Sonntag, 22. September 2019

Damit das Atmen keine Qual ist

Ausgabe 2016.05

Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen der westlichen Welt. GESÜNDER LEBEN beantwortet die wichtigsten Fragen zu dieser chronischen Lungenkrankheit.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - AntonioGuillem

Die Lungenkrankheit Asthma bronchiale (umgangssprachlich Asthma genannt) betrifft weltweit etwa 300 Millionen Menschen. In der westlichen Welt gehört Asthma mittlerweile zu den häufigsten chronischen Erkrankungen, auch wenn in den vergangenen Jahren die Anzahl der Betroffenen auf konstantem Niveau geblieben ist. In Österreich sind rund eine halbe Million Personen betroffen. Im Kindes- und Jugendalter ist Asthma mittlerweile gar die häufigste chronische Erkrankung, leiden doch rund 42.000 österreichische Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren an Asthma.

Verzicht muss nicht sein. „In den letzten 30 Jahren gab es in der Asthma-Forschung große Fortschritte“, ist Lungenfacharzt und Leiter des österreichischen Netzwerkes für schweres Asthma Dr. Daniel Doberer (www.asa-net.at) überzeugt. Ein Meilenstein war die Entwicklung der inhalativen Therapie, insbesondere des inhalativen Kortisons. Die Inhalatoren werden laufend verbessert und trotzdem kommt es häufig zu Anwendungsfehlern beim Umgang mit Inhalatoren. Doch für die meisten Patienten ist es mit-hilfe der richtigen Therapie möglich, trotz Asthma ein Leben mit nur wenig Einschränkungen zu führen. Sehr schwere Verlaufsformen von Asthma, bei denen auch mit den modernen Therapieformen nicht der gewünschte Erfolg erzielt werden kann, sind sehr selten.   

GESÜNDER LEBEN beantwortet die wichtigsten Fragen für alle Betroffenen und Angehörigen.

Was geht im Körper bei Asthma vor sich?
Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege. Betroffene haben überempfindliche Atemwege. „Die Muskelzellen, welche die Atemwege umgeben, wachsen verstärkt, verkrampfen sich und ziehen sich zusammen. So kommt es zu einer Verkleinerung der Atemwege“, erklärt Doberer. „Zusätzlich schwillt die Schleimhaut der Atemwege an, und es kommt zur vermehrten Bildung von zähflüssigem Schleim, der sich nur schwer abhusten lässt.“ Typische Beschwerden sind Atemnot, Husten (mit oder ohne Auswurf), ein Gefühl der Enge sowie pfeifende Atemgeräusche. „Es ist allerdings nicht selten, dass der Patient selbst dieses Atemgeräusch gar nicht wahrnimmt“, fügt Dr. Meinhard Kneussl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, hinzu. „Typisch für Asthma ist, dass es Intervalle völliger Beschwerdefreiheit gibt. Während dieser Zeit weist der Patient eine vollkommen normale Lungenfunktion auf.“ Asthma kann zu einer dauerhaften Veränderung der Atemwegsstruktur sowie auch zur Lungenkrankheit COPD führen. Im Unterschied zu COPD hat Asthma eine genetische Komponente. Auch bestimmte Umwelteinflüsse (unter anderem Feinstaub-Belastung) werden mit der Entstehung von Asthma in Verbindung gebracht.

Gibt es verschiedene Formen von Asthma?
Grob unterscheidet man zwischen allergisch-bedingtem  und nicht-allergischem Asthma. Allergien sind in circa  50 Prozent der Asthmafälle beteiligt, besonders häufig sind Pollen, Tierhaare, Schimmelpilzsporen und Hausstaubmilben, aber auch Nahrungsmittel können allergische Reaktionen auslösen. Das nicht-allergische Asthma wiederum unterteilt man in verschiedene Subtypen (Phänotypen), zum Beispiel eosinophiles Asthma, belastungsindiziertes Asthma (Atemnot bei körperlicher Anstrengung) und mit übergewichtassoziiertes Asthma. Auch Mischformen sind möglich. Asthmaanfälle können auch durch unspezifische (chemische oder physikalische) Reize oder Virus-Infektionen ausgelöst werden.

Ist es normaler Husten oder bereits Asthma?
Eine obstruktive („spastische“) Bronchitis geht mit sehr ähnlichen Symptomen wie ein Asthmaanfall einher. „Oftmals wird solch ein Anfall mit einer starken Atemwegsinfektion verwechselt“, warnt Doberer. Besonders bei Kindern wird Asthma oft spät erkannt. Sollten sich solche Anfälle jedoch wiederholen oder der Husten nicht verschwinden, ist es ratsam, die Beschwerden von einem Lungenfacharzt abklären zu lassen. Dieser erhebt eine Anamnese und führt eine Lungenfunktion- und Allergiediagnostik sowie eine Blutbild durch.

