Samstag, 23. Februar 2019

Das Blut muss fließen

Ausgabe 09/2012
Durchblutungsstörungen sind eine echte Volkskrankheit. Doch oft bemerkt man sie jahrelang nicht. Die Folgen können fatal sein. Wir zeigen, wie Sie diesem Risiko vorbeugen können.

Foto: Can Stock Photo Inc. - voronin76 Durchblutungsstörungen sind so etwas wie eine stille Gefahr, denn sie können sich oft über Jahre hinweg schleichend entwickeln, ohne dass der Betroffene etwas davon bemerkt. Die Folgen können dramatisch sein und in einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gipfeln“, betont der Internist und Angiologe, Prim. Univ.-Doz. Dr. Reinhold Katzenschlager vom Krankenhaus Göttlicher Heiland, Wien. Bei Durchblutungsstörungen kommt es zu einer mangelnden Versorgung bestimmter Körperregionen mit Blut. Die Folge ist eine Unterversorgung mit Sauerstoff, was im schlimmsten Fall zu den genannten Folgen führen kann. Die Ursachen und Risikofaktoren für diese Erkrankungen liegen zu einem Gutteil in unserem Lebensstil begründet. Das ist auch der Grund, warum wir in vielen Fällen selbst effektiv gegensteuern können.

Die „harmlos“ klingende Schaufensterkrankheit. Die Experten unterscheiden bei den „großen“ Durchblutungsstörungen unter anderem die Koronare Herzerkrankung, die Periphere Arterielle Verschlusserkrankung (PAVK; auch „Schaufensterkrankheit“) und die Durchblutungsstörung des Gehirns. Die Symptome von Durchblutungsstörungen sind vielfältig und hängen von der betreffenden Körperregion ab. „Bei der Peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit geht man für Österreich von mindestens 300.000 Erkrankten aus. Hauptsymptom sind vor allem in der Frühphase plötzliche Schmerzen in den Waden, die beim Gehen auftreten und sich bei Unterbrechung der Bewegung bessern. Hier ist der Gang zum Arzt angezeigt, denn er kann zunächst den Blutdruck am Arm und in der Folge auch an den Fußarterien messen und so feststellen, dass möglicherweise eine ernsthafte Durchblutungsstörung vorliegt. Zur Sicherung der Diagnose werden dann eine Ultraschalluntersuchung und eine sogenannte Angiographie zur eindeutigen Darstellung der Gefäßsituation durchgeführt“, sagt der Experte, der davor warnt, die so harmlos klingende „Schaufensterkrankheit“ zu bagatellisieren. „In Stadium 4 leiden die Betroffenen bereits unter offenen Stellen – sogenannten Nekrosen.“

Risiko minimieren. Katzenschlager: „Heilen kann man die PAVK leider nicht, aber man kann sie stoppen, indem man bestimmte Medikamente (Aggregationshemmer) gibt bzw. – wenn notwendig – Interventionen an den Gefäßen (Ballondilatation, Stentimplantation oder Bypassoperation) durchführt. Sehr wichtig ist auch, die Risikofaktoren zu minimieren.“ Genetische Veranlagung spielt bei der PAVK eine nicht unbeträchtliche Rolle, aber zumindest ebenso bedeutsam sind Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Rauchen und Diabetes mellitus.

Koronare Herzerkrankung und Durchblutungsstörung des Gehirns. Die genannten Hauptrisikofaktoren bei den anderen Durchblutungsstörungen wie der Koronaren Herzerkrankung, deren Leitsymptome Brustschmerz oder in den linken Arm ausstrahlender Schmerz bei Belastung sind, sollten jedenfalls abgeklärt werden. „Sobald man Derartiges bemerkt, sollte man sich unverzüglich an einen Arzt wenden“, betont Katzenschlager. Gleiches gilt bei der Durchblutungsstörung des Gehirns, deren Warnsymptome Sehstörungen oder kurzfristig auftretende Lähmungserscheinungen an Armen und Beinen sein können.

„Leichenfinger“. Oft weniger dramatisch, aber immer häufiger anzutreffen ist der sogenannte Morbus Raynaud, der Durchblutungsstörungen der Akren (äußerste Enden des Organismus) bezeichnet und sich durch anfallsweises Weißwerden der Hände und Füße, einzelner Finger oder Zehen sowie eine darauf folgende blaue Verfärbung und anschließende Rötung kennzeichnet. Prim. Katzenschlager: „In vielen Fällen liegt keine ernsthafte Erkrankung vor, aber bei fünf bis zehn Prozent der Betroffenen finden wir etwa eine rheumatische Erkrankung oder sogar eine arterielle Durchblutungsstörung als Ursache.“

Durchblutungsstörungen –  immer ernst nehmen. Daher – und das ist auch die Hauptbotschaft unseres Experten – sind Durchblutungsstörungen immer ernst zu nehmen, und die individuellen Risikofaktoren sollten einer laufenden Überprüfung unterzogen werden. Soll heißen, dass zum Beispiel der Blutdruck immer kontrolliert und im Falle, dass er zu hoch ist, „eingestellt“ werden sollte. Ganz wichtig ist auch die regelmäßige Überprüfung der Blutfettwerte. Katzenschlager: „Jeder sollte wissen, ob er noch – wie viele in unserer Gesellschaft – im mittleren Bereich ist, doch wenn das nicht der Fall ist, muss interveniert werden.“ Ein besonderes Risiko tragen übrigens Menschen mit einer genetischen Belastung. Sie sollten engmaschig vom Spezialisten betreut werden, denn die Gefahr, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, ist bei ihnen groß.

Die Behandlung. Wie bei der PAVK gesehen, weisen die diagnostischen Möglichkeiten bei Durchblutungsstörungen eine große Bandbreite auf, und das gilt auch für die Therapie, die naturgemäß von der Form der Durchblutungsstörung abhängt. So können etwa bestimmte Medikamente, die die Durchblutung fördern und die Gefahr der Bildung von Gerinnseln mindern, zum Einsatz kommen. Bei fortgeschrittenen Durchblutungsstörungen lassen sich durch eine Operation verengte Gefäße erweitern oder „Umleitungen“ um Engstellen (Bypass) legen. Sind Symptome eines akuten Gefäßverschlusses vorhanden, muss so schnell wie möglich das Gefäß geöffnet werden.

Wichtige Vorsorge. Damit es aber gar nicht erst so weit kommt, plädiert Prim. Katzenschlager – insbesondere bei allen, bei denen in der Familie schon ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall oder auch eine Periphere Arterielle Verschlusskrankheit aufgetreten ist –für besondere Vorsicht: „Wir alle sollten versuchen, ein gesundes Leben zu führen, sprich: nicht zu rauchen, uns gesund zu ernähren und viel Bewegung zu machen. Zudem achten Sie auf das Erreichen oder Halten des Normalgewichts und lassen Sie immer die Stoffwechsellage checken: Sollten ein Diabetes oder hohe Blutfettwerte vorliegen, so kann der betreuende Arzt dafür sorgen, dass diese Situation optimiert wird.“

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