Freitag, 22. Februar 2019

Das Antibiotika 1 x 1

Ausgabe 09/2010
Warum es wichtig ist, dass man die Regeln der Antibiotika- Einnahme beherrscht. Eine Anleitung zur guten Besserung in zehn Schritten.

Foto: Joshua Hagen - istockphoto.com
Sie sind die Helden der Medizingeschichte: Antibiotika. Ihr Wirkprinzip, die Antibiose, wurde zum ersten Mal schriftlich im Jahr 1889 von Paul Vuillemin erwähnt. 1928 entdeckte Alexander Fleming den Wirkstoff Penicillin, und ihr Siegeszug war nicht mehr zu stoppen. Und heute? Moderne Antibiotika helfen in der Regel schnell und unkompliziert gegen schwere oder leichte Infektionskrankheiten und sind meistens auch gut verträglich. Wie erfolgreich ein Antibiotikum wirkt, hängt aber sehr davon ab, ob man bei der Einnahme alles richtig macht. Dr. Gerhard Postl, Facharzt für Innere Medizin, Infektiologie und Tropenmedizin am LKH Graz West, hat für Sie zehn goldene Regeln zusammengestellt, die Ihnen helfen, im Fall des Falles wieder rasch gesund zu werden:

Nur mit Rezept
Antibiotika sind verschreibungspflichtig und kein Medikament für den Alleingang. Der Rat von Spezialist Postl: „Bitte nehmen Sie Antibiotika nur nach ärztlicher Verschreibung ein.“

Täglich einnehmen
„Der größte Fehler ist es, wenn man das Antibiotikum unregelmäßig nimmt oder vielleicht einen Tag darauf vergisst“, warnt der Mediziner. Schon ein Tag ungewollte Auszeit von der Therapie kann den Wirkspiegel im Körper zu stark senken und dazu führen, dass sich die Bakterien dadurch noch schneller vermehren. „Wichtig ist auch, dass man das Antibiotikum für die gesamte Dauer der vom Arzt verordneten Therapie anwendet und es nicht selber frühzeitig absetzt.“

Flüssig oder fest
Grundsätzlich sind Antibiotika als Kapseln, Granulate erhältlich (außer im Spital: Hier werden auch oft Infusionen gegeben). Speziell für Säuglinge oder Kleinkinder mixt der Apotheker aus Sirupen und Granulaten eine Suspension zum Trinken. Kapseln sollten mit einem Glas Wasser geschluckt bzw. eingenommen werden.

Wirkt nicht gegen Viren
Antibiotika sind kein Allheilmittel. „Bei einer klassischen durch Viren verursachten Grippe – mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit – helfen Antibiotika nur dann, wenn eine Bakterieninfektion hinzukommt“, so Postl und warnt davor, Antibiotika bei jeder kleineren Entzündung der oberen Atemwege anzuwenden.

Speziell für Kinder
Was zu beachten ist, wenn Kinder Antibiotika verschrieben bekommen? „Dass man Rücksprache mit dem Kinderarzt hält“, rät der Facharzt für Infektiologie. Einige Antibiotika-Gruppen sind für Kinder nämlich ungeeignet wie etwa sogenannte Gyrasehemmer oder Tetracycline. „Letztgenannte können die Zähne verfärben und schädigen.“ Bei Säuglingen und Kleinkindern kämen vor allem Suspensionen zum Einsatz.

Nebenwirkungen vorbeugen
Das Problem bei Antibiotika: Sie machen – etwa bei einer Lungenentzündung – nicht nur den Bakterien in der Lunge, sondern auch jenen z.B. im Darmtrakt den Garaus. Postl: „Wenn Sie ein Antibiotikum einnehmen, verändert sich die Bakterienbesiedelung im gesamten Körper. Mit einer Schwächung des Immunsystems hat das aber nichts zu tun.“ Bei oder nach der Antibiotikatherapie sind Scheideninfektionen, Hautpilze oder Durchfälle daher keine Seltenheit. Gegen die geschwächte Darmflora empfiehlt Postl Joghurt, frühestens zwei Stunden nach beziehungsweise vor der Antibiotika-Einnahme. Zur Vorbeugung vor Scheidenpilzen & Co bewährt sich die Einnahme von Bakterienpräparaten.

Wechselwirkungen vermeiden
Wer die Antibabypille nimmt und dazu Antibiotika verschrieben bekommt, muss mit einer abgeschwächten Wirkung und mit Schmier- oder Zwischenblutungen rechnen. Auch Sonne, Sport oder Alkohol können Wechselwirkungen herbeiführen. Postl: „Während der Therapie sollten Sie auch auf Alkohol verzichten.“

Ein Mittel, viele Wirkungen
„Breitband-Antibiotika wirken gegen ein breites Spektrum von Keimen“, sagt Postl. Die sogenannte ABS-Group, eine Expertenrunde im Bundesministerium für Gesundheit, informiert Ärzte über den sorgsamen Umgang mit Breitband-Präparaten und deren Verträglichkeit.

In der Schwangerschaft
„Grundsätzlich kann jedes Medikament, das eine Frau in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft einnimmt, zum Problem werden“, erklärt Postl. Aber auch in späteren Schwangerschaftsphasen oder während des Stillens darf nicht jedes Antibiotikum verschrieben werden. Fragen Sie auch beim Gynäkologen nach.

Wenn die Wirkung ausbleibt
„Resistenzen gegenüber Antibiotika haben in den letzten Jahren stark zugenommen“, sagt Postl. „Bakterien werden dann gegen manche Antibiotika unempfindlich. Das Problem trifft besonders Spitäler.“ Wie man als Patient gegensteuern kann? Nie das Antibiotikum vorzeitig absetzen, nur weil die Beschwerden schon weg sind. So werden nicht alle Krankheitserreger abgetötet, und es können sich neue Populationen bilden, gegen die das Antibiotikum nicht mehr wirkt. Spezialist Postl: „Nicht bei jedem Wehwehchen gleich auf ein Antibiotikum setzen, sondern einen Schnupfen oder Husten einmal einfach so ausklingen lassen.“

Ganz wichtig
Grundlage jeder Antibiotika-Therapie ist die vorgeschriebene Dosis und Dauer. Nur wenn Sie diese einhalten, wird eine optimale Wirkung erzielt. Brechen Sie die Einnahme niemals vorzeitig ab, auch wenn Ihre Symptome schon abgeklungen sind!

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