Donnerstag, 19. September 2019

Burn-out Prophylaxe

31. August 2011
Burn-out-Prophylaxe & Ressourcen-Management


Neun von zehn Österreichern stehen im beruflichen Alltag zumindest gelegentlich unter Stress. Wollte man sich früher häufig mit der Aussage „ich habe Stress“ im Kollegen- und Freundeskreis eher wichtig machen, so wird „wirkliche Stressbelastung“ auf Dauer zum ernsthaften medizinischen Problem. Dauerhafter Stress kann letztendlich zu einem Burn-out führen.
Wenngleich auch viele Wichtigmacher in diesem Zusammenhang glaubten, mit diesem Ausdruck punkten zu können, hatte sich in der Öffentlichkeit bald herausgestellt, dass sich das medizinische Problem Burn-out nicht wirklich für egoistische Kraftmeierei eignet.

Der Begriff Burn-out wurde erstmals 1974 vom Psychoanalytiker Herbert Freudenberger im Zusammenhang mit sogenannten „helfenden Berufen“ (Ärzte, Pflege, Rettungsdienste,…) verwendet um einen Zustand zu Beschreiben, der so alt ist wie die Menschheit selbst: körperliche und geistige Erschöpfung – nichts funktioniert mehr wie gewohnt, der Zustand geht einher mit einer anhaltenden Leistungsschwäche und Antriebslosigkeit. Die Betroffenen sind nicht mehr in der Lage sich zu erholen.

Allgemein wird davon ausgegangen, dass jeder Phase des Ausgebranntseins eine Hochleistungsphase ohne entsprechende Erholungs- und Entspannungsphasen vorausgeht. Dies führt letztendlich sogar dazu, dass Burn-out sozusagen als „legitime Zwangspause“, zu welcher man nach entsprechender Leistungserbringung ein „Recht“ zu haben scheint, angesehen wird.

Burn-out, und sehr wohl auch die durchschnittlich eineinhalb Jahre dauernde Phase des „Hineingleitens“ bedeutet aus Unternehmenssicht in erster Linie Kosten: erstens durch eine reduzierte Arbeitsleistung – bedingt durch tatsächlichen Absentismus oder den sogenannten Präsentismus, also körperliche Präsenz im Unternehmen ohne oder mit verminderter, effektiver Arbeitsleistung – und zweitens durch stressbedingte Fehlleistungen mit oft lang anhaltender Kostenfolge und drittens durch Stressauswirkungen auf die Kollegen mit den entsprechenden Kompensationsleistungen des Teams.

Während das Unternehmen in erster Linie die Kosten und betrieblichen Folgen betrachtet, bedeutet es für den Betroffenen enormes Leid bis hin zu einem Infragestellen des eigenen Lebens. Die wichtigsten mentalen Voraussetzungen wie Konzentrationsfähigkeit, Wahrnehmungsfähigkeit, Denk- und Merkfähigkeit sind strak eingeschränkt und die üblichen Bewältigungsstrategien funktionieren nicht mehr. Das Selbstbewusstsein und der Selbstwert sinken und die Krise dehnt sich auf das gesamte, auch private Beziehungsnetzwerk aus.

Statistisch gesehen kann bemerkt werden, dass Frauen aufgrund der Tatsache, dass sie eher bereit sind als Männer, eine Schwäche einzugestehen und dementsprechend Hilfe zu suchen. Männer gestehen Schwächen lange Zeit nicht ein, wodurch sich die Situation aber letztendlich dramatisch verschlimmert. Der Versuch, mit den Schwächen so umzugehen, dass das Umfeld nichts davon merkt, führt nicht selten zu schädlichem und selbstvernichtendem Verhalten: übermäßiges Arbeiten, exzessives Sporttreiben, intensives Essen und Trinken sowie Medikamenten- und Drogenmissbrauch.

Burn-out = ausgebrannt

Während eine Depression meist eine „Privatsache“ ist, zu der man eher beschämt öffentlich steht, setzt Burn-out eine gesellschaftlich erwünschte Verhaltensweise voraus: LEISTUNG!!

Da diese Leistung in den meisten Fällen nicht für sich selbst, sondern für andere – z.B. den Arbeitgeber, den Verein, die Partei, die Familie, die Schüler, etc. – erbracht wird, wird der Zustand des Burn-out oftmals einem anderen „Nutznießer“ als Schuldigem zuerkannt. Dadurch werden oft Diskussionen und Bestrebungen verhindert, die Situation ganzheitlich zu betrachten und Veränderungen am richtigen Platz zu initiieren.

Es gilt, die oftmals verbreitete Meinung, „die Geschäftsleitung schickt uns einen Stresscoach oder verordnet uns ein Stressseminar um noch mehr Leistung aus uns herauszubringen“ abzulegen. Es ist für jeden Einzelnen nicht zielführend, konsequente Tipps zu suchen wie man sich von außen „betanken“ lassen kann oder eine Revolution für bessere Arbeitsbedingungen, mehr Personal und weniger Aufgaben anzuleiten.

Arbeitsbedingungen sind immer eine wichtige Stress- und Burn-out Quelle. Die Verantwortung dafür tragen immer Mitarbeiter und Arbeitgeber gemeinsam. Die Verantwortung für den Umgang mit Stress und die eigene Qualitätsverbesserung und –erhaltung trägt jedoch jeder selbst.

Nach dem Selbstverantwortungsansatz baut unser Konzept (vgl. Krämer 2010) darauf auf den interessierten Teilnehmern Wege aufzuzeigen bzw. individuell zu erarbeiten um an Selbstbewusstsein zu gewinnen und für ihre eigenen Belange gerade in Belastungssituationen einstehen zu können. In der Regel sind das starke und kraftvolle MitarbeiterInnen – stark und kraftvoll ist nicht zwangsläufig mit der sportlich-konditionellen Fähigkeit gleichzusetzen sondern bezieht sich auf die sogenannten „inneren Ressourcen“.

Dieser Ansatz „Persönlichkeitsstärkung statt Schuldsuche bei anderen“ wird jedoch durch die allgemeine Darstellung von Burn-out in den Medien oft im Keim erstickt. Im Begriff Burn-out finden oft auch erfolgsverwöhnte Menschen die Legitimation Selbstverantwortung abzugeben.

Das hilft aber nicht weiter, zumal gerade die wichtige Selbstabgrenzung als Grundlage für persönliche Selbstfürsorge nur durch die wahrgenommene Selbstverantwortung umgesetzt werden kann.


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