Montag, 27. Mai 2019

Das Phänomen der Co-Abhängigkeit

13. Oktober 2011
Wie bei allen Formen der Suchterkrankungen sind auch bei Essstörungen die erkrankten Menschen nicht isoliert zu betrachten, sondern müssen in Wechselwirkung mit ihrem sozialen Umfeld wahrgenommen werden. Das heißt, sie beeinflussen mit ihrem Suchtverhalten ihre Umgebung, welche umgekehrt wiederum das Suchtverhalten des Betroffenen mitbestimmt. Es entsteht das System der Co-Abhängigkeit.


Als Co-Abhängige bezeichnet man Angehörige, welche ihr Verhalten vom süchtigen Familienmitglied abhängig machen.

Eigene Wünsche und Bedürfnisse werden aus Rücksicht auf den Kranken zurückgestellt. Co-Abhängige merken nicht, dass sie mit ihrem Verhalten die Sucht aufrechterhalten. Indem sie alle Sorgen und Krisen von der süchtigen Person fernzuhalten versuchen, entsteht eine Situation, in welcher es keinerlei Grund für diese gibt, am Suchtverhalten etwas zu ändern.

Andererseits besteht durch die Tatsache, dass man ein süchtiges Familienmitglied zu betreuen hat, natürlich auch die Tendenz, eigene Probleme bzw. solche seines gesamten Familiensystems nicht zu bearbeiten. Dadurch werden notwendige Veränderungen verhindert.

Was man tun sollte, wenn man vermutet, dass jemand an einer Essstörung erkrankt sein könnte:
  1. Sich als Angehörige(r) von ÄrztInnen und Facheinrichtungen beraten lassen!
  2. Gemeinsam mit diesen Verhalten und Vorgangsweisen planen!
  3. Den Erkrankten und sich selbst Zeit geben, denn die Essstörung ist nicht von einem Tag auf den anderen gekommen und wird auch nicht von einem Tag auf den anderen vergehen!

Was Angehörige und Freunde auf keinen Fall sagen sollen:
  • Setz dich hin, und iss wie ein normaler Mensch!
  • Warum tust du uns das an?
  • Denkst du dabei überhaupt nicht an uns?
  • Du siehst gut aus!
  • Du siehst wieder gesund aus!
  • Ich wünschte, ich könnte auch abnehmen!
  • Jetzt reiß` dich endlich zusammen!
  • Wir haben schon soviel Geld für dich ausgegeben, und es nützt nichts!

Literatur:
1. Suchtpräventionsstelle Salzburg: Thema ist...Essen.; in Akzente
2. Bärbel Wardetzki: Bulimie: der Hunger nach Anerkennung
3. Trojovsky et al.: Anorexia nervosa – Magersucht; in Paediatrie und Paedologie 30, 1995), A93-99;
4. König et al.: Anorexie und Bulimie...wenn Essen unnatürlich wird; Informationsbroschüre der Österr. Ges. für Neurolgie und Psychiatrie
5. Saß, Wittchen, Zaudig: Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen (DSM-IV), Hogreve, 1998
6. Dt. Ges. f. Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychiatrie u.a.(Hrsg.) Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. Dt. Ärzteverlag, 3. überarbeitete Auflage 2007, S. 117 - 130

Autor: Dr. Gerlinde Stern-Pauer, Mag. Christian Reumann


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