Wie wird Asthma behandelt?
Grundlegend ist eine medikamentöse Therapie. Man unterscheidet zwischen der entzündungshemmenden Medikation und der bronchienerweiternden Medikation. Oft werden diese Therapieformen, je nach Schweregrad des Asthmas, kombiniert. Die alleinige bronchienerweiternde Bedarfstherapie kommt bei sehr leichtem Asthma und vor allem bei belastungsindiziertem Asthmaanfällen zum Einsatz (Atemnot nach körperlicher Anstrengung) und mindern sehr schnell die Symptome, haben allerdings keinen Einfluss auf die chronische Entzündung selbst. Die entzündungshemmende Dauermedikation wird ein- oder zweimal täglich eingenommen und wird eingesetzt, um die Entzündung der Atemwege nachhaltig zu verbessern. Diese Medikamente sind inhalative Kortikoide (Kortison). Wichtig ist eine regelmäßige Therapiekontrolle seitens des Arztes. Kneussl: „Das Ziel jeder Asthmatherapie ist maximale Beschwerdefreiheit und eine weitestgehend uneingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit. Das erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Patienten und Arzt.“

Muss ich Angst vor den Nebenwirkungen des Kortisons haben?
Kortison ist bekannt für seine starken Nebenwirkungen, wie unter anderem Gewichtszunahme, Osteoporose oder Diabetes. Doberer beruhigt allerdings: „Da das Kortison nicht oral eingenommen, sondern inhaliert wird, sind die Nebenwirkungen bei der üblichen Dosierung nicht relevant.“ Man sollte allerdings darauf achten, dass man nach der Kortison-Inhalation den Mund mit Wasser ausspült, um lokale Nebenwirkungen wie Heiserkeit oder Mundsoor zu vermeiden. Ein weiterer Vorteil des Inhalierens: Das Medikament kommt direkt dorthin, wo es wirken soll, nämlich in die Lunge beziehungsweise in die Atemwege. Bei schweren Verlaufsformen  kann allerdings eine Kortisoneinnahme in Tablettenform notwendig sein.

Wie atme ich richtig?
Sind wir gestresst oder haben uns eine schlechte Körperhaltung angewöhnt, atmen wir flach, oberflächlich und schnell. Die Atmung spielt sich in der oberen Region des Körpers ab, man nennt dies „Brustatmung“ oder auch „Nackenatmung“. Es ist nicht mehr möglich, genügend Sauerstoff in den Körper zu pumpen. Bei der „richtigen“ Atemtechnik, der bewussten und tiefen „Bauchatmung“ (oder „Zwerchfellatmung“), zieht sich das Zwerchfell zusammen und bewegt sich abwärts. Beim Ausatmen entspannt sich das Zwerchfell wieder, die Rippen ziehen sich zusammen. Zudem ist es gesünder, durch die Nase als durch den Mund zu atmen, da die Luft durch die Nasenschleimhäute besser gereinigt, angefeuchtet und erwärmt wird. Auch bei Asthmaanfällen sollte man darauf achten, ruhig und vor allem lange und gegen die geschlossenen Lippen auszuatmen, da dies ein besseres Abatmen der Luft durch die verengten Atemwege ermöglicht.

Wie sieht die nicht-medikamentöse Therapie bei Asthma aus?
Ist das Athma allergisch bedingt, steht die Vermeidung beziehungsweise Reduzierung der Asthmaauslöser (zum Beispiel Hausstaubmilben, Pollen oder Tierhaare) im Vordergrund. Es empfiehlt sich, nach einem Allergen-Kontakt Haut und Haare zu waschen, Fenster in der Pollenzeit geschlossen zu halten sowie die Bettwäsche bei mindestens 60 Grad Celsius zu waschen. Auf Tabak sollte generell  verzichtet werden – gerade in der Schwangerschaft! „Es ist erwiesen, dass Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht haben, ein höheres Risiko, an Asthma zu erkranken, aufweisen“, so Kneussl. Eine gesunde Ernährung ist generell zu empfehlen, eine spezielle Ernährung, die den Verlauf von Asthma positiv beeinflusst, ist nicht erwiesen. Allerdings gibt es Asthmatiker, die einzelne Nahrungsmittel nicht vertragen und diese meiden sollten. „Trinken Sie zudem ausreichend, um den zähen Schleim zu verflüssigen, sodass er leichter abgehustet werden kann“, rät der Experte. Und: Asthmatiker müssen keinesfalls auf Sport verzichten! Der Experte: „Regelmäßige Bewegung ist wichtig, um die Leistungsfähigkeit zu steigern.“ Empfohlen wird vor allem Ausdauersport wie Jogging, Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren. Wichtig: „Leiden Sie an Belastungsasthma, sollten Sie 20 bis 30 Minuten vor dem Sport die Bedarfsmedikation einnehmen!“ Auch Atemübungen können helfen, die Atmung zu verbessern, haben zudem eine beruhigende Wirkung.

WICHTIGE LINKS FÜR ASTHMA-PATIENTEN:

Asthma-Kontrolltest: asthmacontroltest.com
Übersicht über das „richtige Inhalieren“:asa-net.at/patienten/richtig-inhalieren/
• Eine neue, umfassende Patientenbroschüre können Sie hier anfordern: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

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