Mittwoch, 22. Mai 2019

Biolo­gische Waffen im Kampf gegen Rheuma

Ausgabe 2017.10

Ende der 90er-Jahre sorgte der Einsatz von Biologika dafür, dass entzündliche rheumatische Erkrankungen erstmals in ihrem Verlauf verlangsamt oder gestoppt werden konnten.


Foto: canstockphoto - konradbak

Rheuma ist eine Volkskrankheit mit vielen Gesichtern. Es weist rund 400 verschiedene Krankheitsbilder auf. Kein Wunder, verbergen sich hinter dem Sammelbegriff Rheuma doch mehrere Hundert unterschiedliche Krankheiten des Bewegungs- und Stützapparates. Diese sind nicht unbedingt mit hohem Alter verbunden. Selbst Kinder können an Rheuma, wie der juvenilen Arthritis, erkranken. Während die nichtentzündlichen Rheumaerkrankungen auf Abnützung und Überlastung von Gelenken basieren, ist bei den entzündlichen Erkrankungen eine Störung des Immunsystems verantwortlich, welches Antikörper gegen körpereigenes Gewebe oder Botenstoffe produziert. Ende der 1990er Jahre brach ein neues Zeitalter in der Behandlung dieser Erkrankungen, wie der rheumatoiden Arthritis, an.

Bahnbrechende Biotechnologie. Lange Zeit war man bei der Behandlung der gelenkszerstörenden Krankheit darauf beschränkt, die Schmerzen zu lindern. Neben Bandagen kamen Basistherapeutika zum Einsatz, die auch in der Bekämpfung von Krebs eingesetzt wurden. Diese Therapieansätze bargen Nachteile: So wurde nur der Schmerz bekämpft, das Fortschreiten der Erkrankung jedoch nicht beeinflusst. Zudem griffen die eingesetzten Medikamente nicht nur kranke, sondern auch gesunde Zellen an. „Mit Einsatz des ersten Biologikums kam es zu einem Paradigmenwechsel bei der Behandlung, die einer Revolution gleichkam“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Prim. Josef Smolen, Leiter der Klinischen Abteilung für Rheumatologie des AKH Wien. „Erstmals richtete sich das eingesetzte Medikament gegen bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe des Körpers. Das Arzneimittel griff gezielt in körpereigene Vorgänge ein und beeinflusste Mechanismen der Krankheitsentstehung und Krankheitsausbreitung.“ Die Folge: Die sogenannte biologische Therapie linderte nicht nur den Schmerz, sie führte in vielen Fällen dazu, dass der Krankheitsverlauf verlangsamt oder im besten Fall sogar gestoppt werden konnte. „Schon nach kurzer Zeit fühlten sich die Patienten besser, die Wirkung kam einem Wunder gleich“, erläutert der Rheumatologe. Möglich gemacht haben dies in den 90er-Jahren neue Herstellungsverfahren bei der Medikamentenproduktion. Biologika, im Englischen Biologicals oder Biologics, sind körperähnliche Eiweißstoffe, die auf Basis modernster Biotechnologie hergestellt werden. Im Vergleich zu bis dato eingesetzten Medikamenten wirken Biologika schneller und halten die Krankheit wirksam auf. Die Hauptwirkung beruht darauf, dass sie entzündungsfördernde Botenstoffe des Immunsystems abwehren. Dies geschieht, indem sie diese Stoffe entweder funktionslos machen oder jene Bindungsstellen, an denen sie ihre Wirkung entfalten, besetzen. Ein typisches Beispiel für diesen Wirkmechanismus sind jene Biologika, die den entzündungsauslösenden Botenstoff TNF-alpha blockieren. Man spricht hier von sogenannten TNF-Blockern. Zudem können Biologika die T-Lymphozyten-Aktivierung behindern und B-Lymphozyten, die verantwortlich für die Bildung von Antikörpern sind, zerstören.

Therapiemix. „Die biologische Therapie wird immer als Spritze angewendet,“ erklärt Dr. Smolen. „Biologika können nicht in Tablettenform verabreicht werden, da ihre Eiweißstruktur durch die Magensäure zerstört werden würde“, so der Mediziner. Derzeit sind in Österreich sechs verschiedene Biologika zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen zugelassen. Neben der rheumatoiden Arthritis können damit auch Krankheiten wie Psoriasis (Schuppenflechte), Psoriasis-Arthritis, Morbus Bechterew und Spondyloarthritiden (entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen) behandelt werden. „Häufig werden diese Biologika gemeinsam mit Methotrexat angewendet. Studien haben belegt, dass diese Kombination besonders gute Ergebnisse erzielt“, so der Rheumatologe.

 

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