Montag, 18. Februar 2019

Brille oder Kontaktlinsen?

Ausgabe 2016.11
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Rund die Hälfte der Österreicher leidet unter einer Form von Fehlsichtigkeit. Der Anteil der unter 30-Jährigen hat sich dabei in den vergangenen Jahrzehnten mehr als verdoppelt.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - Lvnel

Ungefähr 80 Prozent unserer Sinneseindrücke werden über die Augen wahrgenommen. Nicht umsonst werden sie als Fenster zur Welt bezeichnet. Im Alltag werden die Augen jedoch durch verschiedene Reizüberflutungen, Umweltbelastungen, trockene Luft und Staub stark beansprucht. Entzündete und tränende Augen sind erste Hinweise dafür, dass unsere Augengesundheit gestört ist. Eine Untersuchung beim Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie gibt Aufschluss darüber, ob zukünftig eine Sehhilfe getragen werden muss oder nicht. Eine vorhandene Fehlsichtigkeit kann in den meisten Fällen mit einer Brille oder Kontaktlinsen korrigiert werden. Doch viele Betroffene wissen anfangs nicht, für welche Sehhilfe sie sich entscheiden sollen. „Mit einer Kontaktlinse wird im Allgemeinen eine bessere Korrektur des Sehfehlers erzielt, da sie direkt am Auge getragen wird, um die Fehlsichtigkeit auszugleichen, während die Brillengläser einen Abstand von zirka einem Zentimeter zum Auge haben“, weiß MR Dr. Johannes Kopatschka, Augenarzt im Ärztezentrum Donauzentrum. „Trotzdem sollte man als Arzt primär auf das eingehen, was der Patient möchte“, so der Mediziner weiter. „Viele fühlen sich mit einer Brille im Gesichtsfeld eingeschränkt, haben Probleme, wenn sie beschlägt oder sich spiegelt. Andere wiederum finden das tägliche Einsetzen von Kontaktlinsen und deren Pflege viel zu aufwendig und beschwerlich.“

Brille als Modeaccesoire? Die Zeiten der altmodischen Krankenkassenbrille sind längst vorbei. Leichte Materialien für Brillenfassungen, wie zum Beispiel aus Titan, bewirken eine fast fünfzigprozentige Gewichtsreduktion. Reintitan punktet außerdem mit seiner Widerstandsfähigkeit und Korrosionsbeständigkeit und ist vor allem für Allergiker sehr gut geeignet. Doch ob aus Titan, Kunststoff oder einem anderen Material – für viele muss die Brille nicht nur funktional, anatomisch und augenoptisch perfekt, sondern auch modisch und trendig sein. Die Brille dient oft als Fashion-Element, das dem Erscheinungsbild und Outfit angepasst wird. Auch Kontaktlinsenträgern wird der Kauf einer Brille als Ersatz-Sehhilfe empfohlen. „Aus medizinischer Sicht sollten Kontaktlinsen nicht durchgehend getragen werden, da das Auge zwischendurch frische Luft benötigt. Bei stundenlangen Arbeiten am Computer ist die Brille oftmals den Kontaktlinsen vorzuziehen, da sie zwischendurch schnell einmal abgenommen werden kann, um die Augen während einer Pause zu entlasten. Auch Vielflieger sind während des Fluges mit einer Brille besser beraten, da die sauerstoffreduzierte und klimatisierte Luft im Flugzeug die Augen reizt und austrocknet“, gibt Dr. Kopatschka zu bedenken.

