Mittwoch, 22. Mai 2019

Cholesterin > gut oder böse?

Ausgabe 2016.02

Cholesterin ist ein lebensnotwendiges Blutfett. Zu viel Cholesterin im Blut macht jedoch krank. Wir zeigen, wie Sie sich schützen können.


Foto: wuka - canstock photo

GESÜNDER LEBEN hat mit Univ.-Prof. Dr. Jürgen König gesprochen.

Der Spezialist über …

… die wichtigen Aufgaben des Cholesterins. „Cholesterin ist ein Bestandteil unserer Zellmembranen, der Zellwände, die jede einzelne Zelle unseres Körpers einhüllt und dort zur Stabilisation dient, damit alle Funktionen der Zellhülle erfüllt werden können. Cholesterin ist auch ein Baustein vieler Hormone, so etwa für Östrogen, Testosteron oder Cortisol. Aus Cholesterin werden auch die Gallsäuren gebildet, die man zur Verdauung von Fetten benötigt. Cholesterin ist überdies eine Vorstufe zur Herstellung von Vitamin D, das eigentlich ein Hormon ist und für dessen Bildung in der Haut die Sonne gebraucht wird, um es in aktives Vitamin D zu verwandeln.“

… die Bildung des Cholesterins. Cholesterin ist eine Art Blutfett – es gehört zur Gruppe der Lipide (der Fette) –, das der Körper selbst herstellt, aber auch über die Nahrung aufgenommen wird. Chemisch gesehen ist es ein Steroid, eine relativ komplexe Verbindung, die fettlöslich ist und die jeder Säugetierorganismus aus relativ einfachen Verbindungen selbst herstellen kann. Wir haben alle notwendigen Mechanismen, um das Cholesterin in unserem Körper herzustellen, und brauchen im Gegensatz zu den Vitaminen, die über die Ernährung aufgenommen werden, kein Cholesterin aus der Nahrung.“

Zu hohes Cholesterin – wie kommt es dazu?

Diese Faktoren werden für einen (zu) hohen Cholesterinwert verantwortlich gemacht:

  • genetische Faktoren
  • Krankheiten wie Über- oder Untergewicht, Diabetes mellitus,Hepatitis, Stoffwechselerkrankungen
  • Medikamente (etwa Cortison) und die Pille
  • mangelnde Bewegung
  • Schwangerschaft
  • fettreiche Ernährung
  • übermäßiger Alkoholkonsum

… das sogenannte gute und das böse Cholesterin. „Das Cholesterin wird im Blut in Fettkügelchen verpackt, die das Cholesterin zum Beispiel zur Muskulatur und in die Gefäße transportieren, weil es dort für den Aufbau der Zellhüllen gebraucht wird. Das überschüssige Cholesterin – also das, was Muskulatur und Gefäße nicht brauchen – wird zurück in die Leber transportiert und ausgeschieden. So weit, so gut. Problematisch wird es erst, wenn wir zu viel zusätzliches Cholesterin über die Nahrung aufnehmen. Denn: Die wesentlichen drei Formen des Cholesterins sind das HDL (High-Density-Lipoproteine), das LDL (Low-Density-Lipoproteine) und die Summe alles im Blut vorhandenen Cholesterins (Gesamtcholesterin). Das gute Cholesterin (HDL) steht für Fetttröpfchen mit hoher Dichte und das böse (LDL) für Fetttröpfchen mit niederer Dichte. Die Dichte wiederum hat mit dem Fettgehalt zu tun: Je mehr Fett, desto niedriger die Dichte. Um das Gleichgewicht zwischen benötigtem und des wieder auszuscheidenden Cholesterins aufrechtzuerhalten, sollte die Menge an HDL-Cholesterin zumindest ein Fünftel der Gesamtmenge an Cholesterin im Blut betragen.“

… erhöhte Blutfette und Lebensstil. „Fette, die über die Ernährung zugeführt werden, pauschal zu verdammen, entspricht nicht mehr den heutigen Erkenntnissen der Wissenschaft – es ist wie alles eine Frage der Menge. Bei der Bildung und dem Aufbau der Fetttröpfchen spielt nicht nur die Menge der Fette eine große Rolle, sondern auch Zusammensetzung der Fette (insbesondere die Menge an gesättigten, einfach ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren). Eine hohe Aufnahme tierischer Fette mit einem hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren (fettes Fleisch, Schweineschmalz, Schlagobers), manche pflanzliche Fette (Palmöl, Kokosfett) sowie übermäßiger Alkoholkonsum gelten als problematisch.“

… über den Referenzwert. „Es gibt Vorstellungen, wie die optimale Menge an Cholesterin im Blut ausschauen soll: optimal im Sinne von der richtigen Menge an Cholesterin, die reicht, um die Funktionen zu erfüllen, aber auch niedrig genug ist, um negative Aspekte zu verhindern. Man geht davon aus, dass der Referenzwert, also der Optimalwert für den Großteil der Menschen, als Richtwert gilt. Wobei es auch Menschen gibt, die sowohl mit einem hohen als auch einem niedrigen Wert gesund sind. Da die Ursache sehr vielfältig sein kann (Über- aber auch Untergewicht, genetische Faktoren, Stoffwechselerkrankungen, die Pille, Bewegungsmangel), muss man das ärztlich abklären.“

… über die fatalen Folgen von hohen Blutfettwerten. „Wer sich sehr fettreich ernährt und sich wenig bewegt, wird über kurz oder lang mit erhöhten Blutfettwerten zu kämpfen haben. Die gesundheitlichen Folgen können gravierend sein: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so etwa erhöhter Blutdruck, Schlaganfall, Herzinfarkt.“

… über ausgewogene Ernährung und Bewegung. „Eine ausgewogene Ernährung – von allem ein bisschen und von nichts zu viel – und ausreichende Bewegung – mindestens eine halbe Stunde täglich – ist der beste Schutz. Wer sich nach der Ernährungspyramide ernährt und sich mindestens eine halbe Stunde täglich bewegt, wird vermutlich keine Probleme haben.Eine medikamentöse Absenkung – es gibt Medikamente, die die Herstellung an Cholesterin im Organismus hemmen – muss ärztlich abgeklärt werden.

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