Montag, 20. Mai 2019

Biss ein Zahnleben lang

Ausgabe 04/2010
Wer bis ins hohe Alter kraftvoll zubeißen will, muss früh damit beginnen, seine Beißerchen in Schuss zu halten. Welche Anti-Karies-Strategien der Zahnarzt für jede Generation empfiehlt.

Foto: Алексей Егоров - istockphoto.com
Vorausschauende Zahnpflege beginnt nicht etwa mit dem ersten Röntgenbild, sondern damit, dass Eltern den Schnuller ihres Babys nicht abschlecken und später nicht jeden Löffel Babybrei zuerst einmal selber kosten. Was da passieren könnte? Ist Ihre Mundhöhle nämlich von Bakterien besiedelt, werden diese schwuppdiwupp aufs Baby übertragen. „Bereits hier kann Karies ausgelöst werden“, macht Univ.-Prof. Dr. Peter Städtler von der Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und Leiter der Meduni Graz deutlich. Regelmäßiges Putzen ist das Um und Auf, wenn die Zähne schön und gesund bleiben sollen. Einiges sollte jedoch dabei berücksichtigt werden, betont Zahnarzt Städtler und nennt die wichtigsten Regeln für ein langes Zahnleben:

Ab dem 1. Lebensjahr
sollen Eltern unbedingt die goldene Regel „Zucker vermeiden“ beherzigen. Zahngesundheit im Kleinkindalter bedeutet in erster Linie, die Ernährungsgewohnheiten diesbezüglich rechtzeitig zu schulen. In zweiter Linie bedeutet es, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen – beim Zähneputzen und beim Essen. Warum spielt die Ernährung eine so tragende Rolle für die Beißerchen? Weil sich Bakterien gerade in süßem Milieu pudelwohl fühlen. Wer seine Zähne ständig mit Gezuckertem penetriert, verhilft Karies zu einem großen Startvorteil. „Achten Sie auch auf versteckten Zucker in Trockenfrüchten, Müsli, Cornflakes, Brot, Ketchup oder auch Senf“, warnt der Zahnmediziner. „Und bitte belohnen Sie Ihre Kinder nicht mit Süßigkeiten“, mahnt er. Der Zahnschmelz von Milchzähnen ist dünn und weich, also leicht angreifbar. „Ein kaputter Milchzahn kann auch die zweiten Zähne schädigen.“ Bis zum dritten Lebensjahr müsse die spezielle Kinder- Zahnbürste fest in Elternhand sein. Wichtig ist, die Zähne von allen Seiten zu reinigen. Womit geputzt wird? „Ideal ist eine Fluorid-hältige Zahnpasta“, empfiehlt Städtler. Fluorid fördert nämlich die Wiedereinlagerung von Mineralien in den Zahnschmelz und verbessert seine Säureresistenz.

Ab dem 3. Lebensjahr
ist der Speisezettel weiterhin entscheidend für die Zahngesundheit: Wasser statt Limo, ungezuckerter statt gezuckerter Früchtetee, Käse statt Nutellabrot und Frischobst statt Obstschnitte. „Nun geht es darum, das Kind möglichst selbst am Ritual des Zähneputzens Anteil nehmen zu lassen.“ Ab dem 3. Lebensjahr dürfen es auch elektrische Kinderzahnbürsten sein. Unter einer Bedingung: wenn Mama oder Papa noch nachputzen. In dieser Phase wird nämlich der Grundstein für einen kräftigen Biss bis ins hohe Alter gelegt. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Kinder, deren Milchzähne kariesfrei sind, bleiben es zu 90 Prozent auch später. Im Kleinkindalter wird auch vorbestimmt, ob das Mädchen oder der Bub später einmal Angst vorm Zahnarzt hat oder nicht. „Am besten nehmen Sie Ihr Kind mit, wenn Sie selber zur Kontrolluntersuchung gehen. So lernt es den Herrn Doktor, den Bohrer, den Sessel und die Zahnarztlampe zumindest einmal kennen.“ Und hoffentlich auch weniger fürchten.

Ab dem 6. Lebensjahr
verlieren Kinder langsam ihre Milchzähne. Nun ist spezielle Vorsicht geboten. Versiegeln lautet – neben Ernährung und Putzen – die wichtigste präventive Maßnahme, um Karies vorzubeugen. Dabei werden die Kauflächen versiegelt, um zu verhindern, dass sich Beläge bilden und Karies sich einnisten kann. Auch ist es ratsam, die Kleinen bis zum 10. Lebensjahr beim Putzen zu unterstützen. Hier ist Hartnäckigkeit, aber auch Hilfe seitens der Eltern gefragt. Etwa bei der Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide. Ab nun sollten regelmäßige Zahnarztbesuche auf dem Programm stehen.

Ab dem 12. Lebensjahr
gilt das Gebiss in der Regel als komplett. Mundhygiene ist besonders in der Pubertät ein Muss. Entscheidend ist die Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder so genannten Zahnzwischenraumbürsten, die in der Apotheke erhältlich sind. „Nur so kann man Plaque vorbeugen und verhindern“, erläutert Städtler. Wer Plaque nicht beseitigt, riskiert eine Zahnfleischentzündung (Paradontitis) und die Bildung so genannter Zahnfleischtaschen – richtig gehende Oasen für Bakterien. Dort gedeiht der Kariesteufel ungeniert, im schlimmsten Fall können die Zähne ihren Halt verlieren, zu wackeln beginnen und ausfallen. „Professionelle Zahnreinigung und Mundhygiene wirken Wunder“, so der Profi.

Im Erwachsenenalter
ist die konsequente Reinigung und Entfernung von Plaque das Um und Auf. Die korrekte Reihenfolge für richtiges Zähneputzen lautet: KAI. K steht dabei für Kauflächen, A für außen und I für Innenseite. Geputzt werden sollte immer von Rot (Zahnfleisch) nach Weiß (Zähne). Um eine ideale Putzwirkung zu gewährleisten, ist es ratsam, häufig die Zahnbürste zu wechseln – siehe Kasten. Der Zahn der Zeit nagt auch an unseren Beißerchen: nämlich bereits ab 35. Ab da kann sich das Zahnfleisch zurückbilden und in seiner Festigkeit nachlassen. Nun ist besondere Vorsicht geboten. Woran man gesundes Zahnfleisch erkennen kann? „Es ist blassrosa, fest und sollte nicht bluten.“ Treten Anzeichen einer Paradontitis auf, unbedingt einen Zahnarzt- Termin fixieren. Wie aktuelle Studien belegen, sind nämlich 70 Prozent aller Zahnverluste auf schlummernde Entzündungen zurückzuführen.

Aktuelle Ausgabe & E-Paper


cover 2019-05 130x173

Aktuelles Heft 05/2019

Die nächste Ausgabe erscheint am 7. Juni

 

Unsere Ausgabe 04/2019 als E-Paper Lesen!

Aktuelle Online Umfrage

Wie informieren Sie sich über Nebenwirkungen von Medikamenten?

Kontakt

  • Gesünder Leben Verlags GmbH
  • Johann Strauss Gasse 7/2/5
  • 1040 Wien, Österreich

Information