachahmen oder verstärken“, betont Oberleitner.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Das vertrag ich nicht
Seite 2 Häufig, aber nicht „hip“

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