Mittwoch, 18. September 2019

Berührungen, die heilen

Ausgabe 2016.10

Wenn geschulte Therapeuten Hand anlegen, können viele Beschwerden sanft gelindert werden.


Foto: © Can Stock Photo Inc. - karelnoppe

Schon seit Jahrtausenden gelten in den meisten Kulturen die Hände als wirkungsvollstes Heilmittel bei körperlichen und seelischen Beschwerden. Geschulte Hände sind ähnlich wie ein medizinisches Gerät, mit dem sich Therapeuten ihr Bild vom Körper machen: Sie können Blockaden, Verspannungen und Verklebungen aufspüren, diese lockern und lösen, Muskeln und Gewebe stärken, Sehnen elastischer machen und die Selbstheilungskräfte anregen.

Wie funktioniert Osteopathie? Eine mittlerweile sehr bekannte Art der manuellen Therapie ist die Osteopathie. Vor mehr als 130 Jahren entwickelte der amerikanische Arzt Andrew Taylor Still ihre Prinzipien. Sein Ansatz war simpel: Leben zeigt sich in Form von Bewegung im Körper. Dort, wo sie verhindert wird, macht sich Krankheit breit. Jedes Gelenk, aber auch die verschiedenen Organe, das Blut und der Lymphstrom haben ihren ganz eigenen Rhythmus. Osteopathen kennen diese kleinen und großen Bewegungen des Körpers. Sie verstehen sich als eine Art Feinmechaniker für den Körper: Durch eine Kombination aus sanftem Berühren und Mobilisieren versuchen sie, die innere Harmonie und Balance wiederherzustellen. Damit werden die Selbstheilungskräfte angeregt, die dann voll wirken können.

Sanfte Therapie. Bei der Behandlung erkundet der Osteopath mit geschulten Händen und gründlichen Anatomiekenntnissen das Gewebe des gesamten Körpers, um Blockaden bzw. Bewegungseinschränkungen aufzuspüren: Je nach osteopathischer Technik fühlt sich das an wie Handauflegen oder auch sanftes „Einrenken“. Wird tief an den Faszien, den Muskel- und Körperhüllen, gearbeitet, kann das durchaus auch schmerzhaft sein. Was alle Techniken der Osteopathie gemeinsam haben: Die manuell-energetische Behandlungsmethode greift tief in das Körpergeschehen ein und beeinflusst nicht nur körperliche Funktionen, sondern auch seelische Bereiche. Prinzipiell werden die verschiedensten Beschwerden auf diese Weise therapiert: „Die meisten meiner Klienten suchen Hilfe, weil sie Probleme mit dem Bewegungsapparat haben. Typische Beschwerden sind Bandscheibenprobleme, Hexenschuss, Hüftschmerzen und Verspannungen“, erklärt Christine Bukowski, Physiotherapeutin und Osteopathin in Wien. Aber auch bei Spannungskopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Reizblase  oder Regelschmerzen kann ein erfahrener Osteopath regulierend eingreifen. Denn nicht selten stehen diese Probleme in einer indirekten oder direkten Beziehung zum Bewegungsapparat. „Gelenke, Muskeln, Faszien und Organe werden bei der Osteopathie nicht isoliert voneinander, sondern im feinen Zusammenspiel betrachtet. Also ähnlich wie bei einem Uhrwerk, wo Rädchen, Federn und filigrane Schrauben ineinandergreifen.“ Verändert sich zum Beispiel das Gangbild durch eine Verletzung, kommt es zu ungewöhnlichen Belastungen für die Gelenke, was wiederum Funktionsstörungen an anderen Stellen des Körpers auslösen kann.

Schon Kleinkinder profitieren. Bei Geburten kommt es manchmal vor, dass sich die Schädelknochen des Neugeborenen leicht verschieben. Werden dabei Blutversorgung oder Nerven beeinträchtigt, kann das dazu führen, dass das Baby Ess- und Trinkstörungen entwickelt und sehr viel schreit. Zudem können Schlafprobleme, Gangstörungen und später Lernschwierigkeiten oder Hyperaktivität entstehen. Hier können speziell ausgebildete Kinderosteopathen schon sehr früh eingreifen: Durch sachtes Therapieren von Knochen und Organen werden Spannungen und Störungen gelöst. Je kleiner die Kinder sind, desto formbarer ist ihre Struktur – und desto rascher sieht man Ergebnisse. In den USA wird an einigen Geburtskliniken schon jedes Baby routinemäßig osteopathisch untersucht. Hierzulande können Hebammen und die Österreichische Gesellschaft für Osteopathie (www.oego.org) solche Spezialisten empfehlen.

Erfolgskontrolle. Und wie merkt man eigentlich, dass die Sitzung geholfen hat? „Nach drei Behandlungen sollte zumindest eine Verbesserung spürbar sein“, so Bukowski. Haben sich Beschwerden nach fünf Sitzungen nicht deutlich gebessert, war die Osteopathie in diesem Fall wahrscheinlich nicht das richtige Mittel.

Das muss ich wissen - Osteopathie in Österreich

In Österreich wird Osteopathie vorwiegend von Ärzten und Physiotherapeuten mit einer umfangreichen Osteopathieausbildung praktiziert.
Die Ausübung ohne Einschränkung ist Ärzten und Zahnärzten erlaubt.
Osteopathen mit nicht ärztlichem Grundberuf dürfen Osteopathie nur nach ärztlicher Zuweisung ausüben.

Da Osteopathie in Österreich noch nicht als Heilmethode anerkannt ist, erfolgt keine Rückerstattung der Kosten seitens der gesetzlichen Krankenkassen.

Häufige Einsatzgebiete

  • akute und chronische Schmerz­zustände des Bewegungsapparates

  • Migräne und andere Arten von Kopfschmerzen

  • Schlafstörungen
  • Hyperaktivität des Kindes

  • Lernschwierigkeiten und Konzentrationsschwäche

  • Tinnitus, Schwindel

  • Psychische/seelische Störungen aufgrund von Stress, Konfliktsituationen oder traumatischen Erlebnissen
  • Bissanomalien des Kiefergelenkes

  • Beckenschiefstand

  • Schleudertrauma

 

Weitere Informationen: Österreichische Gesellschaft für Osteopathie (www.oego.org)

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