Dienstag, 19. Februar 2019

Bewegtes Leben mit Rheuma

Ausgabe 09/2012
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Rheuma ist eine Krankheit mit vielen Gesichtern. Neue Studien zeigen, dass vor allem Früherkennung dazu beitragen kann, ein schmerzfreies Leben zu führen. Dazu kommen enorme Fortschritte in der Medizin.

Foto: Can Stock Photo Inc. - pressmaster Die einen verspüren nur leichte Beschwerden, die anderen können vor Schmerzen keinen klaren Gedanken fassen, geschweige denn ihrer Arbeit nachgehen und das tägliche Leben bewältigen. Bei den einen sind die Gelenke betroffen, bei den anderen auch Knochen, Sehnen, Muskeln, Nerven und Blutgefäße. Phasen der Besserung wechseln sich mit extremen Qualen gepaart mit Erschöpfung, unter Umständen auch Fieberanfällen und Gewichtsverlust ab. Diese und zahlreiche andere Symptome deuten auf Rheuma hin, dabei steht dieser Begriff für mehr als hundert teils ganz unterschiedliche Erkrankungen. Zudem unterscheiden sich sowohl Ursachen als auch Behandlungsansätze. Und während das Risiko, an einer degenerativen Gelenkserkrankung wie der Arthrose zu erkranken, mit steigendem Alter zunimmt, sind die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen alles andere als eine „Alte-Leute-Krankheit“. So tritt etwa rheumatoide Arthritis oft schon im mittleren Alter auf, mitunter sogar bei Kindern oder Jugendlichen. Und bei der Diagnose „Morbus Bechterew“ sind die Betroffenen nicht selten Anfang, Mitte 30.

Langer Weg zur richtigen Diagnose. „Rheumatische Muskuloskelettale Erkrankungen (Musculoskeletal Disorders = MSDs) sind entzündliche Erkrankungen des Systems, die bevorzugt die Innenhaut der Gelenke, manchmal aber auch die Blutgefäße und die inneren Organe betreffen“, erklärt OA Dr. Raimund Lunzer, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz-Eggenberg. Wenngleich die genaue Ursache noch weitgehend unbekannt sei, wisse man, „dass sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet und eine anhaltende Entzündung entsteht. Bleibt diese unbehandelt, führt sie zur allmählichen Zerstörung des betroffenen Gelenks oder Organs.“ Das Problem: Entzündlich-rheumatische Erkrankungen sind leichter beschrieben als diagnostiziert. Darüber hinaus ist Letzteres meist nur durch eine Kombination von klinischen, röntgenologischen und labormedizinischen Untersuchungen möglich. Und so können einige Jahre vergehen, bis die Ursache für die anhaltenden Gelenksschmerzen gefunden wird. Laut Lunzer wertvolle Zeit, denn: „Früherkennung spielt eine wesentliche Rolle und beginnt bereits beim ‚entzündlichen Wirbelsäulenschmerz‘: Wenn ein Patient schon morgens, teilweise auch in der Nacht mit Wirbelsäulen- bzw. Kreuzschmerzen aufwacht, die sich zwar mit Bewegung bessern, aber über Wochen andauern, sollte die Ursache rheumatologisch abgeklärt werden.“

Sehr wohl behandelbar. Das Leben mit Rheuma kann für Betroffene sehr belastend sein: Neben Schmerzen gehören Ärzte, Medikamente, (Bewegungs-)Therapien und andere Hilfsmittel zur Tagesordnung. Bei Patienten mit entzündlichen Gelenkserkrankungen kann es im Extremfall zu Arbeitsunfähigkeit oder Frühpensionierung kommen. Dies alles drückt auf die Seele, manchmal sind gar Depressionen die Folge. Daher gilt: Je früher die richtige Diagnose gestellt wird, desto rascher kann mit einer wirkungsvollen, auf den jeweiligen Patienten abgestimmten, individuellen Therapie begonnen werden. Lunzer: „Moderne Medikamente greifen ins Krankheitsgeschehen ein, reduzieren oder stoppen sogar die Entzündungsaktivität und verhindern so die Zerstörung der Gelenke bzw. der Wirbelsäule.“ Wichtig ist auch, dass man einen Facharzt für Rheumatologie aufsucht,  denn nur dieser hat die Möglichkeit abzuklären, ob – trotz richtiger Diagnose und geeigneter Therapie – eine vorhandene Entzündung weiterhin im Verborgenen Gelenke bzw. Wirbelsäule zerstört. Und: „Neueste Erkenntnisse aus der Forschung zeigen, dass rheumatische Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall mit sich bringen“, so Lunzer und zeigt damit einmal mehr auf, dass die gewählte Therapie regelmäßig auf ihre Wirksamkeit geprüft gehört.

Leben mit Morbus Bechterew
Nein, nicht nur „alte Menschen“ leiden unter Morbus Bechterew. Im Gegenteil: Diese mit Schmerzen und Gelenksversteifung einhergehende, chronisch rheumatische Wirbelsäulenerkrankung, benannt nach dem russischen Neurologen Wladimir Bechterew, beginnt meist in jungen Jahren. Maria Nimführ, Leiterin der Selbsthilfegruppe ÖVMB in Wien, war 34, als nach etlichen Fehldiagnosen, falschen Behandlungen und unerträglichen Schmerzen feststand, dass sie zu den rund 50.000 Betroffenen hierzulande zählt. „Früherkennung spielt eine große Rolle“, so die heute 67-Jährige. Neben Medikamenten bedarf es insbesondere einer positiven Lebenseinstellung und einer guten Bewegungstherapie, schließlich heißt es nicht ohne Grund: Bechterewler brauchen Bewegung. Nimführ hat neben der klassischen MB-Gymnastik positive Erfahrungen mit fernöstlichen Bewegungsformen wie Yoga, Thai-Chi oder Qigong gemacht. Und: „Besonders die Kombinationen aus Atmung, Gleichgewichtsübungen und Bewegungen bringen den gewünschten Erfolg und erleichtern das Leben sehr.“

Sie erreichen die Selbsthilfegruppe „Österreichische Vereinigung Morbus Bechterew“ im Internet unter:
www.bechterew.at


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