Sonntag, 22. September 2019

Autsch, ein Bänderriss!

Ausgabe 2019.02

Skifahren, Langlaufen, Schneewandern – und plötzlich heftige Schmerzen. GESÜNDER LEBEN zeigt, warum bei einem Bänderriss sofortiges Handeln nötig ist. Und warum PECH ausnahmsweise Glück bringt.

 


Foto: iStock-952762818_Naeblys

 

Beschwingt die verschneite Piste hinabwedeln oder auf der gut gespurten Loipe laufen – und schon ist es geschehen: Das Knie verdreht sich oder das Sprunggelenk knickt nach außen um. Ein intensiver Schmerz, der sich Stunden danach sogar noch verstärken kann, durchzuckt die betroffene Stelle. Diese schwillt zunehmend an. Am Gelenk entsteht ein Bluterguss, eine Belastung beziehungsweise Bewegung ist kaum bis gar nicht mehr möglich. Eventuell ging der Unfall sogar mit einem peitschenschlagartigen Schnalzen einher. Kurz: Ein Bänderriss liegt vor. „Bänderrisse gehören zu den häufigsten Sportverletzungen“, so Dr. Max Böhler, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie. „Die meisten Bänderrisse sind am Sprunggelenk lokalisiert.“ Im Allgemeinen versteht man unter unseren Bändern „Strukturen, die Gelenke stabilisieren und Knochen miteinander verbinden“, erklärt der Experte. Und: „Bänder sind Alterungsprozessen unterworfen und können bei degenerativen Veränderungen auch ohne Unfälle reißen.“ Nach einem Unfall mit Verdacht auf einen Bänderriss ist es ausschlaggebend, sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen einzuleiten. Experte Böhler spricht hier von der sogenannten PECH-Regel: Pause, Eis, Compression, Hochlagern. „Wichtig ist, dass der Verletzte die betroffene Stelle entlastet und sofort hochlagert, um der Schwellung entgegenzuwirken“, erklärt der Orthopäde. „Das Kühlen des Gelenks unterstützt die Hemmung der Schwellung und lindert die Schmerzen. Der letzte Schritt ist die Kompression. Dabei sollte ein Druckverband angelegt werden, der nach der Kühlung dafür sorgt, dass die betroffene Stelle nicht zu stark anschwillt.“ Ob es sich bei der Verletzung tatsächlich um einen Riss oder bloß um eine Überdehnung der Bänder handelt, kann nur der Facharzt abklären.Böhler: „Die Intensität der Schmerzen sagt nicht unbedingt etwas über die Art der Verletzung aus. In manchen Fällen kann ein überdehntes Band sogar schmerzhafter sein als ein Riss.“

Keine OP, aber rasch trainieren
Schon allein deshalb sollte nach dem Unfall sofort ein Arzt aufgesucht werden. „Wird ein Bänderriss nicht angemessen behandelt und die Heilung nicht richtig in die Wege geleitet, kann das Gelenk dauerhaft instabil bleiben“, warnt der Experte. Die Diagnose erfolgt mittels Ultraschalluntersuchung, bei komplizierten Rissen wird eine MRT-Untersuchung durchgeführt. Behandelt wird in den wenigsten Fällen operativ, sondern konservativ. „Dazu zählt im ersten Schritt die Entlastung des Gelenks sowie ein Druck- oder Salbenverband, eine Schiene oder die Stabilisierung mit gewickelten Tape-Bändern“, erklärt Böhler. Bei einem Kreuzbandriss des Kniegelenks sieht die Therapie etwas anders aus: „Hier wird aufgrund der Gefahr einer Kniegelenksarthrose nur im Ausnahmefall nicht operiert.“ Bei jeder Art von Bänderriss gilt: Eine Therapie mit gymnastischen Übungen sollte so früh wie möglich begonnen werden, „um die ruhig gestellte Muskulatur zu trainieren, damit der Betroffene rasch wieder mobil ist“, so Böhler. Der starke Schmerz zu Beginn der Verletzung nimmt im Normalfall nach zwei Wochen deutlich ab. „Bis zur vollkommenen Genesung dauert es 8 bis 12 Wochen, bei einem Kreuzbandriss bis zu einem Jahr“, klärt Böhler auf. Folgeschäden nach einem Bänderriss sind für gewöhnlich nicht zu erwarten. Sport darf und sollte nach dem Unfall wieder ausgeübt werden, „zu Beginn allerdings unter therapeutischer Begutachtung und langsamer Steigerung.“ Nach jedem Bänderriss ist jedoch Vorsicht geboten, warnt der Orthopäde: „Wer schon einmal einen Bänderriss hatte, hat ein fünffach erhöhtes Risiko für eine erneute Verletzung an der gleichen Stelle.“

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