Freitag, 19. Juli 2019

Das große Kreuz mit dem Kreuz

Ausgabe 04/2010
In aller Regel beginnen die Beschwerden in der zweiten Lebenshälfte. Sogar in Ruhe schmerzt der Rücken, viele Betroffene pilgern von Arzt zu Arzt oder nehmen viel zu viele Schmerztabletten ein. Wirbelsäulenspezialisten sowie eine Nordic-Walking-Trainerin zeigen Wege zu einem schmerzfreien Alltag auf.

Foto: Alexander Rochau - fotolia.com
Was sind die häufigsten Ursachen für chronische Rückenschmerzen?
Prim Univ.-Doz. Dr. Michael Ogon
Orthopädisches Spital Wien-Speising

Häufigste Ursache sind Abnutzungserscheinungen an der Bandscheibe. Diese verliert im Lauf des Lebens an Flüssigkeit und Höhe, was zu Schmerzen führt. Zusätzlich kann es auch zu einem Wirbelgleiten oder einer Seitenverschiebung der Wirbel kommen. Typische Frühsymptome sind gelegentliche Kreuzschmerzen vor allem bei längerem Stehen, später auch in Ruhe. Ist der Wirbelkanal eingeengt, strahlt der Schmerz auch in die Beine aus, Betroffene müssen alle 100 Meter eine kurze Pause einlegen. Zunächst versuchen wir diese Beschwerden konservativ zu behandeln, mit viel Bewegung und Physiotherapie. Bei einer Einengung des Wirbelkanals können wir auch einen kleinen operativen Eingriff durchführen, um den Wirbelkanal unter dem Mikroskop zu erweitern. Der Patient ist in der Regel nach einigen Tagen wieder gut gehfähig, nach sechs Wochen wieder normal belastbar. Müssen zusätzlich Wirbelkörper stabilisiert werden, ist man einige Monate lang weniger stark belastbar.

Was raten Sie Patienten mit chronischen Rückenschmerzen
Mag. Meike Klinger
Physiotherapeutin Orthopädisches Spital Wien-Speising

Patienten mit chronischen Rückenproblemen neigen dazu, sich passiv „verwöhnen“ zu lassen – etwa durch eine Massage oder eine Moorpackung. Das verschafft zwar kurzfristige Linderung, trägt aber nicht dazu bei, das Schmerzproblem dauerhaft zu lindern. Bei chronischen Rückenschmerzen hilft nur eines: regelmäßige Bewegung! Ein einmal wöchentlicher Kurs für Rückengymnastik ist sinnvoll, um Übungen und Bewegungsabläufe zu erlernen. Aber Sie müssen diese Übungen dann wirklich regelmäßig zu Hause durchführen. Lieber drei Mal täglich fünf Minuten Rückengymnastik als einmal eine halbe Stunde. Üben Sie eine sitzende Tätigkeit aus, so gilt: Stehen Sie jede halbe Stunde für ein oder zwei Minuten auf – gehen Sie zum Drucker oder zum Faxgerät, schicken Sie Ihrem Kollegen keine E-Mail, sondern schauen Sie persönlich vorbei. Unterbrechen Sie Arbeiten im Haushalt genauso regelmäßig – auch beim Bodenschrubben braucht Ihr Kreuz dazwischen eine Erholungspause.

Welche Sportarten eignen sich bei chronischen Rückenschmerzen?
Kristel Josel
Nordic-Walking-Trainerin in Bad Gastein

Nordic Walking (NW) ist die ideale Sportart bei Rückenschmerzen, aber auch bei Verspannungen im Bereich des Schultergürtels und des Nackens. Übrigens: NW ist auch ein perfekter Ausdauersport für Leute mit Gelenksproblemen und für alle, die einfach nicht gerne laufen oder joggen. NW ist deshalb gut, weil man – die richtige Stocktechnik vorausgesetzt – eine aufrechte Haltung einnimmt und die Bewegung rhythmisch ist. Investieren Sie am Anfang in ein paar Übungsstunden bei einem geprüften NW-Trainer, damit die Bewegung nicht falsch eingelernt wird! Denn dann schadet NW dem Rücken mehr, als es nutzt! Ein guter Trainer gibt auch Tipps für schöne Routen in Ihrer Wohnumgebung. Gut sind auch Auflockerungsübungen mit den Stöcken für zwischendurch – etwa: Füße hüftbreit, gerader Rücken, Stöcke mit beiden Händen umfassen und wie ein Gewichtheber in die Höhe strecken. Dann die Stöcke in den Nacken ablegen, wieder in die Höhe strecken usw.

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