Sonntag, 26. Mai 2019

Darm gesund – Mensch gesund!

Ausgabe 2017.07-08

Blähungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Müdigkeit, Migräne – ja sogar Asthma und Allergien können einen kranken Darm als Ursache haben. gesünder leben klärt über das Leaky-Gut-Syndrom auf.


Foto: iStock-495831230

Der Darm dient der Nahrungsaufbereitung und -resorption und erstreckt sich vom Magenausgang bis zum Anus. Er wird in drei verschiedene Abschnitte unterteilt: den Dünndarm mit einer Länge von vier bis sechs Metern, den Dickdarm, der eine Länge von rund eineinhalb Meter aufweist, und den Enddarm, der auch als Mastdarm bezeichnet wird. Somit ist der Darm mit einer Gesamtlänge von bis zu acht Metern und einer Oberfläche von 400 bis 500 m² das größte innere Organ des Menschen. Der gesamte Darm wird von der sogenannten Darmschleimhaut und rund vier Millionen kleiner Darmzotten (fingerförmige Ausstülpungen der Darmschleimhaut) ausgekleidet. Die Darmschleimhaut dient dabei vorrangig der Resorption von Nahrungsbestandteilen und Wasser. Sie stellt eine Art Barriere zwischen Darminhalt und Blutkreislauf dar. Nährstoffe, Mineralien und Spurenelemente werden über die Darmschleimhaut an den Organismus weitergegeben, schädliche Stoffe werden zurückgehalten.

Wichtig fürs Immunsystem. Zusätzlich schützt die Darmschleimhaut den Darm vor schädlichen Bakterien und Parasiten, die entweder von der Umwelt oder über die Nahrung in den Körper gelangen. Somit ist die Darmschleimhaut auch für das Immunsystem von immenser Bedeutung. Sie enthält rund 70 Prozent aller Immunzellen des Körpers, die Antikörper produzieren und eindringende Krankheitserreger vernichten. Allerdings ist diese Aufgabe der Darmschleimhaut nur mit einer intakten Darmflora zu erfüllen. „Die Darmflora besteht aus verschiedensten Arten von Bakterien und Pilzen, die unsere Darmschleimhaut besiedeln. Sie sorgt für eine gesunde Abwehr gegen Giftstoffe“, weiß Priv.-Doz. Dr. Thomas-Matthias Scherzer, Facharzt für innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie in Wien. „Durch verschiedenste Auslöser kann es zu einer Dysbiose, einem Ungleichgewicht der Darmflora, kommen, wodurch sich schädliche Bakterien vermehren. Diese zerstören die natürliche Schutzfunktion der Darmschleimhaut. Toxische Stoffe können nun ungehindert die Darmwand passieren und in den Blutkreislauf gelangen“, so Dr. Scherzer weiter. „Diese Erkrankung, bei der die Darmschleimhaut geschädigt und somit undicht wird, bezeichnet man als Leaky-Gut-Syndrom. Der Begriff aus dem Englischen bedeutet übersetzt durchlässiger Darm.“

Symptomatik eines Leaky-Gut-Syndroms. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie an einem Leaky-Gut-Syndrom leiden, da Symptome wie beispielsweise Blähungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten (u. a. Gluten- oder Laktoseintoleranz), Gelenks- und Muskelschmerzen, Akne, Ekzeme, Konzentrationsstörungen, Nervosität, chronische Müdigkeit oder Migräne auf den ersten Blick in keinem Zusammenhang miteinander stehen. Näher betrachtet, haben die Betroffenen aber meist eines gemeinsam: ein Darmproblem, genauer gesagt eine durchlässige Darmschleimhaut. „Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sowie Allergien, Asthma und Autoimmunerkrankungen (z. B. multiple Sklerose) werden ebenfalls mit dem Leaky-Gut-Syndrom in Verbindung gebracht“, sagt Experte Dr. Thomas-Matthias Scherzer.     

