Montag, 30. März 2020

Bist du was du sein kannst?

Ausgabe 2020.03
Seite 1 von 2

Wir alle oder zumindest viele von uns haben Herzenswünsche. Und ganz oft erfüllen wir uns diese nie. Warum eigentlich? Und was braucht es, damit wir das Leben leben, das wir leben wollen? 

 


Foto: ©iStock_biscotto87

anz gleich, wie unterschiedlich deine, meine und alle unsere Geschichten auch sein mögen – in dem, was uns im Kern beschäftigt und ausmacht, in unserem Menschsein sind wir uns alle sehr ähnlich. Wir alle teilen die Sehnsucht nach Freiheit. Wir alle streben nach Entfaltung, Liebe und Erfüllung. Doch wir teilen auch unsere Schattenseiten. Wir zweifeln, wir fallen, wir kämpfen mit anderen und vor allem mit uns selbst“, schreibt Sarah Desai in ihrem Ende Februar erschienenen Buch „Leb das Leben, das du leben willst“.

Buchtipp

Cover1Sarah Desai

Leb das Leben, das du leben willst

Südwest € 18,50

Ich kann das nicht
Woran oder an wem zweifeln wir? Was lässt uns zu Fall bringen? Und warum kämpfen wir ständig – gegen andere und noch viel öfter gegen uns? Wieso manipulieren wir uns selbst? Und vor allem: Wie können wir die Blockaden, die uns daran hindern, unsere Herzenswünsche zu erfüllen, auflösen?
Fragen über Fragen, auf die Desai nicht nur in ihrem Buch, sondern auch in ihrem Podcast „The Mindful Sessions“ und ihrem täglichen Tun als Life Coach, Prozessbegleiterin und Speakerin Antworten gibt. So umschreibt die Berlinerin die Blockaden als Gefängnisse, bestehend aus Gefühlen, Erinnerungen, Ängsten und nicht zuletzt aus „negativen Selbstbildern, die streng bewacht werden von der Mutter aller negativen Glaubenssätze: Ich genüge nicht“. Wie sich dieser dann in weitere Glaubenssätze umwandelt – von „Ich kann das nicht“, „Ich darf das nicht“ über „Ich gehöre nicht dazu“ und „Ich bin nicht schön genug“ bis hin zu „Ich bin nicht smart genug, nicht erfahren genug“ – hat jeweils mit den individuellen Lebensumständen zu tun. Zu Blockaden werden sie dadurch, dass wir diese Worte ständig rezitieren. Derart mit sich selbst zu sprechen, kann weitreichende Folgen haben, denn wir versperren uns selbst den Weg. Oder um es mit Sarah Desais Worten zu sagen: „Wir sind selbst unser Richter. Wir ziehen Mauern hoch, bauen unser eigenes Gefängnis, aus dem es – scheinbar – keinen Ausweg gibt, und verschlucken sogar den Schlüssel.“

Es erscheint aussichtlos
Dabei ist es das nicht. Denn es liegt einzig und allein an jedem selbst, den Schlüssel zu finden und das Tor (wieder) zu öffnen. „du hast es selbst in der Hand: Lass los, was du nicht mehr brauchst und entfalte dein ganzes Potenzial. Setze dich mit deinen Glaubenssätzen auseinander, denn nur so kannst du dich aus deinem eigenen Gefängnis entlassen“, sagt Desai und spricht dabei aus eigener Erfahrung. 2006 stand sie als junge Mutter mit ihrem Baby auf dem Arm so gut wie auf der Straße, noch dazu in einer ihr völlig fremden Stadt. Aber statt den Kopf in den Sand zu stecken, setzte sie alles daran, wieder sicheren Boden unter den Füßen zu bekommen, einen Punkt zu erreichen, von dem aus es weitergehen könnte. „In meiner Situation musste dieser Punkt vier Wände und ein Dach haben“, erzählt Desai, für die die größte Herausforderung damals darin bestand, Scham und Stolz zu überwinden und nach Hilfe zu fragen. Fünf Monate verbrachte Desai wartend auf dem Sozialamt, zusammen mit vielen anderen Menschen, die am selben Punkt angelangt waren wie sie. Und es war diese Zeit, in der sie sich immer mehr in ihr „eigens errichtetes Gefängnis“ zurückgezogen hat. „‚Ich genüge nicht’ war damals sehr präsent in meinem Leben“, erinnert sie sich. „Es stand ja sogar schwarz auf weiß auf dem Papier: Alleinerziehende Hartz-4-Empfängerin Anfang 20. Ich war also derart bedürftig, dass ich Unterstützung vom Staat bekam.“ Nichtsdestotrotz fand sie mit diesem in ihren Augen aufgedrückten Stempel endlich eine Wohnung. Ein Stipendium für den Masterstudiengang Musikmanagement an der Uni in Wien stand ihr als Hartz-4-Empfängerin allerdings nicht zu. Wieder war da dieses: Ich genüge nicht. Und wieder manifestierte sich der Glaubenssatz ein bisschen mehr.

Nichtsdestotrotz zog sie das Studium durch und stand wenige Jahre später an der Spitze einer deutschen Plattenfirma. Am Zenit des Erfolgs angekommen, folgte sie dennoch ihrem Herzen und tauschte Beruf gegen Berufung, denn: „Das Gefühl, nicht zu genügen, hat nicht von heute auf morgen aufgehört. Auch als Chefin einer Plattenfirma habe ich mich so gefühlt.“ Ihr wurde klar, dass es keiner existenziellen Krise, keines offensichtlichen Scheiterns bedarf, um sich nicht ausreichend zu fühlen, denn die Wurzeln liegen tiefer, oft in der Kindheit. Dabei geht es nicht darum, den Eltern oder jemand anderem die Schuld zu geben. Viel wichtiger ist es, die Chance zu erkennen und sich seinen Gefühlen zu stellen. „Nur wenn wir uns mit unseren Glaubenssätzen auseinandersetzen, können wir uns aus unserem eigenen Gefängnis befreien. Nur wenn wir in die Verantwortung gehen, holen wir uns die Macht, die Power zurück“, so Desai.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Bist du was du sein kannst?
Seite 2 Gedanken wie Sand

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