Dienstag, 16. Oktober 2018

Das Geheimnis der Liebe

Ausgabe 2018.05
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Die Liebe ist nicht nur die Triebfeder unseres Seins, sondern auch eines der letzten Geheimnisse der Menschheit. Sogar die medizinische Forschung beißt sich an der Liebe die Zähne aus: Je mehr Antworten gefunden werden, desto mehr Fragen tauchen auf.


Foto: iStock-Kiuikson

Liebe lässt uns die Welt rosarot sehen. Liebe lässt uns den Boden unter den Füßen verlieren. Liebe ist kompliziert. Aber kann man dieses große Gefühl auch biologisch erklären? Gibt es eine Biochemie der Liebe? Und wie wirkt sich Liebe auf unsere Gesundheit aus? gesünder leben nähert sich mit Experten diesem großen Thema. Und erklärt, warum Männer von Liebesbeziehungen mehr profitieren und warum man sich während einer Achterbahnfahrt plötzlich verlieben kann.

Frauen lieben anders. Männer auch.

Bei der Paarbildung spielen unter anderem Hormone eine wichtige Rolle.

Bei der Paarbildung spielt auch Testosteron eine Rolle, hier scheint es jedoch geschlechterspezifische Unterschiede zu geben: Während bei der Frau der Testosteronspiegel etwas steigt, sinkt er beim Mann. Wieso das so ist, konnte bislang nicht erforscht werden. Forscher vermuten allerdings, dass Frauen dadurch aggressiver und mutiger und Männer sanfter werden.

„Frauen suchen unterschwellig einen Partner, der sie beschützt. Männer schätzen jugendliche, gebärfreudige Partnerinnen.“

„Geschlechterdiskrepanzen betreffen möglicherweise auch unterschiedlich aktivierte Gehirnareale“, so Neuroendokrinologe Prof. Dr. Günter Stalla. „Bei Frauen wurden höhere Aktivitäten in Regionen in Zusammenhang mit Aufmerksamkeit, Emotionen und Erinnerungen gefunden. Bei Männern waren Regionen, die in Zusammenhang mit visueller Stimulation stehen, besonders aktiv.“ Heißt: Frauen verlieben sich eher in Männer, die sie bereits länger kennen, bei Männern ist der optische Reiz ausschlaggebend.

Auch in puncto Attraktivitäts-Empfinden ticken die Geschlechter nicht gleich: Frauen fühlen sich oft zu großen Männern mit breiten Schultern und markanten Gesichtszügen hingezogen. Männer finden jüngere Frauen mit einem sanduhrartigen Taille-Hüfte-Verhältnis, mit vollen Lippen und weichen Gesichtszügen intuitiv attraktiv. Biopsychologe Prof. Dr. Peter Walschburger sieht dies in der Evolutionsgeschichte begründet: „Unterschwellig suchen Frauen nach einem Partner, der sie und die Kinder beschützt. Während Männer eher von Signalen jugendlicher, gebärfreudiger Partnerinnen angezogen werden.“

Zwar wurden bereits zahlreiche Studien rund um das Thema Liebe durchgeführt, diese sind aber mit äußerster Vorsicht zu genießen, betont der Neuroendokrinologe Prof. Dr. Günter Stalla vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München: „Wissenschaftliche Erkenntnisse über die biologischen Grundlagen der Liebe beziehen sich vor allem auf Tierstudien an Wühlmäusen und Bildgebungsuntersuchungen, die Gehirnaktivitäten darstellen können. Entsprechend der limitierten Untersuchungsmodalitäten und Studiendaten sind die Erkenntnisse in Bezug auf biochemische Grundlagen der Liebe nur unzureichend und eine Übertragung der Tierstudien auf den Menschen nur bedingt möglich.“

Erfolgsmodell Sex
Schon allein, wenn man nach der Definition von Liebe fragt, gehen die Antworten und Meinungen bei Medizinern weit auseinander. Prof. Dr. Peter Walschburger, Biopsychologe an der Freien Universität Berlin, verfolgt einen klar evolutionstheoretischen Ansatz: „Leidenschaftliche Liebe ist das Resultat der evolutionär erfolgreichsten Fortpflanzungsstrategie.“ Liebe also als Trick der Natur, den Fortbestand der Menschheit zu sichern? „Fortpflanzung funktioniert in der Natur auch asexuell, zum Beispiel durch Knospung. Die sexuelle Fortpflanzung hat sich aber als absolutes Erfolgsmodell herauskristallisiert. Sie erhöht nämlich die Variationsbreite bei den Nachkommen und bereitet uns so optimal auf Umweltveränderungen vor.“ Liebe und Paarbeziehungen seien zudem eine praktische Einrichtung der Natur, „um die hilflosen Menschenkinder zu beschützen“. Wenn in der Pubertät das System der Sexualhormone gereift ist und somit der sexuelle Trieb einsetzt, wird man der vertrauten Eltern überdrüssig. Fremde Personen werden dagegen interessant, sie erscheinen nicht mehr bedrohlich, sondern anziehend. „Die Pubertät ist eine Zeit, in der man schon verliebt ist, aber noch nicht weiß, in wen.“

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Das Geheimnis der Liebe
Seite 2 Liebe – wie eine Droge
Seite 3 Was Hans nicht lernt ...

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