Mögliche Ursachen für das Leaky Gut Syndrom. „Für das Entstehen eines Leaky-Gut-Syndroms kommen viele Ursachen infrage. So können einerseits bestimmte Nahrungsbestandteile (wie z. B. Gluten), fermentierte Lebensmittel oder eine allgemein ungesunde Ernährung mit viel Zucker und Weißmehl die Darmwand entzünden und zerstören, andererseits kann das Leaky-Gut-Syndrom auch durch die häufige Einnahme von Schmerzmitteln und Antibiotika, die gute Bakterien abtöten und dadurch die Vermehrung schädlicher Darmkeime fördern, sowie durch anhaltenden Stress und übermäßigen Tabakkonsum verursacht werden“, erklärt der Facharzt für innere Medizin Dr. Scherzer. Alkohol gilt ebenfalls als Risikofaktor für das Leaky-Gut-Syndrom. Ein regelmäßiger Alkoholkonsum wirkt sich allgemein negativ auf die Darmbarriere aus und kann diese sogar nachhaltig schädigen. Durch einen Vitalstoffmangel kann die Funktionsfähigkeit der Darmschleimhaut zusätzlich abnehmen. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin A und Zink ist somit für die Gesundheit der Darmschleimhaut unerlässlich.

Die Diagnose des Leaky-Gut-Syndroms. Zur genauen Diagnose muss eine Vielzahl an Faktoren systematisch abgeklärt werden. Die Grundlage jeder Diagnostik bildet der Ausschluss organischer Erkrankungen. So werden in erster Linie Blut-, Harn- und Stuhluntersuchungen zur Abklärung des Leaky-Gut-Syndroms durchgeführt. „Von Bedeutung sind vor allem die Parameter Alpha-1-Antitrypsin, das sekretorische IgA und Zonulin“, weiß Internist Dr. Thomas-Matthias Scherzer. „Während das Protein Zonulin einen geeigneten Marker darstellt, um die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut zu messen, weist ein erhöhter Alpha-1-Antitrypsin-Wert auf eine Entzündung hin. Ein zu geringer sIgA-Wert (sekretorisches Immunglobulin A) ist immer ein Zeichen für eine erhöhte Schleimhautpermeabilität.“ Mithilfe einer Darmspiegelung (Koloskopie) lässt sich zwar nicht das Leaky- Gut-Syndrom diagnostizieren, es lassen sich jedoch verschiedene Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Darmkrebs, chronische und akute Entzündungen, Ausstülpungen des Darms sowie Durchblutungsstörungen erkennen. Weiterführende Diagnoseverfahren stellen u. a. die Gastroskopie (Magenspiegelung) und ein Allergietest dar.

Die Therapie des Leaky-Gut-Syndroms. „Der Darm und seine Mikrobiota (Mikroorganismen des Darmes) stellen noch immer ein großes Feld für die Forschung dar“, ist Dr. Scherzer überzeugt. Gängige Therapiemaßnahmen wie z. B. eine medikamentöse Therapie zur Behandlung des Leaky-Gut-Syndroms gibt es nicht. Als erste therapeutische Maßnahme wird die Vermeidung möglicher Auslöser gesehen. Dazu zählen vor allem Medikamente, Stress oder bestimmte Nahrungsmittel. Scherzer: „Wichtig ist, dass sich geschädigte Darmwände wieder regenerieren können. Der Aufbau einer gesunden Darmflora steht dabei im Mittelpunkt. Um den Darm und die Darmflora gesund zu halten, wird die Einnahme von Prä- und Probiotika empfohlen. Diese können auch in Form von Supplementen, also Nahrungsergänzungsmittel, zugeführt werden. Patienten mit Leaky Gut rate ich in jedem Fall zu einer gezielten Ernährungsberatung beim Diätologen.“ Als wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die Selbstbeobachtung zu sehen. Wie reagiert Ihr Körper nach der Nahrungsaufnahme? Fühlen Sie sich gut oder haben Sie nach kürzester Zeit mit Blähungen oder Übelkeit zu kämpfen? Achten Sie ab heute vermehrt auf Ihre Darmgesundheit. Lassen Sie den Darm zum Zentrum Ihres Wohlbefindens werden!

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