Worauf bei Kontaktlinsen zu achten ist. Es gibt zwei verschiedene Arten von Kontaktlinsen: die formstabilen und die flexiblen. „Obwohl die harten, also formstabilen Kontaktlinsen die besseren sind, tragen fast neunzig Prozent der Kontaktlinsenträger die flexiblen, weichen Kontaktlinsen, da diese als komfortabler empfunden werden“, kennt Augenarzt Dr. Kopatschka das Kaufverhalten der Betroffenen. „Außerdem dauert es um einiges länger, bis sich die Träger von formstabilen Kontaktlinsen an den „Fremdkörper“ gewöhnt haben. Die Eingewöhnungszeit bei weichen Kontaktlinsen ist wesentlich kürzer. Das trägt natürlich auch zu einer manchmal vorschnellen Entscheidung bei. Ich empfehle meinen Patienten daher immer, die angepassten Linsen eine Zeit Probe zu tragen.“ Kontaktlinsen eignen sich außerdem sehr gut zur Korrektur einer verformten Oberfläche der Hornhaut. Spezielle Kontaktlinsen für Menschen mit Kerotokonus (eine Erkrankung der Hornhaut), wie zum Beispiel Hybridlinsen, bestehen aus einem formstabilen, sauerstoffdurchlässigen Sehzentrum, mit einer Linsenperipherie aus Weichlinsenmaterial für den Tragekomfort. Aber auch bei sportlichen Aktivitäten sind Kontaktlinsen der Brille meist überlegen: Keine eingeschränkte Sicht, kein Verrutschen, kein störender Bügel unter einem Helm, kein Beschlagen, Spiegeln oder Zerbrechen. Mittlerweile gibt es sogar Kontaktlinsen mit einer Hyaluronsäurebeschichtung, mit der die Augen lang anhaltend befeuchtet werden.

Kontaktlinsen erfordern Hygiene! Eines ist jedoch nicht außer Acht zu lassen – der richtige Umgang mit den Kontaktlinsen! „Bei Kontaktlinsen handelt es sich um ein Medizinprodukt“, so der Facharzt für Augenheilkunde Dr. Kopatschka. „Durch eine unsachgemäße Handhabung können gröbere Probleme, wie etwa Infektionen oder Geschwüre auf der Hornhaut, entstehen. Deshalb sind die richtigen Hygienemaßnahmen besonders wichtig.“ Kontaktlinsen sollten nicht länger als acht Stunden am Tag getragen werden. Denn trotz optimaler Anpassung stellen sie eine Belastung für die Augenhornhaut dar. Aus diesem Grund sind Kontaktlinsen am Abend immer herauszunehmen und in die vorgesehene Flüssigkeit einzulegen. Und egal ob die Kontaktlinsen beim Augenarzt oder Optiker gekauft werden: Informieren Sie sich immer ausführlich über den Gebrauch und den Umgang mit Ihren Kontaktlinsen. Üben Sie das Ein- und Aussetzen vor Ort und lassen Sie sich genaue Pflegehinweise für zu Hause mitgeben. Außerdem wird Kontaktlinsenträgern geraten, sich mindestens einmal jährlich einer augenärztlichen Untersuchung zu unterziehen.

Können Brille und Kontaktlinsen abwechselnd getragen werden? Es ist grundsätzlich kein Problem, beide Sehhilfen zu kombinieren. Man muss lediglich darauf achten, dass sowohl die Brillen- als auch Kontaktlinsenwerte genau auf das Auge abgestimmt sind, um dieses nicht zu strapazieren. Dafür gibt es einen eigenen Umrechnungsfaktor. Für Kontaktlinsen gelten andere Werte als für die Brille. Da jedoch nicht jedes Auge für Kontaktlinsen geeignet ist, sollte man sich auf jeden Fall von einem Augenarzt beraten lassen. Grundsätzlich kann man also sagen, dass eine strikte Entscheidung, ob Brille oder Kontaktlinsen, in den meisten Fällen gar nicht erforderlich ist. Es gibt unterschiedliche Lebenssituationen, in denen einmal die eine und dann wieder die andere Sehhilfe als sinnvoll erscheint. Oft kommt es auch einfach nur auf die jeweilige Tagesverfassung an. Wichtig ist nur eines: Behalten Sie Ihre Augengesundheit stets im Blick!

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Brille oder Kontaktlinsen?
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