Montag, 20. Mai 2019

Beweg Dich! Und Dein Gehirn sagt Danke.

Ausgabe 2019.02
Seite 1 von 2

Neueste Studien zeigen, dass es nur einen Weg gibt, sich vor Demenz zu schützen. Und das ist regelmäßige, moderate Bewegung. Ein bisschen spazieren gehen, ein bisschen Rad fahren, ein bisschen schwimmen – und unser Gehirn schafft es, wieder fitter zu werden. Sogar bei der Diagnose Alzheimer! In GESÜNDER LEBEN erklärt Neurowissenschafterin Dr. Manuela Macedonia die neuesten und brisanten Forschungsergebnisse.

 


Foto: iStock-614128918_liuzishan

Es zählt wohl zu einer der größten Ängste im Alter: Seine kognitiven Fähigkeiten nach und nach zu verlieren und an Alzheimer zu erkranken. Diese Krankheit und andere Formen von Demenz sind auf dem Vormarsch. Aktuellen Schätzungen des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz zufolge leben rund 130.000 Menschen in Österreich damit – Tendenz steigend. Denn aufgrund der immer höher werdenden Lebenserwartung wird sich die Zahl der Betroffenen in den nächsten 30 Jahren verdoppeln. Die gute Nachricht: Wir können selbst aktiv werden und zur Gesundheit unserer Steuerungszentrale beitragen. Schließlich ist das Gehirn unser wichtigstes Organ, das Denken, Fühlen, Erinnern und Erlernen steuert. Während viele bei Sport fürs Köpfchen als Erstes an „Gehirnjogging“ denken, rät Dr. Manuela Macedonia zu regelmäßiger körperlicher Betätigung, um Gehirnerkrankungen vorzubeugen. In ihrem Buch „Beweg dich! Und dein Gehirn sagt Danke“ beschreibt die Neurowissenschafterin, „wie wir schlauer werden, besser denken und uns vor Demenz schützen“. Eines sei gleich vorweg verraten: Gehirn-Jogging zählt nicht dazu: „Im Jahr 2015 wurde eine große Übersichtsstudie durchgeführt, welche die Effekte von sogenannten Gehirn-Jogging-Programmen überprüfte“, so Macedonia im Gespräch mit GESÜNDER LEBEN. „Die Ergebnisse waren ernüchternd: Beim mentalen Rotieren von Formen und ähnlichen Aufgaben erreichten die Versuchspersonen im Lauf der Zeit eine Steigerung ihrer Leistungen. Dies hatte jedoch keine Transfereffekte auf das Gedächtnis, welches sich wie bei jenen Probanden verschlechterte, die kein Gehirnjogging machten“, erklärt die Wissenschafterin. Die einzige Möglichkeit, einen positiven Einfluss auf unser Gedächtnis zu gewinnen, liegt stattdessen in der Ausübung moderater Bewegung – das belegt auch die Wissenschaft. „Die Verbesserung der Gedächtnisleistung ist gut nachgewiesen, sowohl im Tierexperiment als auch in Studien, in denen Menschen moderaten Sport machten“, so Macedonia.

Buchtipp

buch1Beweg Dich! Und dein Gehirn sagt Danke

Dr. Manuela Macedonia

Die Neurowissenschafterin erzählt in ihrem Buch leicht verständlich und mit einer Prise Humor, welche positiven Auswirkungen regelmäßige Bewegung auf unser Gehirn hat.

Brandstätter Verlag
182 Seiten
22,– Euro

Mens sana in corpore sano
Wie wirkt sich körperliche Bewegung auf das Gehirn aus? „Mehrere Prozesse sind für die positiven Effekte verantwortlich“, erklärt Macedonia. „Einerseits regt Bewegung die Ausschüttung des Nervenwachstumsfaktors an – eine Substanz, welche die Gehirnzellen stärkt und ihre Vernetzung begünstigt. Sie fungiert wie eine Art Dünger für das System Gehirn. Ein Mangel an Nervenwachstumsfaktor kann an der Entstehung von Krankheiten mitverantwortlich sein, wie Depression, Essstörungen, aber auch Alzheimer.“ Ein weiterer Grund, warum man sich regelmäßig bewegen soll, betrifft den Hippocampus – jene Struktur in der Tiefe des Gehirns, die für das Kurzzeitgedächtnis zuständig ist. „Gehen, walken, laufen oder fahren wir Rad, behält der Hippocampus seine Funktionen auch im Alter. Studien zeigen auch, dass die Größe des Hippocampus bei Jugendlichen im Zusammenhang mit ihren schulischen Leistungen steht. Also gilt es, den Hippocampus auf Trab zu halten, wenn er gut funktionieren soll.“ Im Hippocampus findet auch die Neurogenese statt, die Entstehung neuer Gehirnzellen, und zwar ein Leben lang. „Nach ihrer ‚Geburt‘ als Stammzellen ‚wandern‘ sie in jene Regionen des Gehirns, die sie brauchen – zum Beispiel dort, wo gelernt wird oder wo ein Schaden zu reparieren ist. Kleine Schäden werden täglich in unserem Gehirn verursacht, etwa durch übermäßigen Alkoholkonsum oder nach einer schlaflosen Nacht. Dabei gehen Neuronen kaputt. Zum Glück werden sie durch neue Gehirnzellen ersetzt!“, so Macedonia.

Dem Alterungsprozess entgegenwirken
Fazit: Ein fitter Hippocampus ist sowohl für unser Kurzzeitgedächtnis als auch für die Neurogenese von Bedeutung. Regelmäßige Unterstützung durch körperliche Bewegung ist für den Sitz unseres Kurzzeitgedächtnisses doppelt wichtig, um die Auswirkungen des natürlichen Alterungsprozesses abzufangen. Denn: Der Hippocampus schrumpft bereits ab dem zwanzigsten Lebensjahr um ein Prozent pro Jahr. „Darüber hinaus schrumpft auch die Rinde des Gehirns bzw. das Innere, die weiße Substanz. In der Rinde haben wir aber auch ausgedehnte Netzwerke, die unser Wissen und unser Können speichern“, erklärt die Neurowissenschafterin. „Im Inneren des Gehirns befinden sich unter anderem Faserstränge, die Information schnell übertragen können, wenn wir Inhalte abrufen möchten. Wenn aber die Netzwerke aufgrund der Schrumpfung instabiler werden und die weiße Substanz nicht mehr so schnell die Information reisen lässt, ist es nachvollziehbar, dass man nicht mehr so schnell speichern und Inhalte abrufen kann.“ Die Folge: Unsere Gedächtnisleistung nimmt mit zunehmendem Alter ab. Zusätzlich beschleunigen Faktoren wie Übergewicht diese Entwicklung noch: „Studien zeigen, dass es einen negativen Zusammenhang zwischen hohem Body-Mass-Index und Gehirnschrumpfung gibt. Da das Fettgewebe dem Gehirn schadet, sollte man auf das Gewicht nicht aus ästhetischen Gründen achten, sondern um unser Denkorgan zu schützen“, empfiehlt die Expertin. Ein weiterer Grund für regelmäßigen Sport!

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Beweg Dich! Und Dein Gehirn sagt Danke.
Seite 2 Selbstheilung durch Sport

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